> > > Strawinsky, Igor: Petrushka - Arrangements for Piano Duo: Bugallo-Williams Piano Duo
Montag, 10. Dezember 2018

Strawinsky, Igor: Petrushka - Arrangements for Piano Duo - Bugallo-Williams Piano Duo

'Man achte das Klavier.'


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Zitat stammt von Busoni, könnte aber ebensogut auf diese CD gemünzt sein. Die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers werden hier auf eine Weise erfahrbar, die manchen Klavierverächter bekehren könnte.

Helena Bugallo und Amy Williams setzen ihre Aufnahme der Klavierbearbeitungen, die Strawinsky selbst von seinen Werken anfertigte, fort. Die CD 'Stravinsky in Black and White', 2007 bei WERGO erschienen, brachte bereits 'Le sacre du printemps' in der vierhändigen Bearbeitung, nun kommen mit 'Petruschka' und 'Agon' zwei weitere Ballette hinzu, diesmal für zwei Klaviere bearbeitet. Wesentlich populärer als diese Bearbeitungen sind die berühmt-berüchtigten 'Trois Mouvements' für Klavier solo, die immer wieder als Prüfstein für die Virtuosität eines Pianisten herhalten müssen. Musikalisch ist die Bearbeitung für zwei Klaviere der Solo-Version ohne Zweifel überlegen, besonders in einer so meisterhaften Wiedergabe, wie sie hier auf CD gebannt ist.

Meisterhafte Interpretation

Die einzelnen Klangschichten kommen bei 'Petruschka' sehr gut zur Geltung. Obwohl ebenfalls enorm virtuos, wirkt die Fassung für zwei Klaviere nicht wie ein unmenschlicher Kraftakt, im Gegenteil: Die Musik fließt scheinbar leicht und mühelos. Das mag auch daran liegen, dass die beiden Pianistinnen bereits seit 1998 ein Duo bilden und musikalisch entsprechend selbstverständlich miteinander agieren. Die einzelnen Stimmen klingen ganz und gar unabhängig, subtile rhythmische Ungleichzeitigkeiten erzeugen die Illusion, tatsächlich einem Ensemble von mehreren Musikern zuzuhören. Ganz besonders schön wird dies im Walzer des Mohren mit der Ballerina, der deutlich hörbar zwei sehr verschiedene Charaktere in einem dadurch manchmal holprigen Tanz vereinigt. Freilich, es ist und bleibt ein Schwarz-Weiß-Filter, sodass die Klangfarben der ursprünglichen Instrumentierung verlorengehen, was gerade bei so reich instrumentierten Partituren wie diesen einen nicht unerheblichen Verlust bedeutet. Besonders auffallend wird das im zweiten Track ('The Magic Trick / Hokuspokus'): Die Flöte kann eine unbegleitete Solo-Melodie viel charaktervoller darstellen als das Klavier, das eher in der Klangfülle seine Stärken ausspielen kann. Als Hörer gewinnt man jedoch ständig den Eindruck, dass Helena Bugallo und Amy Williams den Orchesterklang jederzeit präsent haben und ihn pianistisch zu übertragen versuchen. Die daraus resultierende Differenzierung der Artikulation würde man sich bei Solo-Pianisten häufig wünschen! Eine bessere Wiedergabe dieser Werke auf dem Klavier ist schwer vorstellbar.

Die Vorzüge, die an 'Petruschka' zu bemerken sind, finden sich uneingeschränkt auch in 'Agon' wieder, einem abstrakten Ballett ohne Handlung. Einzig in 'Bransle Gay' reichte Strawinsky der Klavierklang offensichtlich nicht aus, sodass Helena Bugallo zusätzlich ein Ostinato auf Kastagnetten spielt. Wer es bis dahin nicht getan hat, wird vermutlich spätestens an dieser Stelle einen Blick in das kluge Booklet werfen, das die Sache aufklärt. Das 'Scherzo à la russe' bildet in seinem Wechsel von schmissiger Energie und ruhiger Sanglichkeit einen schönen Abschluss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strawinsky, Igor: Petrushka - Arrangements for Piano Duo: Bugallo-Williams Piano Duo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.06.2018
EAN:

4010228737127


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Strawinsky, Igor


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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