> > > Pals, Leopold van der: Sinfonie 1; Wieland der Schmied op.23: Helsingborg Symphony Orchestra, Johannes Goritzki
Samstag, 18. August 2018

Pals, Leopold van der: Sinfonie 1; Wieland der Schmied op.23 - Helsingborg Symphony Orchestra, Johannes Goritzki

Aus der Trickkiste


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach einem gezähmten sinfonischen Erstling überzeugen drei Sinfonische Dichtungen des musikalischen Kosmopoliten Leopold van der Pals.

Leopold van der Pals (1884–1966) ist einer jener Komponisten, die durch eine eher ungewöhnliche Biografik zwar als Kosmopoliten bezeichnet werden können, die aber gleichzeitig von keiner Landesmusikpflege so recht vereinnahmt werden. In Sankt Petersburg als Sohn eines niederländischen Unternehmers und einer dänischen Mutter geboren, wandte sich Leopold van der Pals 1904 nach Lausanne, lebte und wirkte von 1907 bis 1915 in Berlin und ließ sich danach in der Schweiz nieder. Van der Pals‘ erste Sinfonie in fis-Moll op. 4 entstand in den Jahren 1908, geprägt durch so unterschiedliche Erlebnisse wie Konzerte unter Sergej Kussewitzki und die Begegnung mit der Theosophie. Man kann sich fast vorstellen, mit wieviel Feuer Kussewitzki van der Pals‘ Sinfonie belebt hätte – die vorliegende Interpretation durch das Helsingborgs Symfoniorkester unter Johannes Goritzki ist im Eindruck eher gezähmt, sorgsam und ‚anständig‘ musiziert, aber ohne den exuberanten Schwung, der der Musik ebenfalls innewohnt. Auch die Aufnahmetechnik mag durch eine gewisse ‚Weichzeichnung‘ zu diesem Eindruck beitragen – Mischklänge werden stärker bevorzugt als schärfere Attacken. Man fühlt sich an Glasunow oder auch Glière erinnert, die unter gediegenerer Hand auch etwas von ihrer saftigen Frische verlieren können.

Griff in die Trickkiste

Wie ausgewechselt scheinen die Musiker, dürfen sie sich van der Pals‘ späteren Kompositionen zuwenden, den Sinfonischen Dichtungen 'Frühling' und 'Herbst' op. 14 Nr. 1 und 2 (1910/11) bzw. 'Wieland der Schmied' op. 23 (1911/12). Hier greift van der Pals wie auch die Musiker tief in die ‚musikalische Trickkiste‘ der ‚Neoromantik‘. Die großen Steigerungen sind (nicht zuletzt durch die konventionelle Orchestrierung) weniger erfolgreich als die elegischen, in der dialogisierenden Durchdringung stark charakterisierten Passagen. Wahrscheinlich hätten auch hier spitzere Pointierungen der Musik eine noch stärkere Eigenart verleihen können (man denkt unwillkürlich an die achtbaren, aber selten kongenialen Bantock-Einspielungen unter Vernon Handley im Vergleich zu den Lesarten Norman Del Mars oder Edward Downes‘). Natürlich ist der große, ‚abgehobene‘ Atem gleichfalls Teil von van der Pals‘ Konzeption, doch scheint die Interpretation immer wieder etwas in Äußerlichkeiten, auch in herrlichen Einzelmomenten hängen zu bleiben. Leider sind auch die Blechbläser des Helsingborgs Symfoniorkester nicht ganz ‚Güteklasse A‘.

Trotz der ungewohnten Strukturierung des Booklettextes fällt dieser ausgesprochen positiv auf durch seine außerordentliche Informationstiefe – der Cellist Tobias van der Pals, ein Verwandter des Komponisten, zeichnet als Autor verantwortlich; er ist es auch, der zusammen mit Johannes Goritzki das im Prinzip verdienstvolle Projekt initiiert hat. Wollen wir hoffen, dass bei den weiteren Folgen die Musiker noch besser aufgelegt sind und noch stärker aus sich herauskommen. Der Musik und ihrem Schöpfer wird es guttun.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pals, Leopold van der: Sinfonie 1; Wieland der Schmied op.23: Helsingborg Symphony Orchestra, Johannes Goritzki

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
31.05.2018
EAN:

761203511723


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Pals, van der, Leopold
 - Symphony No.1 op.4 in F sharp minor - Allegro moderato
 - Symphony No.1 op.4 in F sharp minor - Scherzo - vivace
 - Symphony No.1 op.4 in F sharp minor - Andante molto
 - Symphony No.1 op.4 in F sharp minor - Allegro molto
 - Frühling op.14,1 -
 - Herbst op.14,2 -
 - Wieland der Schmied op.23 -


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Dirigent(en):Goritzki, Johannes
Orchester/Ensemble:Helsingborg Symphony Orchestra


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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