> > > Purcell, Henry: Cembalosuiten: Ewa Rzetecka Niewiadomska, Cembalo
Mittwoch, 27. Mai 2020

Purcell, Henry: Cembalosuiten - Ewa Rzetecka Niewiadomska, Cembalo

Orpheus auf dem Cembalo


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Henry Purcell war auch als Meister des Cembalos eine Hausnummer. In eigensinnigen Spezialitäten wie den Hornpipes manifestieren sich musikantische Unternehmungslust und ein beweglicher Geist vielleicht am schönsten.

1696, ein Jahr nach Henry Purcells Tod, veröffentlichte Henry Playford dessen acht Suiten für Cembalo auf Betreiben der Komponistenwitwe Frances. Und die Publikation lohnte, handelt es sich doch um Werke von konsistentem Schnitt, fast durchgängig mit einem knackigen Prelude einsetzend, sind sie meist vier-, seltener dreisätzig, mit Almand und Corant als prägenden Formen, dazu in wechselnden Konstellationen Sarabanden, Minuets oder – das als typisch englisches Element anzusprechen – Hornpipes. Vollkommen absent ist dagegen die Gigue oder Jig.

Die jeweiligen Eingangssätze geraten bei aller Pointierung angemessen frei und gelöst, entfalten diese Qualität auf atemberaubend engem Raum zu dennoch echter, nicht nur behaupteter Charakteristik. Purcell, dessen Musik stets von präziser affektiver Zeichnung und der glückenden Balance zwischen struktureller Ambition und leichtem Strich getragen ist, entfaltet auch in seiner Cembalomusik – wahrlich kein wesentlicher Kern seines Schaffens – ein attraktives, bei aller hörbaren Komplexität zugängliches Gewebe, immer über einem einem kraftvoll gestischen Bass.

Mit Geist und Charme

Die Cembalistin Ewa Rzetecka-Niewiadomska hat jetzt beim polnischen Label DUX eine Aufnahme dieser knappen Stunde entzückender Musik vorgestellt. Sie präsentiert sich als behände und gestisch stark, dazu technisch über jede kleinliche Kritik erhaben. In den Verzierungen agiert sie mit Maß und Geschmack, forciert ihren Anschlag gelegentlich explosiv. Gestalterisch bietet sie jene geistige Frische auf, die Purcell von jedem seiner Interpreten fordert, die seine Musik unbedingt zu ihrem Gelingen braucht – egal, in welcher Gattung. Ewa Rzetecka-Niewiadomska agiert mit Witz und gelegentlich auch mit einem Augenzwinkern, aber auch mit der Geduld, heiklere Klänge behutsam zu entfalten. Dazu bietet die Instrumentalistin bei Tempo und Dynamik ein je an Varianten reiches, vielgestaltiges Bild: In der Summe ein wirklich rundes Gesamtpaket, das Henry Purcell nicht als x-beliebigen Cembalo-Löwen des Barock porträtiert, sondern in seiner ganzen musikalischen Gewitztheit und seinem Affektreichtum bis hin zur lyrischen Versenkung zeigt.

Gespielt wird das Programm auf einer von Bruce Kennedy erstellten Kopie eines schon nicht einmal mehr spätbarocken – und damit nicht unbedingt Purcell-affinen – Taskin-Cembalos französischer Provenienz. Das fotografisch aufwendig und edel gestaltete Booklet bietet zum Instrument, obwohl sonst durchaus informativ, viel zu wenig. Klanglich ist das Cembalo unbedingt hörenswert, mit einem substanzreichen, gleichwohl silbrig glänzenden Diskant und einem edel gerundeten, wahrhaft sonoren Bass. Die technische Realisierung ist nah beim Instrument und also konzentriert, plastisch und präzis, dennoch nicht überwältigend in der Direktheit der Wirkung und mit schöner räumlicher Wirkung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Purcell, Henry: Cembalosuiten: Ewa Rzetecka Niewiadomska, Cembalo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
04.05.2018
Medium:
EAN:

CD
5902547014371


Cover vergössern

Purcell, Henry


Cover vergössern

DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag DUX:

  • Zur Kritik... Interpretatorisches Ausloten von Kontrasten: Die vielfach rezipierte Kammermusik von Johannes Brahms mit Klarinette lädt zu vielen Interpretationsmöglichkeiten ein. Auf der vorliegenden Einspielung wird der Fokus vornehmlich auf das Ausloten der Extreme gelegt. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Originell statt original: Offenbar war es pure Spielfreude, die die polnische Dirigentin Agnieszka Duczmal leitete, als sie zum 50. Geburtstag ihres Kammerorchesters Arrangements kammermusikalischer Originale von Beethoven, Debussy und Korngold einspielte. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Liebe macht gesund: Nachträglich zum 200. Geburtstag von Stanislaw Moniuszko stellt die Oper Krakau eine charmante Einspielung seines letzten Bühnenwerk 'Beata' vor. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von DUX...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Auftakt: Die aktuellen King's Singers singen das kleine Programm frisch, lebendig, leicht und beweglich. Die neuen Arrangements fügen sich nahtlos in die Reihe der Klassiker ein, perlend und süffig. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Höhenmarke: Die zweite Version von Bibers gewaltigem Sonatenwerk, von Gunar Letzbor und Ars Antiqua Austria auf höchstem interpretatorischen Niveau gespielt, reif, reflektiert und gerundet. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Unbekannte Stimmen: Ein starkes Plädoyer für kaum bekannte Komponisten des frühen 16. Jahrhunderts: Stephen Rice und das Brabant Ensemble folgen einem guten Weg. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Faszinierende Cellosonaten: Der Cellist Daniel Müller-Schott überzeugt auf seinem neuen Album auf ganzer Linie. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Explosive Impulse: Das BRSO und Mariss Jansons erreichen mit dieser frühen Interpretation noch nicht ganz die Durchdringungstiefe späterer Bruckner-Aufnahmen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Vollendet austarierter Anschlag: Das Duo Genova & Dimitrov hat sämtliche Werke von Sergej Rachmaninow für Klavierduo aufgenommen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2020) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (1/2020) herunterladen (4180 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sergej Rachmaninoff: Suite No.1 op.5 - Barcarolle

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich