> > > Lukaszewski, Pawel: Daylight declines - Chorwerke: Tenebrae, Nigel Short
Samstag, 18. Januar 2020

Lukaszewski, Pawel: Daylight declines - Chorwerke - Tenebrae, Nigel Short

Starke Stimmen


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Pawel Lukaszewski kommt eine wirklich interessante, eigenständige Stimme zu Gehör, die gleichermaßen kompositorische Ambition verkörpert wie sie dem Publikum zugewandt ist. Großartig gesungen von Tenebrae.

Das vom ehemaligen King‘s Singer Nigel Short gegründete und zu reichem Erfolg geführte Vokalensemble Tenebrae hat weit ausgreifend über Epochen hinweg Akzente im Repertoire gesetzt – mit einer Bandbreite von Tomás Luis de Victorias Requiem bis zur Hochromantik von Brahms und Bruckner. Und noch darüber hinaus bis zu einer ästhetisch nicht extremen Moderne, die sich der Traditionen bewusst ist und zugleich davon emanzipiert. Das führt zum Komponisten der aktuell bei Signum Classics erschienenen Platte, zum 1968 geborenen Polen Paweł Łukaszewski. Der bezeichnet seine Musik selbst als einer erneuerten Tonalität zuzurechnen und sieht sich in der polnischen Tradition von Lutosławski, Penderecki und Górecki genauso wie in der Nachfolge Arvo Pärts.

Man sollte sich vom Begriff der Tonalität nicht zu früh in die Irre führen lassen: Es ist alles andere als Feel good music, die da zu hören ist, sondern es sind Sätze mit ernsthaften, gelegentlich auch klanglich harten Momenten von eigener Expressivität. Prägend sind reichlich mixturartiger Dissonanzeinsatz, auch eine geschärfte Linearität und abrupte chromatische Akkordrückungen. All das ist freilich meist homophon gesetzt und in einen dichten Strom eingebettet, der immer wieder in beruhigende, gelegentlich auch düstere Terzschichtungen aufgelöst wird. Das gilt besonders für die beiden gewichtigsten Werke, die 'Tenebrae-Responsorien' und die 'Lamentationen', die insgesamt hochattraktive Musik bieten, auch dank einiger konzentrierter, dynamisch auffahrender Gesten. Die beiden erklingenden Shakespeare-Sonette sind etwas beweglicher in der Sprachbehandlung und variabler im Satz. Das beschließende 'Beati' ist ein weiteres Beispiel für Łukaszewskis dichten, oft vielstimmig geweiteten Satz, der zudem mit der Besonderheit einer fortwährenden chromatischen Alteration aufwartet, die jeweils von frei einsetzenden Sopranen eingeleitet und dann von vollstimmiger Akkordik untersetzt wird. 

Perfekte Formation

Keine ganz kleine Anforderung an den Chor, der gerade hier eine seiner herausragenden Fähigkeiten ausspielt: Die auf solider Kraft basierende, dabei nie gezwungen wirkende Intonation, die einfach vorbildlich genannt werden kann. Die Formation insgesamt singt in ungemein homogenen, charaktervollen, plastischen Registern – mit einer dynamischen Kontrolle, die ihresgleichen sucht. Vom berstenden Forte bis zum üppig substantiierten Pianissimo ist das beispielhaft, inklusive geduldig gestalteter Übergänge. Das Ensemble singt lyrisch edel, in schönsten Linien voller Lebendigkeit: Die Brucknersche Größe ist auch hier nachzuempfinden. Überhaupt sind die großen Bögen die interpretatorische Basis. Umso prägnanter wirken die knappen, scharf akzentuierten Gesten, die immer wieder mit dem lyrischen Großformat kontrastieren. Nigel Short garantiert der Musik freien Fluss, darin auch dem ebenso großen wie klaren, ganz auf den Charme und die Präsenz des Raumes setzend.

Mit Paweł Łukaszewski kommt eine wirklich interessante, eigenständige Stimme zu Gehör, die gleichermaßen kompositorische Ambition verkörpert wie sie dem Publikum zugewandt ist. Kein Wunder, dass die Vokalisten von Tenebrae das singen wollten. Und wie sie das getan haben.



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    Lukaszewski, Pawel: Daylight declines - Chorwerke: Tenebrae, Nigel Short

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
08.06.2018
Medium:
EAN:

CD
635212052129


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Lukaszewski, Pawel


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signum classics

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