> > > Wagner, Richard: Lohengrin: Bayreuth 2011, Andis Nelssons
Donnerstag, 23. Mai 2019

Wagner, Richard: Lohengrin - Bayreuth 2011, Andis Nelssons

Sieben Jahre später


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


2018 ist ein 'Lohengrin'-Mitschnitt aus dem Sommer 2011 aus Bayreuth erschienen. Einige Momente sind voller Farben und Glanz, der Großteil des Mitschnitts lässt den Hörer jedoch indifferent zurück.

Die 'Lohengrin'-Aufführung aus Bayreuth vom 14. August 2011 wurde mitgeschnitten. Auf CD ist sie nun im Frühjahr 2018 erschienen. Viel wurde über die Inszenierung geschrieben, daher ist es wohltuend, sich hier der klanglichen Seite der Aufführung widmen zu können. Wobei, so ganz wohltuend ist es dann doch nicht, denn nicht alles ist wohlklingend. Manche gesanglichen Leistungen stehen wahrscheinlich den darstellerischen nach, andere sind stark durch die Szene beeinflusst. Das Ergebnis ist ambivalent zu beurteilen.

Die Aufnahme beginnt stark mit Samuel Youn als Heerrufer. Mit seinem kräftigen Bariton, einer gut verständlichen Diktion und keinen hörbaren Grenzen in Höhe wie Tiefe legt er die Latte hoch. Die untere Markierung auf der Messlatte wird gleich im Anschluss von Jukka Rasilainen aufgestellt. Der Sänger des Telramund gestaltet seinen Charakter zwar durchaus rollendeckend, wozu auch kein stimmlicher Schönklang von Nöten ist, jedoch schleift er so häufig Töne von unten an, stemmt kehlig in die Höhe, macht die ganze Anstrengung, die die Partie erfordert, hörbar und verzerrt die Vokale, dass sich kein wirklicher Hörgenuss einstellen mag.

Leider stellt sich dieser zunächst auch bei Petra Lang, der Sängerin der Ortrud, nicht ein. Sie wirft sich mit ihrer kräftigen Stimme kompromisslos in die Gestaltung der Rolle, ist glücklicherweise sehr gut verständlich, arbeitet jedoch bis inklusive ihrer Szene mit Telramund zu Beginn des zweiten Aufzugs fast ausschließlich mit Kraft. Das ist beispielsweise in ‚Entweihte Götter‘ durchaus beeindruckend, jedoch stellt sich kein überzeugender Klang ein. Die Höhe wird leicht schrill, die Tiefe vermag den Hörer nicht in ihren Bann zu ziehen. Das gelingt erst und einzig in den leisen Momenten zwischen Elsa und Ortrud im 2. Aufzug. Diese Szenen gehören mit zum angenehmsten Höreindruck der gesamten Aufnahme. Hier erklingen Farben, hier wird die Musik intim und sofort stellt sich eine neue, sehr einnehmende Ebene und Hörerfahrung ein.

Ambivalente Eindrücke

Auch Annette Dasch findet in diesen Momenten endlich zu ihrer runden, weichen Stimmfarbe, die sie im 1. Aufzug über weite Strecken vermissen lässt. Ihr Auftritt liefert jedoch ein gutes Rollenportrait und einen wunderbaren Gegenpunkt zum Wahnsinn im 3. Aufzug. Das Vibrato ihrer Stimme verleiht ihr dabei auch eine gewisse Verletzlichkeit, ist auf Dauer aber auch etwas störend. Die Szene Elsa-Lohengrin im 3. Aufzug gehört mit zum stärksten Moment in diesem Mitschnitt. Daschs Elsa scheint nicht bei Sinnen zu sein, wenn sie sich reinsteigert und schließlich die Frage nach Lohengrins Herkunft stellt.

Ob Klaus Florian Vogt ein adäquater Lohengrin ist oder nicht, mag jeder für sich selbst beantworten. Seine kultivierte Stimmführung und der klare Stimmklang sprechen inhaltlich dafür. Auch in den leisen Passagen, beispielsweise den ersten Worten seines Auftritts oder auch im 3. Aufzug, im Duett mit Elsa, kann er durchaus für sich einnehmen. Die kämpferische Seite des Charakters oder die des Anführers vermisst man allerdings, denn stimmlich richtig Zupacken ist Vogts Sache nicht. Wunderbar subtil zugepackt wird allerdings von Georg Zeppenfeld. Sein sonorer, aber verletzlicher Bass macht in kurzer Zeit diverse Schattierungen des Charakters hörbar. Weder muss er ausschließlich mit Kraft arbeiten, noch klingt sein König lediglich verweichlicht. Zeppenfeld gelingt eine spannende Mischung.

Das Dirigat von Andris Nelsons ist solide, lässt aber nur an wenigen Stellen aufhorchen. Einzig die leisen Passagen im 2. Aufzug sind schlicht atemberaubend. Auch die Szene Lohengrin-Elsa im 3. Aufzug gestaltet Nelsons wunderbar, wenn er sich mit dem Orchester und seinen Solisten immer mehr in den Wahnsinn schraubt und schließlich der Fassungslosigkeit nach dem Ausbruch viel Raum lässt. Das Geschehen kommt erst sehr langsam wieder in Gang. Die Ausweglosigkeit wird greifbar. Alles in allem liegt hier eine 'Lohengrin'-Aufnahme vor, die es in diesem Audiomitschnitt vielleicht nicht unbedingt gebraucht hätte. Die Aufführung gewinnt sicherlich sehr, wenn Ton und Bild kombiniert sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: Lohengrin: Bayreuth 2011, Andis Nelssons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
15.06.2018
EAN:

809478090342


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Wagner, Richard


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