> > > Marenzio, Luca: L'Amoroso & Crudo Stile-Madrigale: Rossoporpora, Walter Testolin
Freitag, 22. November 2019

Marenzio, Luca: L'Amoroso & Crudo Stile-Madrigale - Rossoporpora, Walter Testolin

Luft nach oben


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


RossoPorpora (roter Purpur) nennt sich das Ensemble, das hier seine erste CD mit Werken von Luca Marenzio vorstellt. Ein wagemutiges Unternehmen, das aber relativ weitgehend gelingt.

Luca Marenzio (1553–1599) gehört nach Alfred Einstein zu dem großen Dreiergestirn der ausklingenden sogenannten Vokalpolyphonie und des beginnenden Frühbarocks, deren beiden anderen Komponisten Gesualdo und Monteverdi heißen. Marenzio ist weniger bekannt als diese; sehr zu Unrecht, wie vorliegende CD zeigt. Der Wechsel von Homophonie und Polyphonie, die Dramatik, aber auch die Ruhe seiner Madrigale und die Textbezogenheit lassen erkennen, dass wir es mit einem großen Komponisten zu tun haben, der allerdings auf dem CD-Markt eher zu wenig repräsentiert wird. Umso verdienstvoller ist es, dass das junge Ensemble RossoPorpora für seinen Einstand Marenzios Madrigale ausgewählt hat.

Das Vokalensemble besteht aus acht Sängern und dem Leiter Walter Testolin. In dieser ‚kleinen‘ Besetzung erklingen die Madrigale recht durchsichtig. Allerdings wird die Transparenz an manchen Stellen getrübt durch unangemessenes Vibrato und wohl zu großer Emotionalität der Sänger. Überhaupt wirkt das Vibrato zu reichlich eingesetzt. Das trifft besonders auf die schnellen Passagen zu. Im Vergleich mit der Referenzaufnahme des Ensembles La Venexiana von 2001 auf Glossa wirkt die Dynamik etwas weniger ausgefeilt. Das trifft besonders auf die Schlusswendungen zu. Die Intonation ist weithin perfekt. Trotzdem erreicht das Ensemble nicht den Grad an Verschmelzung, wie ihn andere Vokalensembles realisieren. Es scheint, als sehe jeder Sänger, jede Sängerin vor allem auf die eigene Leistung. Der Zusammenklang ist deutlich weniger ausgehört als bei mancher Konkurrenzaufnahme. Nur manchmal in den langsamen Teilen bekommt man eine Ahnung von dem harmonischen Gleichklang, der bei vielen Hörern die berühmte Gänsehaut hervorruft. Dafür aber lässt sich das Ensemble auf die Dramatik vieler Madrigals ein und zeichnet sie eindringlich nach. Für Schönklang ist da kein Platz, wenigstens nicht für RossoPorpora.

Komplettiert wird die Aufnahme durch zwei Intavolierungen von Madrigalen für eine oder zwei Lauten, souverän gespielt von Massimo Lonardi und Michele Pasotti. Das sehr geschmackvoll gestaltete Booklet enthält Einführungen auf Englisch, Französisch und Italienisch. Die Texte erscheinen nur auf Italienisch. Es handelt sich also um eine gute Aufnahme, der aber noch einiges fehlt, um den Parnass der Vokalpolyphonie zu erreichen. Es ist zu erwarten, dass dem verheißungsvollen Ensemble dieser Schritt noch gelingt.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marenzio, Luca: L'Amoroso & Crudo Stile-Madrigale: Rossoporpora, Walter Testolin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
08.06.2018
Medium:
EAN:

CD
3760195734490


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Marenzio, Luca


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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