> > > Gernsheim, Friedrich: Cellosonaten Nr.1-3: Alexander Hülshoff, Oliver Triendl
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Gernsheim, Friedrich: Cellosonaten Nr.1-3 - Alexander Hülshoff, Oliver Triendl

Spaltung statt Verschmelzung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Cellosonaten Friedrich Gernsheims erfahren eine interpretatorisch mehr als solide Darbietung. Leider beeinträchtigt die stark räumliche Aufnahmetechnik die erforderliche Verbindung der beiden Kammermusikpartner.

Mit den Cellosonaten setzt das Label cpo seine Erkundung des Schaffens Friedrich Gernsheims fort – jenes Brahms-Freundes, der auch immer wieder Brahms-Echos in seinen Werken verarbeitet hat. So gleich in dem Kopfsatz der dritten Cellosonate e-Moll op. 87 aus dem Jahr 1914. Der Tonfall ist weit von anderen Kompositionen jener Zeit entfernt (auch Regers Cellosonate op. 116 gehört einer anderen Welt an) – vielmehr scheint Gernsheim der durch neue ‚Moden‘ verlorengegangenen Zeit nachzutrauern. Leider überzeugt das vom reinen Informationsgehalt insgesamt akzeptable Booklet nicht wirklich mit Blick auf die Verortung von Gernsheims Musik in der Musikwelt seiner Zeit. Wie die beiden früheren Sonaten ist auch op. 87 dreisätzig, der zentrale langsame Satz wird, wo Oliver Triendl dezente Expression aufbietet, von Alexander Hülshoff mit gewisser Überemphase befrachtet, so dass die klaren Cellolinien durch ein geringes Zuviel an Vibrato verunklart werden. Das ist schade, verfügt Hülshoff doch über einen schönen, nicht zu schweren Ton, der allerdings im Vergleich zum Klavier gelegentlich etwas ins Hintertreffen zu geraten scheint. Überhaupt kommt es immer wieder nicht zu einem wirklichen Miteinander der beiden hochkarätigen Musiker – bedingt scheint dies durch eine klar definierte räumliche Aufnahmetechnik, die einer Klangverschmelzung der beiden Interpreten entgegensteht.

1906 hatte Gernsheim seine zweite Cellosonate op. 79, ebenfalls in e-Moll, vollendet – und sie scheint in manchen Momenten fast weniger retrospektiv als die spätere Sonate zu sein. Hier hat man gelegentlich das Gefühl, dass der Klaviersatz nicht immer ganz optimal ‚in den Fingern‘ liegt. Für Triendl sicher keine technische Schwierigkeit, aber insgesamt eine interpretatorische. In der ersten Sonate op. 12 in d-Moll aus dem Jahr 1868 kommt Hülshoffs Ton vielleicht am schönsten zur Geltung, auch scheint das Zusammenspiel der beiden Musiker am geglücktesten (auch wenn an manchen Stellen Hülshoffs Timing bewusst überspitzt zu sein scheint). Der Mittelsatz versprüht elegante Leichtigkeit, die Ecksätze sind angemessen forsch und wo erforderlich überbordend virtuos. Ergänzt wird das Programm durch das Andante D-Dur op. 64bis (eine 1898 veröffentlichte Bearbeitung des Mittelsatzes der Violinsonate F-Dur op. 64) und durch 'Elohenu', einen hebräischen Gesang, entstanden 1881 als unmittelbare Reaktion auf Max Bruchs 'Kol Nidrei'. Vom expressiven Gehalt kann es 'Elohenu' mit 'Kol Nidrei' aufnehmen und wäre eine gute Konzertzugabe – doch bedarf das Stück wie Bruchs Gegenstück doch eher das orchestrale Klanggewand, um seine volle Wirkung zu entfalten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gernsheim, Friedrich: Cellosonaten Nr.1-3: Alexander Hülshoff, Oliver Triendl

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
25.04.2018
Medium:
EAN:

CD
761203505425


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Gernsheim, Friedrich
 - Sonata for Violoncello & Piano No.3 op.87 - Allegro ma non troppo
 - Sonata for Violoncello & Piano No.3 op.87 - Andante sostenuto
 - Sonata for Violoncello & Piano No.3 op.87 - Molto Allegro e con fuoco
 - Elohenu - Hebraic biblical song -
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.79 - Allegro non troppo, ma con passione
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.79 - Andantino
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.79 - Allegro con fuoco
 - Andante for Violoncello & Piano op.64b -
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.12 - Andante con moto
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.12 - Allegretto
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.12 - Allegro con brio


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Interpret(en):Triendl, Oliver
Hülshoff, Alexander


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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