> > > Schneider, Enjott: Magic of Irreality: Isolde & Tristan, Dreamdancers
Mittwoch, 19. September 2018

Schneider, Enjott: Magic of Irreality - Isolde & Tristan, Dreamdancers

Zwei Ungewohnte


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein beredtes Zeugnis musikalischer Magie von einem Komponisten, an den man als Orchesterkomponisten nicht unbedingt sofort denkt: Enjott Schneider.

Enjott Schneider ist ein Tausendsassa im besten Sinne: Musiktheoretiker und -wissenschaftler, Komponist und Pädagoge, Funktionär und Netzwerker wären nur einige Hashtags, die man mit seinem Namen verbinden könnte. In seiner Eigenschaft aus produktiver Komponist (von 16 Orgelsinfonien über Lieder, Kammermusik und acht abendfüllende Opern bis hin zu über 500 Filmmusikpartituren) befasst er sich mit zahlreichen Gattungen, um diese immer wieder auf die eine oder andere Weise zu brechen. Seine reiche Tätigkeit als Filmkomponist hat zu einer steten Erweiterung seiner kulturhistorischen Kenntnisse geführt, und die beiden hier vorgelegten Doppelkonzerte legen darüber beredtes Zeugnis ab. In seinem 2014 entstandenen fünfsätzigen Doppelkonzert 'Isolde und Tristan' (mit Wagner-Zitaten) nutzt er als Soloinstrumente das Cello und die Erhu, eine chinesische zweisaitige, mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute – so gelangt er schnell in eine ferne, magisch irreale Welt, die Europa und Asien auf spannende Weise verbindet. Immer wieder überrascht die Partitur, auch mit dem unerwarteten Schluss. Die autoritative Einspielung mit den Solisten Jiemin Yan (Erhu) und Wen-Sinn Yang (Violoncello) wird einzig durch Einzelleistungen im Siberian State Symphony Orchestra unter Vladimir Lande beeinträchtigt, einem soliden Klangkörper, der aber an Stellen, wo es in die exponierten Extreme geht, Schwäche zeigt. In 'Isolde und Tristan' finden wir einen Hauch Kitsch ebenso wie einen Slow Waltz, der Wagner in ein ganz neues Licht führt (ob das dem Hörer gefällt, ist Geschmackssache – gut gemacht ist es allemal).

Aus dem Jahr 2016 stammt das Doppelkonzert 'Dreamdancers' für Piccolotrompete, Flügelhorn und Orchester – auch hier für zwei Soloinstrumente, die im europäischen Konzertleben nicht unbedingt den prominentesten Status einnehmen (die vielleicht berühmteste Komposition für Piccolotrompete ist Karlheinz Stockhausens 'Oberlippentanz'). Das dreisätzige Werk ist prinzipiell atonaler angelegt, doch erwächst aus der Dissonanz immer wieder Tonales. Otto Sauter (Piccolotrompete) und Sergei Nakariakov (Flügelhorn) sind ein kongenial aufeinander abgestimmtes Solistenduo, hier scheint auch das Krasnojarsker Orchester sich noch besser vorbereitet zu fühlen (vielleicht weil der Probenaufwand hörbar größer war?). Die Musik ist noch dichter in der kompositorischen Faktur, der Schlusssatz 'Dancing Kolibris at the Gates to Hell' ist ein Höhepunkt, der die ganze CD passend beschließt (WERGO).

Eine ungewöhnliche Produktion und ein beeindruckender Einblick in Schneiders kompositorisches Denken. Einen Einblick in sein Denken bietet auch der Textbeitrag im großzügig ausgestatteten, mehrsprachigen Booklet. Die Aufnahmequalität ist herausragend (was nicht überrascht, betrachtet man den Namen des Editors des CD-Masters, Ingo Schmidt-Lucas).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schneider, Enjott: Magic of Irreality: Isolde & Tristan, Dreamdancers

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
30.04.2018
EAN:
BestellNr.:

4010228511826
WER 51182


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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