> > > Flotow, Friedrich von: Martha: Frankfurter Opernorchester, Sebastian Weigle
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Flotow, Friedrich von: Martha - Frankfurter Opernorchester, Sebastian Weigle

Von wegen bieder!


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das ist eine zeitgemäße 'Martha', musikalisch ein wirkliches Feuerwerk und der beste Beweis, dass Flotows berühmteste Oper noch heute einen Heidenspaß machen kann.

Das tenorale ‚Martha, Martha, du entschwandest!‘ ist mittlerweile leider sehr wörtlich zu nehmen. Die einstmals so populäre romantisch-komische Oper 'Martha' von Friedrich von Flotow (1812–1883) hat auf den Spielplänen längst nicht mehr den Stellenwert, der ihr eigentlich zustünde. Zu sehr ist ihre angebliche Biedermeierlichkeit zum schnellen Vorurteil geworden und auf dem Plattenmarkt sieht es noch trostloser aus: Die letzte Studioproduktion stammt tatsächlich aus dem Jahr 1977 und die Wiener Volksoper hat sich 2003 nur getraut, einen Querschnitt ihrer damaligen Produktion auf CD zu veröffentlichen. Allein schon vor diesem Hintergrund ist dem Label Oehms Classics mit der Veröffentlichung dieses Frankfurter Mitschnitts vom Oktober 2016 eine kleine Sensation gelungen – vom bewundernswerten Mut der Produzenten mal ganz zu schweigen.

Endlich gibt es wieder eine aktuelle 'Martha'-Aufnahme mit Künstlern unserer Zeit. Freilich müssen sich diese an großen Vorbildern messen lassen, denn die nicht gerade üppige Diskografie hält vor allen Dingen große Namen und Interpretationen bereit, die sich in ihrer Einzigartigkeit dem 'Martha'-Hörer eingegraben haben. Aber was hilft letztlich der Vergleich mit Fritz Wunderlich, Anneliese Rothenberger, Erna Berger und Co. in diesem Fall? Es sind viele Jahrzehnte seither vergangenen, die Stilistik und Hörgewohnheiten haben sich verändert und eine nahtlose Tradition ist in diesem Fall nicht nachvollziehbar. Eine neue 'Martha' auf CD bedeutet somit auch eine Art Neustart – und der ist hier definitiv gelungen.

Der Funke springt über

Der Frankfurter Mitschnitt hat so einiges zu bieten, was das zu Unrecht angestaubte Werk modern und ungemein unterhaltsam macht. Allein schon die zahlreichen Produktionsfotos dokumentieren den riesigen Spaßfaktor, den die Inszenierung offensichtlich innehatte. Bereits im ersten Bild des ersten Aktes hört man das Frankfurter Publikum lachen – der Funke springt eindeutig über. Und das kann man in Sachen Humor beileibe nicht von jeder alten 'Martha'-Aufnahme behaupten. Das junge Ensemble legt sich hörbar ins Zeug, eignet sich Flotows Melodien und den ‚deutschen Belcanto‘ mit Esprit und Charme an. Ja, die Textverständlichkeit leidet in wenigen Fällen, aber nicht in den entscheidenden. Auch die behutsamen Textmodernisierungen dieser Produktion fügen sich fast unbemerkt und organisch ins Gesamtbild.

Beglückende Energie

Man kann sich heute kaum eine bessere Besetzung der Lady Harriet denken als Maria Bengtsson. Ihr warmer, lyrischer Sopran klingt verführerisch und strahlt eine enorme Jugendlichkeit aus. Die Höhenflüge und Koloraturen bereiten ihr keinerlei Probleme – ihre Martha ist quicklebendig und so gar nicht bieder. Dass ihre Artikulation Luft nach oben hätte, kann man ihr bei dieser beglückenden Energie leicht verzeihen.

Auch AJ Glueckert singt einen erstklassigen Lyonel: mit Verve und Leidenschaft. Sein 'Ach, so fromm' rührt ans Herz und verfügt über die zarte Prise Ironie, um diese Arie heute noch hören zu können. Im Finale des dritten Aktes packt er sein dramatisches Potenzial aus – das ist schlicht umwerfend. Der Plumkett von Björn Bürger ist zu diesem schwärmerischen Lyonel das passende Pendant: ein wenig polternd, aber ungemein charmant. Sein Porterlied lebt vielleicht weniger von vokalem Perfektionismus, dafür atmet es mit jeder Pore Bühnenluft und Spielfreude. Auch Katharina Magiera macht als Nancy eine gute Figur, vor allem singt sie diese schwierige Spielalt-Partie mit großer Tonschönheit und beneidenswerten Legatobögen. Durch diese starke Konzentration auf die vokale Komponente verliert sie allerdings auch ein wenig an Schärfe. Tatsächlich kommt hier der einzige Sehnsuchtsfaktor nach der jungen Brigitte Fassbaender oder Doris Soffel auf, die vor allem textlich schonungsloser zupacken konnten. Trotzdem funktionieren die vier Solisten als kongeniales Ensemble hervorragend, was sich besonders in einem hinreißenden Spinnquartett und der urkomischen Szene davor niederschlägt.

Barnaby Rea gibt einen etwas mulmigen, aber stimmlich profunden Lord Tristan und Franz Mayer verleiht dem Richter von Richmond bassiges Profil. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters sorgt Sebastian Weigle für ein schwungvolles und komödiantisches Dirigat, das aber auch die schwelgerischen Momente zu nutzen weiß. Die hervorragenden Chöre der Oper Frankfurt sind mit hörbarer Lust bei der Sache. Das ist eine zeitgemäße 'Martha', musikalisch ein wirkliches Feuerwerk und der beste Beweis, dass Flotows berühmteste Oper noch heute einen Heidenspaß machen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Flotow, Friedrich von: Martha: Frankfurter Opernorchester, Sebastian Weigle

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
09.05.2018
Medium:
EAN:

CD
4260034869721


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Flotow, Friedrich von


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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