> > > Lachner, Franz: Catharina Cornaro: Chor des BR, Münchner Rundfunkorchester, Ralf Weikert
Sonntag, 21. Oktober 2018

Lachner, Franz: Catharina Cornaro - Chor des BR, Münchner Rundfunkorchester, Ralf Weikert

Romantischer Lokalerfolg


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Franz Lachners 'Catharina Cornaro' ist ein historisch bedeutsames Werk, das man nun in einer verdienstvollen Aufnahme nachhören kann.

Mit seiner großen tragischen Oper 'Catharina Cornaro' hat Franz Lachner seinem heute weitaus berühmteren Kollegen Gaetano Donizetti schlaflose Nächte bereitet. Donizetti wollte 1841 fast zeitgleich mit seiner eigenen Vertonung von 'Caterina Cornaro' in Wien herauskommen – doch Lachner war schneller. Donizetti behielt sein Werk noch drei Jahre in der Schublade, bevor er es in überarbeiteter Form in Parma herausbrachte. Heute ist auch Donizettis Variante äußerst selten auf der Bühne anzutreffen, jene von Pacini, Balfe, Halévy oder eben Lachner letztlich gar nicht mehr. Dabei gehörte zu Lebzeiten Lachners seine 'Catharina Cornaro' zu den erfolgreichsten Opern in München, wo das Werk auch uraufgeführt wurde. Es ist sozusagen wichtiger Bestandteil der Münchner Operngeschichte, wo Lachner als erster Münchner Generalmusikdirektor das Opernleben mit neuen Impulsen versorgte, indem er selbst komponierte und die neuesten Werke aus Paris an die Isar brachte. 1903 gab es in München die letzte Produktion seiner 'Catharina Cornaro', danach verschwand die einst große Oper in der Versenkung.

Im Jahr 2012 feierte man im Münchner Prinzregententheater die Wiederauferstehung des einstigen Erfolgs: Neu editiert und ordentlich im Druck vorliegend. brachte das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Ralf Weikert die Oper von der in eine politische Ehe gedrängten Venezianerin, die zur zypriotischen Königin wird, zur konzertanten Aufführung. Stilistisch kommt Lachners Komposition aus dem Umkreis seines Freundes Franz Schubert, aber auch Cherubini und Spontini können ihre Patenschaft nicht verleugnen. Ebenso meint man immer wieder, Carl Maria von Weber und Heinrich Marschner herauszuhören. Das alles bezeugt aber letztlich nur die stilistische Offenheit Franz Lachners und die genaue Kenntnis des musikalischen Zeitgeschehens, die der Komponist in sein Werk einfließen lässt. Er ist teils Klassizist, teils Romantiker – vor allem aber ist er ein Theaterpraktiker, ein grundsolider Handwerker. 'Catharina Cornaro' ist voll von effektvollen Szenen und Ideen, die ihre Wirkung im Opernhaus Mitte des 19. Jahrhunderts sicherlich nicht verfehlt haben dürften: Allein schon die große Hochzeitsszene auf dem Markusplatz, die musikalischen Versatzstücke aus dem Off wie Orgelklänge und singende Gondolieri, die Realismus vortäuschen, belegen deutlich, dass Lachner auf der Höhe seiner Zeit war.

Unterhaltsame romantische Oper

Aus heutiger Sicht ist 'Catharina Cornaro' eine durchaus unterhaltsame romantische Oper, die mit ihrer Rezitativstruktur und den großen Szenenkomplexen stark an Meyerbeers historische Opern erinnert, dabei aber immer noch sehr deutsch klingt. Lachners Melodien sowie seine Harmonik sind nicht besonders raffiniert, erfüllen aber ihren Zweck, nämlich die Charaktere und ihre Situationen emotional zu begreifen. Es gibt aber auch wirkliche Glanzpunkte und auffallend starke Nummern, wie beispielsweise die Arie der Catharina aus dem zweiten Akt oder die Finali des zweiten und dritten Aktes.

Der Münchner Mitschnitt vom 14. Oktober 2012 lässt Lachners Oper in bestmöglichem Licht dastehen. Kristiane Kaiser ist eine glänzende Catharina, die von der ersten bis zur letzten Minute zu faszinieren versteht. Sie gestaltet die zerrissene junge Frau mit Intensität und vokaler Raffinesse, ihr Sopran leuchtet in allen Lagen, die lyrischen Momente sind von makelloser Schönheit, aber nie eindimensional. Doch die Sängerin ist ebenso in der Lage, für die heroischen Passagen dramatisch zuzupacken – wie auch ihr Kollege Daniel Kirch als Marco, der ebenfalls von der lyrischen Seite kommt, aber schon 2012 deutlich macht, wohin der Weg führen könnte. Mittlerweile stehen Florestan und Siegfried auf dem Plan. In Lachners 'Catharina Cornaro' können die beiden als Idealbesetzung gelten, die den Umbruch der deutschen Opernlandschaft kurz vor Richard Wagner klanglich erfahrbar machen.

Ideal für dieses Randrepertoire

Als König Jakob macht der junge Mauro Peter mit seinem edlen Timbre und der beneidenswerten Mischung aus klarer Artikulation und vokaler Sinnlichkeit eine hervorragende Figur. Simon Pauly leistet ebensolches als Andrea Cornaro mit kultivierter Stimmführung und Tonschönheit. Allein Christian Tschelebiew hat als Unsympath Onofrio das ausufernde Vibrato seiner eigentlich ausdrucksstarken Stimme nicht unter Kontrolle. Die kleineren Partien sind mit Timo Jansen als Spirido, Wolfgang Klose als Angelo und weiteren Chorsolisten hervorragend besetzt. Überhaupt glänzt der Chor des Bayerischen Rundfunks mit Souveränität und das Münchner Rundfunkorchester mit dem routinierten Ralf Weikert am Pult macht wieder einmal deutlich, dass es für solches Randrepertoire des 19. Jahrhunderts wohl derzeit kein besseres Orchester gibt.

Franz Lachners 'Catharina Cornaro' ist ein historisch bedeutsames Werk, das man nun in einer verdienstvollen Aufnahme bei cpo nachhören kann. Es bleibt aber anzuzweifeln, ob es als spannende Repertoireerweiterung für deutsche Opernhäuser nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lachner, Franz: Catharina Cornaro: Chor des BR, Münchner Rundfunkorchester, Ralf Weikert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
31.05.2018
EAN:

761203781225


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Lachner, Franz
 - Catharina Cornaro - Ouvertüre
 - Catharina Cornaro - Chor
 - Catharina Cornaro - Rezitativ und Duett
 - Catharina Cornaro - Arie
 - Catharina Cornaro - Rezitativ und Duett
 - Catharina Cornaro - Finale
 - Catharina Cornaro - Introduktion
 - Catharina Cornaro - Chor der Gondoliere
 - Catharina Cornaro - Rezitativ und Arie
 - Catharina Cornaro - Duett
 - Catharina Cornaro - Finale
 - Catharina Cornaro - Introduktion
 - Catharina Cornaro - Chor


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Dirigent(en):Weikert, Ralf
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester
Interpret(en):Kaiser , Kristiane
Kirch, Daniel
Peter, Mauro
Pauly, Simon
Tschelebiew, Christian


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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