> > > Dvorak, Antonin: 23 Lieder "Mährische Duette" : Simona Saturova, Marketa Cukrova, Petr Nekoranec, Vojtech Spurny
Donnerstag, 1. Oktober 2020

Dvorak, Antonin: 23 Lieder "Mährische Duette" - Simona Saturova, Marketa Cukrova, Petr Nekoranec, Vojtech Spurny

Hausmusik von herber Schönheit


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung.

Es war im Hause der Familie Neff in Prag Anfang der 1870er Jahre, wo Antonín Dvořák als Musiklehrer ein- und ausging. Und weil bei den Neffs die Pflege von Hausmusik großgeschrieben wurde, beauftragte man den jungen Komponisten, ein paar Duette für das singende Ehepaar zu komponieren – und zwar als Gegenentwurf zur deutschen Hausmusikliteratur in tschechischer Sprache. In einer Zeit, in der man auf der Suche nach idiomatischer Nationalmusik war, fiel dieses Ansinnen auf fruchtbaren Boden. Und so schrieb Dvořák seine ersten 'Mährischen Duette' op. 20 auf Texte aus einer Volksliedsammlung – für den Hausgebrauch. In den Jahren darauf folgten die 'Mährischen Duette' op. 32 und jene op. 38, die bis heute immer wieder in Duo-Liederabenden erklingen. Es ist das Volkstümliche in Kombination mit dem Kunstvollen, das Dvořáks Duette so attraktiv macht, für Profis wie für Laien. Und es ist nicht verwunderlich, dass letztlich diese Werke gemeinsam mit den 'Slawischen Tänzen' damals seinen Ruhm als zeitgenössischer Komponist begründet haben.

Beim Label Supraphon haben im Juni 2017 vier ambitionierte Künstler sämtliche 'Mährischen Duette' – 23 an der Zahl – auf CD eingespielt: Die Sopranistin Simona Saturová, die Mezzosopranistin Markéta Cukrová, der Tenor Petr Nekoranec und der Pianist Vojtech Spurný. In diesen gut 52 Minuten Spieldauer vermittelt sich bei aller Schönheit der Dvořák‘schen Harmonien und Melodien vor allem eines: Lust am gemeinsamen Musizieren. Das ist ungemein charmant und gewinnend, zumal ein fließendes Durchhören der CD aufgrund mangelnder Abwechslung in der Besetzung auch ein wenig ermüdend sein kann. In dieser Hinsicht sind die Blöcke gut gesetzt: Zuerst erklingen sechs Duette für die beiden Frauenstimmen, dann gesellt sich für je zwei Nummern der Tenor zu je einer der beiden Damen, und die letzten 13 Duette meistern wieder Saturová und Cukrová im bewährten Gespann.

Auf Dvořáks Flügel

Diese beiden Stimmen harmonieren ungemein gut, ohne jedoch in einer konturlosen Einheit zu verschmelzen. Während Simona Saturová einen warmen, weichen Klang formt, gibt Markéta Cukrová das herbere Pendant. Die Harmonie besteht vielmehr im gemeinsamen Atmen, der Ausformung des Textes und der Farben. Beide Sängerinnen sind Geschichtenerzählerinnen, deren Energie und Spontaneität aus jeder Note klingt. Ein wenig stellt sich tatsächlich der Eindruck von beseelter und lustvoller Hausmusik ein – im allerbesten Sinne. Auch Petr Nekoranec erweist sich mit schlankem und wendigem Tenor als kongenialer Partner. Die herbe Schönheit, die auch sein Gesang verströmt, findet sich zudem im Spiel von Vojtech Spurný wieder, denn er musiziert auf Dvořáks eigenem Bösendorfer Flügel von 1879. Der Charakter dieses Instruments ist ein wenig kantiger, hämmernder als man es von anderen, moderneren Flügeln gewohnt ist – und eben das passt hervorragend zur notwendigen rhythmischen Prägnanz und luftigen Atmosphäre der 'Mährischen Duette'. Außerdem gibt es der Aufnahme ein spezielles Flair des Authentischen, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine viel zu sehr vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dvorak, Antonin: 23 Lieder "Mährische Duette" : Simona Saturova, Marketa Cukrova, Petr Nekoranec, Vojtech Spurny

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
06.04.2018
Medium:
EAN:

CD
099925423827


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Musikstadt Prag: Supraphon bringt eine Zusammenstellung aus verschiedensten Orchesterstücken mit Bezug zu Prag heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Ein regelrechter Knaller: Mit dieser Veröffentlichung von Franz Lehárs viel zu lange vernachlässigter Operette 'Cloclo' ist dem Label cpo ein wirklicher Knaller gelungen – und den Festspielen in Bad Ischl, wo der Mitschnitt im August 2019 entstanden ist, allemal. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Polnische Indien-Oper: Wer Moniuszkos 'Paria' einmal hören möchte, der hat mit dieser Doppel-CD einige Hürden zu nehmen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Ewiger Wanderer: Rafael Fingerlos und der Pianist Sascha El Mouissi präsentieren mit ihrem neuen Album 'Fremde Heimat' ein mutiges und spannendes Programm von höchster Authentizität. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Düstere Beschwörungen: Pianist Frank Peters und Mezzosopranistin Ekaterina Levental beginnen eine Gesamteinspielung der ziemlich individuellen Lieder des Russen Nikolaj Medtner. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Klänge des 21. Jahrhunderts: Das London Symphony Orchestra bietet zwölf jungen Komponistinnen und Komponisten eine freie Spielfläche. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwischen klassischem Klavierkonzert und Filmwalzer: Der Pianist Oliver Triendl und der Dirigent Ernst Theis werben auf einer schönen CD für die klassische Seite des Operettenkomponisten Oscar Straus. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leo Fall: Die Rose von Stambul

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich