> > > Purcell, Henry: Royal Welcome Songs for King Charles II: The Sixteen, Harry Christophers
Sonntag, 18. August 2019

Purcell, Henry: Royal Welcome Songs for King Charles II - The Sixteen, Harry Christophers

Erlesen


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


The Sixteen sind unterwegs in erfreulichen Purcell-Erkundungen, die weniger bekanntes Repertoire ins Zentrum rücken und unterstreichen, dass der Komponist ein Meister aller Klassen war.

Nachdem Henry Purcell Matthew Locke als ‚composer to His Majesty Charles II‘ nachgefolgt war, tat sich ein breites Betätigungsfeld im Bereich der geistlichen Musik auf. Viel anlassbezogene Gelegenheitsmusik darunter: Zum Beispiel die sogenannten 'Royal Welcome Songs', mit denen dem König zu dessen Geburtstag, zu Neujahr oder aus Anlass seiner Rückkehr aus der Sommerfrische nach Whitehall geschmackvoll die Aufwartung gemacht wurde. Die Musik schuf eine Sphäre feiner Repräsentativität und heiterer Ernsthaftigkeit. Für ein solches Zwischenreich der Affekte und Haltungen war Purcell ganz sicher eine exquisite Adresse. Und seine Kunst materialisierte sich in diesen 'Welcome Songs' ganz wunderbar, die verwandt sind mit Anthems und Oden, in der Regel mehrsätzig, mit stetem Wechsel von Soli und meist homophon gesetzten Ensembles. Die Grundgeste ist dabei eher schlicht; Varianz und Attraktivität gründen in der kompositorischen Feinarbeit – harmonisch, rhythmisch und linear. Nicht zuletzt zeigen die knappen Werke Purcell als erstklassigen Textdeuter und Redner in Tönen.

Geschmackvoll und entschieden musiziert

Das Ensemble The Sixteen und dessen Leiter Harry Christophers haben bei Purcell schon eine gewisse Expertise nachgewiesen, mit der 'Indian Queen' und den 'Welcome Songs' für König James II. Und sie haben vor, Purcell in den kommenden Jahren eingehender zu beleuchten: Gut so, es gibt viel zu erkunden. Dass sie – neben all den bekannten Stärken bei englischer und iberischer Vokalpolyphonie sowie in der ambitionierten Vokalmusik der Gegenwart – zu Purcell und seiner Musik etwas zu sagen haben, unterstreicht die aktuelle Platte. Das Ensemble singt in schmaler Besetzung: Im Sopran Grace Davidson und Kirsty Hopkins, im Alt Daniel Collins, im Tenor Jeremy Budd, Nicholas Mulroy und George Pooley, im Bass schließlich Ben Davies und Stuart Young. Eine solistisch potente Auswahl, die zugleich ein vibrierend lebendiges Ensemble formt. Zu Zeiten wirkt das klingende Ergebnis sensibel im Zusammenklang, immer wieder aber auch explizit in der Ausdruckswirkung, entschieden, oft gar kantig und mit vielen individuellen Farben zeichnend. Intoniert wird perfekt, in der Balance von kraftvoller Basis und hörender Gemeinsamkeit. Besonders hervorzuheben ist, wie behände die Vokalisten die Texte explizieren: Beweglich und agil zielen sie auf größtmögliche Lebendigkeit der musikalischen Wirkung.

Instrumental hat Harry Christophers nicht ganz die luxuriöse Besetzung der 24 Violinen nach französischen Vorbild aufgeboten, die Purcell zur Verfügung standen. Doch ist es eine schön balancierte, harmonische Streicher-Formation, die als Basis einen fein explizierten Basso continuo aus Theorbe, Harfe, Orgel und Cembalo an ihrer Seite weiß. In der Summe ist all das viel mehr als schlichte Begleitung: Eher eine Sphäre eigenen Rangs, die in mancher Symphony am Eingang der Werke schönste Blüten treibt. Das Klangbild ist konzentriert, angemessen luzide und direkt, nur schmal räumlich überwölbt – durchaus passend für diese geistliche Kammermusik voller Delikatesse.

The Sixteen sind unterwegs in erfreulichen Purcell-Erkundungen, die weniger bekanntes Repertoire ins Zentrum rücken und unterstreichen, dass der Komponist ein Meister aller Klassen war. Man darf auf die Fortsetzung der Reihe (Label Coro) gespannt sein.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Purcell, Henry: Royal Welcome Songs for King Charles II: The Sixteen, Harry Christophers

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
04.05.2018
Medium:
EAN:

CD
828021616327


Cover vergössern

Purcell, Henry


Cover vergössern

Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Coro:

  • Zur Kritik... Delightful: Diese Aufnahme von 'Acis and Galatea' macht einfach Freude und lässt im Rahmen der klar lesbaren Intention keine Wünsche offen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Marianisches: The Sixteen im 40. Jahr seit der Gründung: Es wird vermutlich nicht die einzige Produktion bleiben. Und auch die anderen werden ähnlich überzeugend sein, das lässt die bislang hochklassige Diskografie vermuten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Gestern & heute: Ganz klar: Das ältere englische Repertoire ist bei The Sixteen und Harry Christophers in den besten Händen - die klangorientierte Moderne genauso. Dies macht die aktuelle Platte zu einer hocherfreulichen Angelegenheit. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Coro...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Finale: Was für eine Großtat von Hans-Christoph Rademann und seinen Ensembles. Schütz komplett – das gibt es jetzt auf hohem und höchstem Niveau. Für Enthusiasten ist die Reihe unverzichtbar. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Chor von Format: So feiert man Traditionen und nicht zuletzt auch sich selbst: klangfreudig, frisch, selbstbewusst. Wie viele andere englische College- und Kathedralchöre gehört der Choir of St. John's College Cambridge zu einem Phänomen, das Musikkultur bis heute prägt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Werthaltig: Wie bei den Motetten gelingt Vox Luminis mit Kantaten der Bach-Familie eine so bezwingende, so hör- und spürbar zutreffende Deutung, dass man als Hörer beinahe staunend zurückbleibt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Pianistisch durchleuchtet: Der Amerikaner Garrick Ohlsson bietet in seinem Falla-Programm etwas weniger Spanien als andere Interpreten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Chinesische Erinnerungen: Zwei Violinkonzerte zeigen den Komponisten Tan Dun von ganz verschiedenen Seiten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich