> > > Weinberg, Mieczyslaw: The Passenger: Opera in two acts with an epilogue op. 97
Montag, 25. Mai 2020

Weinberg, Mieczyslaw: The Passenger - Opera in two acts with an epilogue op. 97

Erschütternde Rückblenden


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Dux hat das Dokument der ersten russischen Bühnenproduktion von Mieczyslaw Weinbergs Oper 'Die Passagierin' veröffentlicht. Eine wichtige Ergänzung in der Diskografie des Meisterwerkes.

In Mieczysław Weinbergs 'Die Passagierin' will die ehemalige KZ-Aufseherin Lisa 15 Jahre nach Kriegsende ein neues Leben fern der eigenen Vergangenheit beginnen. Auf dem Ozeandampfer, der sie zusammen mit ihrem Mann nach Brasilien bringen soll, glaubt sie unter den Passagieren Martha, eine ehemalige Gefangene aus Auschwitz, zu erkennen. Daraufhin führt die Oper in erschütternden Rückblenden in das deutsche Vernichtungslager, in dem Lisa Teil des perversen Systems ist, das die Gefangenen jederzeit erbarmungsloser Erniedrigung, bestialischer Gewalt und industrieller Vernichtung aussetzt. Durch Perspektiv- und Zeitwechsel beleuchtet die Oper die Beziehung zwischen Täterin und Opfer und stellt die Frage nach persönlicher Schuld, Verdrängung, Revisionismus und dem Glauben an Gott angesichts des höllischen Grauens, das Menschen einander antun können.

Aufführung durch die sowjetische Zensur verhindert

Mieczysław Weinberg, der in Warschau geboren wurde und als Jude vor den Nazis in die Sowjetunion fliehen musste, schrieb seine Oper auf ein russischsprachiges Libretto von Alexander Medwedew. Dieses basiert auf dem Roman 'Pasażerka' der polnischen Widerstandskämpferin und Auschwitz-Überlenden Zofia Posmysz. Das zweiaktige Werk wurde 1968 vollendet, eine Aufführung aber durch die sowjetische Zensur verhindert. Erst 2006 erlebte die Oper eine halbszenische Uraufführung in Moskau, 2010 dann in Bregenz ihre szenische Premiere (Inszenierung: David Pountney). 2016 endlich folgte die erste Bühnenproduktion des Werkes in Russland. Thaddeus Strassberger inszenierte an der Jekaterinburger Oper mit naturalistischen Bühnenelementen und Requisiten. In seinem Konzept, das die Zeitebenen der Handlung bewusst ineinander übergehen lässt, geht er der Frage nach, wie durchschnittliche Menschen zu Tätern des millionenfachen Massenmordes werden konnten, dem zum größten Teil Juden zum Opfer fielen.

Ganz in den Dienst des Meisterwerkes gestellt

Strassberger und die Kostümbildnerin Vita Tzykun setzten sich im Vorfeld ihrer Produktion intensiv mit der Geschichte der deutschen Vernichtungslager auseinander. Der Regisseur und Bühnenbildner führte auch Gespräche mit Zofia Posmysz, um sich in die Perspektive der Zeitzeugin einfühlen zu können und sich ganz in den Dienst des Meisterwerkes zu stellen. Während in der Oper nicht zwingend deutlich wird, ob die Frau, der Lisa auf dem Schiff begegnet, wirklich Martha ist, lässt Strassberger daran keinen Zweifel. Für die Schlussarie, in der Martha den Ermordeten verspricht, nicht zu vergessen und nicht zu verzeihen, findet die Regie ein zwingendes Bild: Martha sitzt in ihrer Kabine vor dem Spiegel ihres Toilettentisches, während ihr gegenüber Lisa am Toilettentisch ihrer eigenen Kabine die gleiche Haltung einnimmt. So wird die ehemalige KZ-Wärterin zum Spiegelbild, das von Martha direkt angeklagt wird.

Schönheit der Musik voll zur Geltung gebracht

Aus dem Ensemble mit hervorragenden Leistungen wie der von Natalia Mokeeva (Ivette) ragen Natalia Karlova in der Rolle der Martha und Nadezhda Babintseva als Lisa heraus. Mit ihrer warmen, volltönenden Sopranstimme und absoluter Hingabe macht Karlova ihr Portrait der Martha zum eindringlichen Höhepunkt der Produktion. Babintseva navigiert sicher und virtuos durch die Schwierigkeiten ihrer anspruchsvollen Rolle, sodass die Schönheit der Musik voll zur Geltung kommt und Lisas von widerstreitenden Gefühlen geprägtes Innenleben offengelegt werden.

Oliver von Dohnányi setzt sich am Pult des Orchesters der Jekaterinburger Oper engagiert für die dichte, hochemotionale Musik ein, die Einflüsse von Schostakowitsch und der Zweiten Wiener Schule mit einer nahezu filmischen Rhetorik verbindet. Leider entspricht die Ausstattung der DVD mit unausgewogenem Stereoklang, Untertiteln in nur drei Sprachen (Russisch, Polnisch und Englisch), unkomfortabler Menüführung und einem recht dürftigen Begleitheft nicht der Bedeutung der Produktion der Jekaterinburger Oper für die Rezeptionsgeschichte des Werkes. Dessen ungeachtet stellt diese DVD eine wichtige Ergänzung in der Diskografie des Werkes dar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weinberg, Mieczyslaw: The Passenger: Opera in two acts with an epilogue op. 97

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
04.05.2018
Medium:
EAN:

DVD
5902547083872


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Weinberg, Mieczyslaw


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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