> > > Kozeluch, Leopold: Drei schottische Klaviertrios: Trio 1790: Annette Wehnert, Imola Gambas, Harald Hoeren
Freitag, 22. Februar 2019

Kozeluch, Leopold: Drei schottische Klaviertrios - Trio 1790: Annette Wehnert, Imola Gambas, Harald Hoeren

Auf die schottische Art


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schottische Volkslieder werden in der vorliegenden Interpretation von drei Klaviertrios Leopold Kozeluchs eher als exotisches Beiwerk denn als essenzieller Teil der Musik gesehen.

Als Sinfoniker, als Komponist von Solokonzerten, selbst als Schöpfer von Chorwerken ist Leopold Kozeluch (1747–1818) heute auch diskografisch durchaus ein Begriff. 1994 widmete sich das Trio 1790 erstmals auch Kozeluchs Kammermusikschaffen (das ansonsten proportional allgemein eher ignoriert wird). Mehr als zwanzig Jahre später hat dasselbe Ensemble – mit dem Hammerklavierpianisten Harald Hoeren weiterhin als Spiritus rector, nun aber mit Annette Wehnert und Imola Gomboz an den Streichinstrumenten – dieses Projekt wieder aufgegriffen und aus Kozeluchs 60 Klaviertriowerken drei weitere Werke ausgewählt, aus dem Schaffensraum 1798/89. Wie bei Werken von Beethoven, Haydn und Pleyel sind auch den Klaviertrios Kozeluchs schottische Volkslieder hinterlegt, deren Bedeutung für die Musik jedoch schlussendlich unklar bleibt (Liedtexte oder -inhalte fehlen, so dass entsprechende Implikationen nicht erkundet werden können). Wie stark Harald Hoeren in Kozeluchs Musik (auch als Klavierkomponist ist Kozeluch gut bekannt und viel gepflegt) zu Hause ist, hört man mit jedem Ton, den er auf der Adlam-Kopie eines Matthäus-Heilmann-Instruments von Ende des 18. Jahrhunderts spielt. Der Cellopart ist zumeist mit dem Hammerklavier colla parte geführt, so dass Imola Gombos sich nur selten als gleichwertige Partnerin vorstellen kann. Annette Wehnert steht stärker im Fokus und erweist sich einmal mehr als vorzügliche Kammermusikerin.

Eine andere Besprechung der vorliegenden CD beklagte, dass es eine zu geringe Zahl an Verzierungen gebe, was man von historisch informierten Musikern doch erwarten dürfe. Interessanterweise scheint dem Rezensenten aber gerade der Verzicht auf zusätzliche Verzierungen eine durchaus übliche Technik in der Interpretation schottischer Musik des späten 18. Jahrhunderts zu sein, schließlich geht es eigentlich um die Lieder – die aber hier wie gesagt nicht voll zu ihrem Recht kommen können; das Repetitive hat durchaus eigenen Reiz. Allerdings gewinnen (wie man aber auch bei Haydn- oder Mozart-Sonaten oder Beethoven-Streichquartetten sagen könnte) die Einzelwerke an Gewicht, wenn man sie unabhängig voneinander hört, nicht in einer Tour de force an einem Abend, in dem das eine Werk das andere in den Schatten stellen kann.

So haben wir hier eine insgesamt wunderbar runde, verdienstvolle Produktion, die mich jedenfalls dazu bringen wird, weiterhin Kozeluchs Musik zu erkunden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Kozeluch, Leopold: Drei schottische Klaviertrios: Trio 1790: Annette Wehnert, Imola Gambas, Harald Hoeren

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
25.04.2018
EAN:

761203503520


Cover vergössern

Kozeluch, Leopold
 - Piano Trio PJX:41 in B flat major - Allegro
 - Piano Trio PJX:41 in B flat major - Andante moderato
 - Piano Trio PJX:41 in B flat major - Allegretto
 - Piano Trio PJX:41 in B flat major - Rondeau Grazioso
 - Piano Trio PJX:41 in B flat major - Allegro Agitato
 - Piano Trio PJX:45 in G minor - Allegro
 - Piano Trio PJX:45 in G minor - Adagio espessivo
 - Piano Trio PJX:45 in G minor - Allegro con fuoco
 - Piano Trio PJX:44 in A major - Allegro
 - Piano Trio PJX:44 in A major - Andantino con Variazini
 - Piano Trio PJX:44 in A major - Allegretto


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Und jetzt die Kür: Drei Orchesterwerke Emil Nikolaus von Rezniceks aus der zweiten Reihe in hochrangigen Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klassische Moderne aus Schweden: Wer keinen Revolutionär sucht, dürfte an der Dritten Sinfonie von Lars-Erik Larsson seine Freude haben. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Thüringer Reichtum: Bachs Kopist Johann Peter Kellner im eigenen Ton. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Und jetzt die Kür: Drei Orchesterwerke Emil Nikolaus von Rezniceks aus der zweiten Reihe in hochrangigen Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nordische Fühlung: Diese Aufnahme gefällt mit Klavierkonzerten von Grieg und Delius und zeigt Mark Bebbington als Magier des Klaviers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Thüringer Reichtum: Bachs Kopist Johann Peter Kellner im eigenen Ton. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Anspruchsvolles Gesamtpaket: Ganz im Sinne des Albumtitels lässt 'Estrellita' wertvolle Evergreen- und Encore-Juwelen funkeln. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Bis heute modern: Dieser 'Tribut in fünf Balletten' zeigt die russische Tänzerin Maya Plisetskaya in bedeutenden Rollen. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Lateinamerikanischer Barock: Ein Villancico ist eigentlich ein spanisches Weihnachtslied – kann aber auch darüber hinausgehen, jedenfalls auf dieser CD mit Barockmusik aus Ecuador. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2019) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Emil Nikolaus von Reznicek: Symphonische Suite Nr.1 e-Moll - Adagio - Sehr ruhig, aber nicht schleppend

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich