> > > Resphighi Ottorino: La Campana Sommersa: Teatro Lirico die Cagliari, Donato Renzetti
Samstag, 6. Juni 2020

Resphighi Ottorino: La Campana Sommersa - Teatro Lirico die Cagliari, Donato Renzetti

Am Märchenhaften entlang


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese DVD-Veröffentlichung macht definitiv Lust, sich mit Respighis Opernschaffen zu beschäftigen. Sie macht aber auch deutlich, wie schwierig es heute ist, eine solche Geschichte im Operngewand ernstzunehmend auf die Bühne zu stellen.

Die Wahrnehmung Ottorino Respighis als Opernkomponist verläuft immer wieder phasenweise. Einzelne Opernhäuser bemühen sich um Wiederentdeckungen und vereinzelt scheint es auch so, dass speziell 'La Fiamma' sich als repertoirefähig erweist. Und doch geraten die Bühnenwerke des Pizzetti- und Wolf-Ferrari-Zeitgenossen nach kurzer Begeisterung wieder in Vergessenheit. Im Frühjahr 2016 hat das Teatro Lirico di Cagliari einen Versuch unternommen, Respighis symbolistische Märchenoper 'La campana sommersa' nach Gerhart Hauptmanns 'Die versunkene Glocke' auf die Bühne zu bringen. Zumindest in Italien ist das Werk, das 1927 in Hamburg zur Uraufführung kam, nie vollständig von den Spielplänen verschwunden und auch zwei Rundfunkproduktionen von 1956 und 1976 zeugen vom Bemühen um Respighis mystische Oper.

Diese Koproduktion des Teatro Lirico di Cagliari mit der New York City Opera ist bei Naxos auf DVD erschienen. In knappen zweieinhalb Stunden kann man sich vor dem Bildschirm davon überzeugen, welch musikalischer Einfallsreichtum in der 'Campana sommersa' steckt, wie geschickt Respighi das Werk instrumentiert hat. Altmeister Donato Renzetti kostet die Schönheiten der Partitur auch genüsslich aus, hält das Zepter fest in der Hand. Das tadellos aufspielende Orchestra del Teatro Lirico di Cagliari bricht mit sattem Ton, Temperament und dynamischer Genauigkeit ebenfalls eine Lanze für die selten gespielte Oper.

Opulente Bebilderung

Die Geschichte der unheilvollen Liebe zwischen dem Naturgeist Rautendelein und dem menschlichen Glockengießer Enrico, dessen Ehefrau Selbstmord begeht und mittels der titelgebenden versunkenen Glocke den Ehebrecher um den Verstand bringt, mutet im Reigen der auftretenden Waldgeister, Faune, Nymphen und Wassermänner ein wenig fremd an. Mit keiner der handelnden Figuren wird eine Identifizierung möglich – das ist auch nicht der Sinn des symbolistischen Librettos. Aber so zeitlos und kraftvoll wie Debussys 'Pelléas et Mélisande' ist diese italienische 'Versunkene Glocke' im Operngewand eben auch nicht. Die detailreiche, märchenhafte Inszenierung von Pier Francesco Maestrini hilft dem Zuschauer auch nur bedingt weiter, den Gehalt der Geschichte zu goutieren. Die mit nacktem Oberkörper herumhüpfenden Faune oder der im Schuppenkleid herumkrabbelnde Wassermann wirken schnell lächerlich, wenn man sie nicht mit dem liebevollen Weichzeichner eines tschechischen Märchenfilms serviert bekommt. Es ist eine klare Entscheidung des Regisseurs, die Handlung eins zu eins opulent zu bebildern, anstatt verborgene Ebenen sichtbar zu machen. Das muss man mögen. Bildgewaltig und stimmungsvoll ist die Bühne von Juan Guillermo Nova aber allemal: mit dampfenden Wäldern, effektvollen Videoprojektionen und viel märchenhafter Düsternis.

Die Sängerriege ist auf stimmlicher Seite recht unterschiedlich unterwegs. Wunderbar in ihrer Koloraturfähigkeit und silbrigem Ton gibt Valentina Farcas höhensicher das Rautendelein. Darstellerisch kommt sie nur selten über Standardoperngesten hinaus, lässt diesen Umstand aber durch ihre vokale Gestaltung nahezu vergessen. Auch der Tenor Angelo Villari entpuppt als treffsichere Besetzung für die kräftezehrende und dramatische Partie des Enrico. Villari hat die Durchschlagskraft und das Klangvolumen, sich gegen Respighis Orchestersatz durchzusetzen und er ist bis zum Schluss um Farben und Schattierungen bemüht – eine beeindruckende Leistung. Auf der Haben-Seite steht auch der agile und auffallend schönstimmige Faun von Filippo Adami, der im ersten Moment stimmlich locker als der jugendliche Liebhaber durchgehen würde. Auch Dario Russo ist ein profunder und ehrfurchtgebietender Priester.

Agostina Smimmero als Hexe setzt vokale Akzente, die absolut rollendeckend wirken, wobei ihr tiefer Mezzosopran gelegentlich etwas mulmig und konturlos klingt. Als schuppiges Wasserwesen verausgabt sich Thomas Gazheli darstellerisch ohne Einschränkung. Sein dramatischer Bariton hat aber schon wesentlich bessere Zeiten gesehen. Auch Maria Luigia Borsi geht selbstbewusst mit ihrem unkontrollierten Vibrato hausieren und kann ihrer Partie nur wenig Profil abgewinnen. Die übrigen kleineren Rollen sind ohne größere Ausfälle aber auch ohne Glanzlichter besetzt.

Diese DVD-Veröffentlichung macht definitiv Lust, sich mit Respighis Opernschaffen zu beschäftigen. Sie macht aber auch deutlich, wie schwierig es heute ist, eine solche Geschichte im Operngewand ernstzunehmend auf die Bühne zu stellen. Das war in Zeiten der Uraufführung, als die 'Campana sommersa' an der Metropolitan Opera mit Sängerpersönlichkeiten wie Elisabeth Rethberg, Giovanni Martinelli, Giuseppe de Luca und Ezio Pinza über die Bühne ging, vielleicht noch einfacher.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Resphighi Ottorino: La Campana Sommersa: Teatro Lirico die Cagliari, Donato Renzetti

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
08.06.2018
Medium:
EAN:

DVD
747313557158


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Respighi, Ottorino


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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