> > > Debussy, Claude / Cage, John / Takemitsu, Töru: Ecoutez!: Sheila Arnold, Piano
Sonntag, 17. November 2019

Debussy, Claude / Cage, John / Takemitsu, Töru: Ecoutez! - Sheila Arnold, Piano

Debussy, vom Zen-Buddhismus her neu gehört


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sheila Arnold gelingt eine hochmusikalische und spannende Aufnahme, in der sie Miniaturen von Debussy in einen Zusammenhang mit Klavierwerken des Japaners Takemitsu und des Amerikaners Cage stellt.

‚Écoutez!‘ – ‚Hören Sie zu‘ oder vielleicht der Sache nach treffender übersetzt: ‚Hören Sie genau hin‘ heißt die zu besprechende neue Aufnahme der Pianistin Sheila Arnold, und der Titel ist passend gewählt. Denn als Musik zur Unterhaltung oder im Hintergrund wird kaum jemand diese CD hören wollen. Die meist nur wenige Minuten langen Klavierstücke von Claude Debussy, Tōru Takemitsu und John Cage verlangen Aufmerksamkeit. Sie verlangen von dem Hörer und der Hörerin, wach hinzuhören, zuzuhören, zu lauschen.

So treffend zwar der Titel der CD gewählt ist, so unglücklich ist das Cover der Aufnahme geworden. Man sieht die Pianistin, die seit 2006 auch als Professorin an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln unterrichtet, über einen Flügel gebeugt, aber auf dem Foto ist nicht alles klar und deutlich zu erkennen. Das Bild ist verwaschen, wie hinter einem Schleier oder Nebel, aufgenommen. Diese Optik passt wenig zu der Interpretation der Musik, die Arnold spielt, denn die ausgewählten Stücke der drei Komponisten werden von ihr klar, prägnant, hell und transparent interpretiert. Technischer ausgedrückt: Das Pedal wird von Arnold sparsam eingesetzt, schnelle Läufe werden leicht und perlend gespielt (unglaublich klar in 'Danseuses de Delphes' oder 'Reflets dans l‘eau'), starke Akkordfolgen und sich auftürmende Klangkaskaden (wie in 'Ce qu‘a vu le vent d‘Ouest') sind durchlässig für die musikalische Gesamtstruktur der Stücke und der Gesamtklang ist eher trocken.

Erhellende Zusammenhänge

Vielleicht sind die verwaschenen Farben auf dem Cover eine Reminiszenz an die Vorstellung, die Musik von Claude Debussy sei impressionistisch und das bedeute eben, dass man nichts Klares erkennen könne. Das mag zunächst naheliegend sein, denn in der Tat erwecke einige impressionistische Gemälde, zumindest oberflächlich betrachtet, ja diesen Eindruck. Aber Arnold interpretiert Debussys kunstvolle Meisterwerke, die den Hauptteil der CD einnehmen, nicht als irgendwie verschwommene Stimmungsbilder, sondern stellt sie in einen Zusammenhang mit Stücken von Takemitsu und Cage, die beide vom Zen-Buddhismus inspiriert worden sind und deren Stücke sich durch große Klarheit auszeichnen. So wird Debussy in eine Linie mit Komponisten gestellt, die sehr ungewöhnlich ist, aber verblüffend gut passt. Man hört Debussy auf dem Hintergrund von Takemitsu, dessen Klavierwerke ein wenig an Anton Weberns Miniaturen erinnern und mit großer Sensibilität von Arnold gespielt werden, und Cages Stücke für präpariertes Klavier, bei denen ganz verschiedene Klangfarben aufleuchten, neu und anders. Vielleicht könnte man sagen: weniger französisch, dafür deutlich moderner und geistiger. Ein ausgesprochen spannendes Hörprojekt ist Sheila Arnold da gelungen. Die Aufnahmequalität der CD ist sehr gut und auch der Text der Pianistin im Booklet ist hilfreich. Noch ein Hinweis: Die originale und deutliche längere Booklet-Version findet sich unter https://avi-music.de/html/notes.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Debussy, Claude / Cage, John / Takemitsu, Töru: Ecoutez!: Sheila Arnold, Piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
18.05.2018
Medium:
EAN:

CD
4260085532575


Cover vergössern

Cage, John
Debussy, Claude
Takemitsu, Toru


Cover vergössern

CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag CAvi-music:

  • Zur Kritik... Gesungene Gedichte: André Schuen singt eine Sammlung von Schubertliedern rund um das Thema Wandern sehr natürlich, klar und berührend und wird dabei kompetent unterstützt von Daniel Heide. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Emotional aufgeladen: Ob zupackend im Tango, pulsierend bei Ravel oder melancholisch bei Fauré: Das Flex Ensemble präsentiert sich als ein Klavierquartett mit großer Affinität zu den verschiedensten Spielarten französischer Musik. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Im Dialog: Markus Becker und die NDR Radiophilharmonie unter Joshua Weilerstein gefallen mit ihrer Interpretation von Regers als 'schwierig' geltendem Klavierkonzert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von CAvi-music...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Michael Bordt:

  • Zur Kritik... Erdverbundener Vivaldi: Zwanzig Jahre nach ihrem ersten Vivaldi-Album ist Cecilia Bartolis Interpretation deutlich reifer und expressiver geworden, auch wenn nicht alles gefällt. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Hochdramatisches im Garten der Seufzer: Magdalena Kožená präsentiert gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter ihrem Leiter Václav Luks drei hochdramatisch musizierte italienische Kammerkantaten, teilweise als Ersteinspielungen. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Die Oper der Oper: Ein großer musikalischer Spaß zum dreißigjährigen Jubiläum von Le Concert Spirituel. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Michael Bordt...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Lebendige vokale Barockkunst: Händels 'Neun deutsche Arien' werden durch Marie Friederike Schöder und die Batzdorfer Hofkapelle gründlich von akademischen Staub befreit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Kammermusik im Biedermeierstil: Englische Landschaften, ein spanisch angehauchtes Viola-Duo und virtuose Klaviertrio-Musik von mehr oder weniger belangloser Art. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Attraktive Kammermusik: Torleif Thedéen und Oliver Triendl brechen eine Lanze für Robert Kahns Kammermusik für Cello und Klavier. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich