> > > Lukaszewski, Pawel: Daylight declines - Chorwerke: Tenebrae, Nigel Short
Donnerstag, 22. August 2019

Lukaszewski, Pawel: Daylight declines - Chorwerke - Tenebrae, Nigel Short

Starke Stimmen


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Pawel Lukaszewski kommt eine wirklich interessante, eigenständige Stimme zu Gehör, die gleichermaßen kompositorische Ambition verkörpert wie sie dem Publikum zugewandt ist. Großartig gesungen von Tenebrae.

Das vom ehemaligen King‘s Singer Nigel Short gegründete und zu reichem Erfolg geführte Vokalensemble Tenebrae hat weit ausgreifend über Epochen hinweg Akzente im Repertoire gesetzt – mit einer Bandbreite von Tomás Luis de Victorias Requiem bis zur Hochromantik von Brahms und Bruckner. Und noch darüber hinaus bis zu einer ästhetisch nicht extremen Moderne, die sich der Traditionen bewusst ist und zugleich davon emanzipiert. Das führt zum Komponisten der aktuell bei Signum Classics erschienenen Platte, zum 1968 geborenen Polen Paweł Łukaszewski. Der bezeichnet seine Musik selbst als einer erneuerten Tonalität zuzurechnen und sieht sich in der polnischen Tradition von Lutosławski, Penderecki und Górecki genauso wie in der Nachfolge Arvo Pärts.

Man sollte sich vom Begriff der Tonalität nicht zu früh in die Irre führen lassen: Es ist alles andere als Feel good music, die da zu hören ist, sondern es sind Sätze mit ernsthaften, gelegentlich auch klanglich harten Momenten von eigener Expressivität. Prägend sind reichlich mixturartiger Dissonanzeinsatz, auch eine geschärfte Linearität und abrupte chromatische Akkordrückungen. All das ist freilich meist homophon gesetzt und in einen dichten Strom eingebettet, der immer wieder in beruhigende, gelegentlich auch düstere Terzschichtungen aufgelöst wird. Das gilt besonders für die beiden gewichtigsten Werke, die 'Tenebrae-Responsorien' und die 'Lamentationen', die insgesamt hochattraktive Musik bieten, auch dank einiger konzentrierter, dynamisch auffahrender Gesten. Die beiden erklingenden Shakespeare-Sonette sind etwas beweglicher in der Sprachbehandlung und variabler im Satz. Das beschließende 'Beati' ist ein weiteres Beispiel für Łukaszewskis dichten, oft vielstimmig geweiteten Satz, der zudem mit der Besonderheit einer fortwährenden chromatischen Alteration aufwartet, die jeweils von frei einsetzenden Sopranen eingeleitet und dann von vollstimmiger Akkordik untersetzt wird. 

Perfekte Formation

Keine ganz kleine Anforderung an den Chor, der gerade hier eine seiner herausragenden Fähigkeiten ausspielt: Die auf solider Kraft basierende, dabei nie gezwungen wirkende Intonation, die einfach vorbildlich genannt werden kann. Die Formation insgesamt singt in ungemein homogenen, charaktervollen, plastischen Registern – mit einer dynamischen Kontrolle, die ihresgleichen sucht. Vom berstenden Forte bis zum üppig substantiierten Pianissimo ist das beispielhaft, inklusive geduldig gestalteter Übergänge. Das Ensemble singt lyrisch edel, in schönsten Linien voller Lebendigkeit: Die Brucknersche Größe ist auch hier nachzuempfinden. Überhaupt sind die großen Bögen die interpretatorische Basis. Umso prägnanter wirken die knappen, scharf akzentuierten Gesten, die immer wieder mit dem lyrischen Großformat kontrastieren. Nigel Short garantiert der Musik freien Fluss, darin auch dem ebenso großen wie klaren, ganz auf den Charme und die Präsenz des Raumes setzend.

Mit Paweł Łukaszewski kommt eine wirklich interessante, eigenständige Stimme zu Gehör, die gleichermaßen kompositorische Ambition verkörpert wie sie dem Publikum zugewandt ist. Kein Wunder, dass die Vokalisten von Tenebrae das singen wollten. Und wie sie das getan haben.



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Lukaszewski, Pawel: Daylight declines - Chorwerke: Tenebrae, Nigel Short

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
08.06.2018
Medium:
EAN:

CD
635212052129


Cover vergössern

Lukaszewski, Pawel


Cover vergössern

signum classics

Signum Records is fuelled by the passion to produce great music recorded with integrity and creativity at the highest level.

Signum is a privately-owned and steadily-growing record label that benefits from the commitment and services of its sister company, Floating Earth, the leading production and engineering specialist service provider in Europe.

Having started the label in 1997 Signum now boasts a catalogue of nearly 150 titles and many of which are award winners, nominees or five star review recipients from around the world.

The small Signum team strives to provide a first class service at all times with clients, artists, suppliers and colleagues. Signum works with new and emerging artists and composers through to established artists, making available much-loved areas of repertoire as well as previously unheard, innovative recordings.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag signum classics:

  • Zur Kritik... Ein Chor von Format: So feiert man Traditionen und nicht zuletzt auch sich selbst: klangfreudig, frisch, selbstbewusst. Wie viele andere englische College- und Kathedralchöre gehört der Choir of St. John's College Cambridge zu einem Phänomen, das Musikkultur bis heute prägt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Frühreif: The Mozartists interpretieren zwei verschiedene Werke des frühreifen Mozart. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Debüt mit Duruflés Chorwerk: Eine schöne Gesamtschau der Chorwerke Maurice Duruflés, und dazu ein gelungenes Porträt des Houston Chamber Choir bei Signum Classics. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von signum classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Finale: Was für eine Großtat von Hans-Christoph Rademann und seinen Ensembles. Schütz komplett – das gibt es jetzt auf hohem und höchstem Niveau. Für Enthusiasten ist die Reihe unverzichtbar. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Chor von Format: So feiert man Traditionen und nicht zuletzt auch sich selbst: klangfreudig, frisch, selbstbewusst. Wie viele andere englische College- und Kathedralchöre gehört der Choir of St. John's College Cambridge zu einem Phänomen, das Musikkultur bis heute prägt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Erkundenswertes Süditalien: Nicola Logoscino bereichert die Musikgeschichte Neapels und Sizilens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich