> > > Paganini, Niccolo: 24 Capricen: Roman Simovic, Violine
Freitag, 22. November 2019

Paganini, Niccolo: 24 Capricen - Roman Simovic, Violine

Ultimative Herausforderung


Label/Verlag: LSO Live
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roman Simovic stellt sich einer anspruchsvollen Repertoire-Prüfung – und besteht sie.

Sie gelten bis heute als ultimative Herausforderung und Gradmesser der Geigenliteratur: Paganinis 24 Capricen. Der Interpret ganz allein mit seinem Instrument, das Ganze auf höchstem technischem Level – dieser Aufgabe hat sich Roman Simovic auf diesem beim Label LSO erschienenen Doppelalbum gestellt. Um die virtuose Visitenkarte abzugeben, eignet sich bereit die Caprice Nr. 1 E-Dur mit dem vielsagenden Untertitel ‚L‘Arpeggio‘ – Simovic und seine Stradivari Jahrgang 1709 bestehen diese Eingangsprüfung mit Bravour.

Mitreißender Schwung

Zu dem in der Höhe herrlich klaren, in der Tiefe wunderbar warmen Timbre seiner Geige gesellen sich technische Souveränität und hohe Musikalität. Im Opus 1 Nr. 2 (Moderato) gelingen ihm zwar in hohen Lagen nicht alle Töne mit restlos kraftvoller Stabilität, die einzelnen Phrasen formt er aber auch hier mit akribischer Diktion aus. Mitreißenden musikalischen Schwung und bezwingende Dynamik verleiht er der ‚höllisch‘ schweren Nummer 5 aus der Feder des immer wieder gern als solcher apostrophierten ‚Teufelsgeigers‘. Im anschließenden g-Moll-Lento mit dem sinnfälligen Titel ‚The Trill‘ führt der Konzertmeister des London Symphony Orchestra agogisch variabel die fulminante Ornamentik vor. Im berühmten ‚La Chasse‘ geraten die Akzentuierungen stellenweise eine Spur zu übertrieben, die Triller dafür aber umso ausgewogener. In der Nr. 21 A-Dur (Amoroso/Presto) kreiert Simovic eine luftig-schwerelose Darstellung der Einleitung, im zweiten Teil demonstriert er Hochgeschwindigkeits-Virtuosität, die einfach Spaß macht. Das programmatische Gelächter der Nummer 13 fängt er ebenso charakteristisch ein wie die humorvoll augenzwinkernde Spielfreude, die aus der Es-Dur-Caprice Nr. 17 mit ihren Fermaten und eingebauten Marcato-Zäsuren blitzt.

Abwechslungsreich koloriert

In den beiden umfangreichsten Stücken (Nr. 23 und die allseits bekannte Nr. 24) vereinigt er nochmals mit viel Pep und abwechslungsreich kolorierten Motivwiederholungen den gesamten Kanon aller erdenklichen ‚Schikanen‘ bis hinein in vertrackte Oktavparallelen und linkshändige Pizzicati. CD-übergreifend zeigt Simovic insgesamt deutlich: Paganinis Capricen sind weit mehr als nur effekthaschendes virtuoses Blendwerk. Oder wie er selbst treffend im (ansprechend und informativ gestalteten) Booklet sagt: Es geht darum, die musikalischen Geschichten hinter diesen nur vordergründig bloßen Etüden zu erzählen. Genau dafür braucht man neben der technischen Basis eine reiche Palette an gestalterischen und klanglichen Möglichkeiten – über beide verfügt der Ukrainer. Zu den Spielern, die sich an der Bürde dieses Anforderungspakets verheben, gehört er somit definitiv nicht, eine gute Klangqualität bereichert das Hörvergnügen zusätzlich.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Paganini, Niccolo: 24 Capricen: Roman Simovic, Violine

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
LSO Live
1
08.06.2018
Medium:
EAN:

CD
822231508328


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Paganini, Niccolò


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LSO Live

Einspielungen des Labels LSO Live vermitteln die Energie und Emotion der großartigsten Aufführungen mit höchster technischer Qualität und Finesse.

Liveaufzeichnungen bedeuteten früher gewöhnlich Kompromisse, aber heutzutage kann mit Hilfe der besten Aufnahmetechnik im Konzertsaal die Vitalität festgehalten werden, die im Studio so schwer nachzustellen ist.
Durch das Zusammenschneiden mehrerer Aufführungen können wir eine Vorlage schaffen, die die Spannung einer Konzertaufführung ohne unerwünschte Nebengeräusche bewahrt.

Seit 2000 veröffentlichte das LSO Live über 80 Alben und nahm zahlreiche Preise entgegen. Das London Symphony Orchestra war schon früher das am meisten aufgenommene Orchester der Welt, hatte es doch für zahlreiche Plattenfirmen gearbeitet und viele der berühmtesten Filmmusiken eingespielt. Die Investition in unsere eigenen Aufnahmen ermöglicht dem Orchester jedoch abzusichern, dass jede Veröffentlichung den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und das Hören der besten Musik allen Menschen zugänglich ist.

Das LSO Live war eines der ersten klassischen Plattenfirmen, die Downloads anboten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir geben auch unsere Einspielungen im SACD Format (Super Audio Compact Disc) heraus. SACDs lassen sich auf allen CD-Spielern abspielen, ermöglichen aber den Hörern mit speziellen SACD-Spielern den Genuss eines hochaufgelösten, mehrkanaligen Klangs.

London Symphony Orchestra
Das London Symphony Orchestra wurde 1904 von einer Gruppe von Musikern gegründet, die für den Dirigenten Henry Wood spielten. Sie wollten ihr eigenes Orchester leiten und die Wahl haben, mit welchen Dirigenten sie zusammenarbeiteten. Sie beschrieben das LSO als eine musikalische Republik, und das Orchester war über Nacht ein Erfolg.

Heute gibt das LSO ungefähr 70 Konzerte pro Jahr in London und bis zu 90 auf Tournee. Es ist regelmäßig auf Konzertreise durch Europa, Nordamerika und im Fernen Osten. Waleri Gergijew ist seit 2007 Chefdirigent des LSO und Sir Colin Davis sein Präsident.

Das LSO organisiert auch das in der Welt am längsten laufende und umfangreichste Bildungsprogramm eines Orchesters: LSO Discovery. Mit seinem Sitz im Londoner Musikbildungszentrum LSO St Lukes schafft Discovery die Möglichkeit für Menschen aller Altersgruppen und Veranlagungen, mit Musikern des LSO zusammenzuarbeiten, etwas über Musik zu lernen und ihre Fertigkeiten zu entwickeln.


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