> > > Bottesini, Giovanni: Concertos for double bass and orchestra
Dienstag, 23. Juli 2019

Bottesini, Giovanni - Concertos for double bass and orchestra

Spielwitz und echtes Herzblut


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bottesini holt den Kontrabass erstmals aus den Tiefen des Orchesterfundamentes in den lichten Solohimmel.

Reißen Sie einen Kontrabassisten morgens um vier Uhr aus dem Tiefschlaf und fragen Sie ihn nach den drei bedeutendsten Werken für sein Instrument. Er wird Ihnen unter Garantie erstens das Konzert E-Dur von Dittersdorf, zweitens das Konzert fis-moll von Koussevitzky und drittens das Konzert h-moll von Bottesini nennen. Wieso ich mir da so sicher bin? Erstens bin ich selber Bassist. Und zweitens gibt es leider (fast) keine anderen bedeutenden Werke für Kontrabass.

So bildet das oben genannte Konzert in h-moll von Giovanni Bottesini auch das Kernstück einer CD, die ganz den Werken dieses Komponisten für den Kontrabass gewidmet ist. Falls Sie noch nie etwas von Giovanni Bottesini gehört haben, so ist das nicht sehr erstaunlich, da dieser Mann außerhalb von obskuren Bassistenkreisen fast vergessen ist. Zu seinen Lebzeiten (1821-1889) aber war er ein sehr bekannter Kontrabass-Virtuose – man nannte ihn den ‚Paganini des Kontrabasses’ – , ein erfolgreicher Opernkomponist und ein gefragter Dirigent. Zum Beispiel leitete er 1871 die Uraufführung von Verdis ‚Aida’ in Kairo.

Auch wenn Bottesini durch seine exzellente Spieltechnik und durch seine vielen Kompositionen den Kontrabass erstmals aus den Tiefen des Orchesterfundamentes in den lichten Solohimmel gehoben hat, so bestätigt sich durch ihn doch auch das verbreitete Vorurteil, dass niemand freiwillig Kontrabass lernt: Als der elfjährige Bottesini sich um einen Platz am Mailänder Konservatorium bemühte, gab es nur noch ein Stipendium: für Kontrabass.

Neben dem ‚bekannten’ h-moll-Konzert finden sich auf der bei cpo erschienenen CD noch das Konzert fis-moll und als besondere Rarität das ‚Gran Duo Passione Amoroso’ für zwei Kontrabässe und Orchester.

Solist dieser Aufnahme ist der 1967 in Kattowitz geborene Boguslaw Furtok; Solokontrabassist beim Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt. Bei der vorliegenden Aufnahme wird er von seinen Frankfurter Kollegen unter der Leitung von Stephan Tetzlaff begleitet.

Mit seiner zweiten CD legt Boguslaw Furtok eine im großen und ganzen gelungene Aufnahme hin. Interpretatorisch bleibt er meist im Rahmen dessen, was die ‚großen alten Herren des Kontrabass’ - wie Gary Karr oder Ludwig Streicher - schon vor Jahren abgesteckt haben. Das ist bedauerlich, da ein bisschen mehr Individualität und Selbstvertrauen in die eigenen interpretatorischen Fähigkeiten dem Profil dieser Aufnahme sehr gut getan hätten. Alles ist wirklich sehr sauber und auch sehr schön gespielt. Nur hätte ein weniger an Schönheit und ein mehr an Härte und Kern den Konzerten vor allem in den jeweiligen ersten Sätzen mehr Spannung und Feuer verliehen.

Allein in den dritten Sätzen (Allegro con fuoco und Allegro) kommt es zu einer Härte und Kompaktheit des Tons, die in ihrer Bestimmtheit aufmerken lässt und die man sich öfter zu hören wünscht. In den langsamen Mittelsätzen fällt hingegen negativ auf, dass der Solist sein Vibrato, das oft sehr unruhig und zittrig wirkt, zu wenig als Stilmittel in die Phrasierung einbezieht. Statt dessen legt er über alles ein ‚Einheitsvibrato’.

Eine ungemein positive Überraschung und einen echten Hörspaß liefert das abschließende Stück der CD, auf dem als zweiter Solokontrabass neben Boguslaw Furtok dessen Frankfurter Kollege Johannes Stähle zu hören ist. All denen, die bei einem Duett zweier Kontrabässe an Klangmatsch und intonatorische Abgründe denken, sei diese Aufnahme wärmstens empfohlen! Mit ungemein viel Spielwitz, echtem Herzblut und einer gehörigen Portion gesunder Ironie demonstrieren die beiden Solisten, wie ein Flirt zwischen zwei Kontrabässen aussehen könnte, die sich an einem sonnigen Julinachmittag in einem Wiener Café treffen, um nach einem Stück Sachertorte gemeinsam im Prater melancholischen Gedanken nachzuhängen. In nahezu perfekter Abstimmung spielen die beiden Solisten selbst die schwierigsten Passagen mit einer Leichtigkeit, die man selbst bei weniger schwerfälligen Instrumenten selten hört. Krönender Abschluss ist auch hier wieder der letzte Satz, bei dem es in den Höhen zwar den einen oder anderen Kiekser gibt, der durch seine Lebendigkeit aber geradezu mitreißt.

Einen kleinen Minuspunkt für die ansonsten sehr schöne und informative Aufmachung der CD gibt es für eine falsche Trackangabe auf der CD Rückseite.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Sebastian Bielski,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bottesini, Giovanni: Concertos for double bass and orchestra

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.05.2000
53:14
1998
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0761203966523
cpo 999 665-2

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Bottesini, Giovanni


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Dirigent(en):Tetzlaff, Stephan
Orchester/Ensemble:Frankfurt RSO
Interpret(en):Furtok, Boguslaw (Double Bass)


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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