> > > Schubert, Franz: Sonate D 960/4 Impromptus D 935: Marc-André Hamelin
Sonntag, 21. April 2019

Schubert, Franz: Sonate D 960/4 Impromptus D 935 - Marc-André Hamelin

Klangästhetik


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es bleibt dabei: Was Marc-André Hamelin pianistisch anfasst, gelingt.

Dass Marc-André Hamelin in virtuoser Hinsicht so schnell niemand etwas vormacht, ist bekannt. Auch sein Faible für die Beschreitung ganz neuer, bislang kaum ergründeter Wege in puncto pianistischer Literatur hat sich herumgesprochen. Längst hat er aber auch bei der Erarbeitung klassischen Repertoires (etwa in seinen unbedingt hörenswerten Haydn- und Mozart-Einspielungen) Maßstäbe gesetzt, auf seinem neuesten, beim Label Hyperion erschienenen Album widmet er sich nun spätem Schubert.

Immense Bandbreite

Im Mittelpunkt steht die große B-Dur-Sonate D 960 – und Hamelin macht daraus wirklich Großes. Technisch über jeden Zweifel erhaben, führt er ergänzend dazu von Anfang an auch seine immense Bandbreite an klangästhetischen Möglichkeiten vor. Mittelstimmen erscheinen in neuartigem, ungewohnt hörbarem Licht. Ganz im Geist des musikalischen Gehalts hat es der sonst oftmals so virtuose Hexenmeister hier gar nicht eilig. Immer wieder nimmt er sich Zeit, um ausklingende Phrasen intensiv wirken zu lassen, und setzt auf verinnerlichende Atempausen. Im ausladenden cis-Moll-Satz versenkt er sich mit beseelter klanglicher Wärme in die harmonisch komplexen Abgründe. Mit einem Mal aufblühende, strahlende Akkord-Schönheit steht hier unmittelbar neben wie entrückt wirkender Melancholie.

Ungewohnte Impulse

Im Mittelteil des Scherzo verleiht er der Basslinie vergleichsweise ungewohnte Impulse – ein Konzept, das überraschend schlüssig aufgeht und beweist, dass er jederzeit in der Lage ist, auch oftmals gehörten Werken einen neuen, eigenen Anstrich zu verleihen. Im Finalsatz kontrastiert unprätentiös dargestellte Schlichtheit mit großer vollgriffiger Geste – beide Aspekte beherrscht Hamelin souverän. Daneben enthalten sind auf dem Album die vier Impromptus D 935, die in ebenso ausdrucksstarkem Glanz erstrahlen. Feinfühlig gespannte melodische Bögen treffen auf klug gesetzte dynamische Impulse und glitzernde Ornamentik. Auf diese Weise geraten auch die hier und da in Schuberts Spätwerk etwas repetitiven Strukturen niemals in die Gefahr, gefühlte Längen aufzuweisen, sondern behalten stets innere Spannung und individuell variablen Ausdruck. Statisch aufgeladene Tremoli im Allegro moderato f-Moll oder empfindsam gesungene Lyrik im Allegretto As-Dur – die Nuancen in Hamelins Anschlag sind so vielgestaltig wie das motivische Material des dritten Stücks (Tema con variazioni), mit dem der Kanadier wirkungsvoll spielt. Anders ausgedrückt: Mit diesem rundum überzeugenden Gesamtpaket startet er einen ernstzunehmenden Angriff auf die Referenz-Aufnahmen von Schubert-Koryphäen wie Alfred Brendel, Claudio Arrau oder Grigory Sokolov.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schubert, Franz: Sonate D 960/4 Impromptus D 935: Marc-André Hamelin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
04.05.2018
EAN:

034571282138


Cover vergössern

Schubert, Franz


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... In Liszts Herz der Finsternis: Düster klingt diese späte Klaviermusik von Franz Liszt, immerfort um das Thema Tod und implizit auch Depression kreisend. Der Aufgabe, dies mit pianistischen Mitteln ausdrucksvoll auszumalen, wird Cédric Tiberghien sehr gerecht. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Franzose im Halbschatten: Für Antoine de Févin und seine ebenso unbestreitbaren wie weitgehend unbekannten Qualitäten zu plädieren, ist sehr verdienstvoll. Das Brabant Ensemble und Stephen Rice tun das in hoher Qualität. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Goldstandard: Das Orlando Consort steht seit einigen Jahren für den Goldstandard bei Guillaume de Machaut. Und die Vokalisten setzen das im sechsten Teil ihrer Reihe ohne Mühe fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

  • Zur Kritik... Echte Alternative: Diese CD nähert sich Tschaikowsky konsequent anders: Die 'Rokoko-Variationen' erklingen hier mit Klavierbegleitung. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Strauss meets Wagner: Norbert Anger und Michael Schöch schlagen stilistisch und instrumental tragfähige Brücken zwischen Strauss und Wagner. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Vom Feinsten: Das Wiener Kreisler-Trio sollte man unbedingt auf dem kammermusikalischen Schirm haben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich