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Sonntag, 24. März 2019

Englische Motetten - The Gesualdo Six, Owain Park

Üppige Qualitäten


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein spannender und auf hohem Niveau gesungener Plattenerstling: The Gesualdo Six sind ein hochpotentes Ensemble mit vielen Facetten.

Es ist ein auf den ersten Blick reichlich gemischtes Programm, mit dem das englische Vokalensemble The Gesualdo Six bei Hyperion die große Bühne betritt: Englische Renaissance, nicht besonders fokussiert, sondern mit quasi konzertdramaturgischem Blick über das 16. Jahrhundert streifend. Eine Zeit, die von politisch und religiös durchgreifenden Veränderungen geprägt war, die den Komponisten vielfache stilistische Kehrtwendungen abverlangte – und damit auch eine große stilistische Bandbreite im Schaffen der Meister jener Jahre hervorrief.

Das prägende Doppel sind, wenig überraschend und wie so oft in vergleichbaren Produktionen, Thomas Tallis und William Byrd – die ja in der Tat in ihrem stilistischen Reichtum, in ihrer kaum je an Grenzen stoßenden schöpferischen Kraft reichlich Substanz für jedes derartige Programm bieten. Dazu treten kontrastierend und bereichernd weitere Stimmen: Die deutlich ältere, weit über ein Jahrhundert zurückdatierende von John Dunstable, dazu William Cornysh und John Taverner. Neben Tallis und Byrd etabliert sich der großartige John Sheppard als heimliches Kraftzentrum des Programms: Mit seinen beiden Motetten auf den identischen Text ‚Libera nos, salva nos‘ zeigt er, wie sich konstruktive Strenge und höchste klangsinnliche Intensität so verbinden lassen, dass das klingende Ergebnis mühelos fünf Jahrhunderte überwindet und gedanklich wie ästhetisch anrührt. Zu hören sind daneben die genialen, zu Unrecht weniger bekannten Robert White und Robert Parsons, mit einem sehr knappen Satz auch Thomas Morley. Schließlich weisen mit Orlando Gibbons und Thomas Tomkins zwei Komponisten weit über die Renaissance hinaus, als Bindeglieder hin zur barocken Welt eines Henry Purcell. Im Ergebnis ein stimmiges, in seiner Abfolge dramaturgisch überzeugendes Programm, wie es ganz sicher ein beeindruckendes Konzert ergäbe, auch wenn es diskografisch nicht allerhöchsten Rang beanspruchen kann.

Üppige Qualitäten

Der Stamm des Ensembles The Gesualdo Six umfasst Guy James und Alexander Chance als Countertenöre, Joseph Wicks und Josh Cooter im Tenor, Michael Craddock als Bariton und den Bass Samuel Mitchell. Der Leiter des Ensembles, Owain Park, tritt von Zeit zu Zeit im Bass hinzu. Die Formation verfügt über herausragende lineare Qualitäten, im dichten, entspannt fließenden kontrapunktischen Gewebe materialisiert sich ein berückend schöner Ensembleklang. Das einleitende 'Suscipe quaeso Domine' von Tallis oder das traumverloren schöne 'When David heard' von Thomas Tomkins werden dank dieser Qualitäten schlicht ideal gesungen. Das bewegte 'Vigilate' von William Byrd fordert und zeigt eine andere Seite: Es ist eine bewegte Szenerie, rhythmisch prägnant und mit charaktervollen Ecken und Kanten. Hier geht etwas vom überwältigenden Charme des Beginns verloren, treten die Einzelstimmen stärker hervor, manifestiert sich auch dynamisch bedingt ein hellerer, härterer Klang. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: All das ist noch immer uneingeschränkt erstklassig. Es ist eher so: Hier präsentiert und erprobt sich ein Ensemble, das in seinen reichen Möglichkeiten, seiner musikalischen Unternehmungslust, seinem schieren stimmlichen Vermögen mehr als nur einen Markenkern pflegt. Vielleicht nivelliert sich das in Zukunft – nach Ansicht des Rezensenten würde man sich damit aber einer bemerkenswerten Stärke berauben.

Denn: Wann immer nötig und vom Ensemble angestrebt, ist die Stimmkontrolle hervorragend, auch wenn die Kraftentfaltung gelegentlich wild entschlossen, gar übermütig wirkt. Dezenz und lyrische Konzentration sind immer möglich. Auch mit Blick auf die Tempi zeigt sich die Lage weit gefächert: Von der leicht fließenden Geste bis zu einem fast schon druckvoll-impulsiven Geschehen reicht die Bandbreite. Artikuliert wird in Phrasen lyrischer Anmut, in auch in dieser Sphäre lebendiger Stimmführung; dazu kommen die schon angesprochenen Momente frischen Temperaments. Intoniert wird individuell und in der Gruppe sehr überzeugend; dem Rezensenten gefielen die lyrischen, klanglich freien Anteile in dieser Hinsicht noch besser als die energisch kraftbasierten. Mit Blick auf die technische Realisierung erweist sich die Kapelle des Trinity College in Cambridge als geradezu luxuriöser Ort: Eine dezente Korona überwölbt das plastisch und strukturklar aufgeschlüsselte Geschehen.

Ein spannender und auf hohem Niveau gesungener Plattenerstling: The Gesualdo Six sind ein hochpotentes Ensemble mit vielen Facetten. So lässt man sich diesen Querschnitt durch die englische Renaissance gern gefallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Englische Motetten: The Gesualdo Six, Owain Park

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
06.04.2018
EAN:

034571282565


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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