> > > Haefliger, Andreas: Perspectives 7: Werke von Mussorgsky, Beethoven, Liszt, Berg
Donnerstag, 16. September 2021

Haefliger, Andreas: Perspectives 7 - Werke von Mussorgsky, Beethoven, Liszt, Berg

Charakterisierungskunst


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Andreas Haefliger will uns Altbekanntes in neuem Licht erscheinen lassen. Auch wenn das teils fragwürdige Ergebnisse zeitigt – spannend ist es immer.

Das Programm umspannt fast 100 Jahre von Beethovens später Klaviersonate op. 101, mit Zwischenstationen bei Liszt und Mussorgskys berühmten 'Bildern einer Ausstellung' bis zu Alban Bergs Sonate op. 1. Es ist ein vielfältiges, eigensinniges und langes Programm (87 Minuten!). Abgesehen von Liszts 'Legende' Nr. 1, die eher selten im Konzert zu hören ist, umfasst es wohlbekannte, häufig aufgeführte Werke, die bereits in zahllosen Einspielungen vorliegen. Das Reizvolle hier besteht in der Zusammenstellung, wie sie für die Reihe 'Perspectives' (vorher AVIE, nun bei BIS-Records) konstitutiv ist: Eine Klaviersonate von Beethoven wird mit anderen Werken kontextualisiert und damit in neuem Licht gezeigt.

Op. 101 ist vielleicht die ‚romantische‘ Sonate Beethovens schlechthin. Schon der erste Satz macht eher den Eindruck eines lyrischen Charakterstückes. Das Spiel mit der Verschleierung der Taktschwerpunkte erzeugt einen Schwebezustand, der dann freilich vom zweiten Satz ('Lebhaft. Marschmäßig') wieder eingefangen wird, ähnlich wie der Schlusssatz die träumerische Reminiszenz des Anfangs wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Andreas Haefliger spielt nie einfach ab, was der Notentext vorschreibt. Ungreifbare Akkorde, Fermaten, Triller werden ihm zur Spielwiese für rhythmische Feinheiten, auch das Tempo bleibt selten konstant.

Scharf umrissene Charakterbilder

Ein Musterbeispiel für diese Herangehensweise in den 'Bildern einer Ausstellung' ist das erste Bild, das auf die trotz relativ monotonem Klaviersatz sehr nuancenreiche 'Promenade' folgt: 'Gnomus'. Auf kleinstem Raum wird hier geflüstert und geschrien, geeilt und gebremst. Es macht den Eindruck eines Psychogramms. Mit dieser feinen Nuancierung entstehen individuelle, scharf umrissene Charakterbilder, sie ist also durch die Werkidee gedeckt. Das funktioniert auch für die 'Promenaden'. Sie sind jeweils gezeichnet vom vorhergehenden Stück. 'Bydlo' hallt unmissverständlich nach, der Pedalschleier nach 'Samuel Goldenberg und Schmuyle' verzieht sich erst allmählich. Bei Berg und Liszt findet sich die gleiche Gestaltungskunst. Die Klangqualität ist durchgehend sehr gut, der Steinway besonders in den tiefen Lagen sonor, niemals blechern oder schrill.

Dort, wo die Komposition nicht durch solche psychologisierenden Momente belebt werden muss, da wirkt Haefliger weniger überzeugend. Die 'Baba-Yaga' bleibt in den Außenteilen merkwürdig farblos, der Mittelteil mit seinem flirrenden Tremoli-Hintergrund dagegen sehr ausgefeilt. Das 'Große Tor von Kiew' dann extrem langsam, sogar in der gewaltigen Schlusssteigerung, und das ist doch arg gegen den Strich gebürstet. Eine Bravourstelle par excellence wird hier antivirtuos dargeboten. Das behält immer, auch wenn es gut gemacht ist, den Beigeschmack von unbewältigter Schwierigkeit, von ‚Da hat es sich einer leicht(er) gemacht‘. Meines Erachtens geht hier die Freiheit der künstlerischen Gestaltung etwas zu weit, aber gelegentliches Fehlgehen ist vermutlich der Preis für die spannenden Einblicke, die man dafür bei anderen Stücken erhält.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haefliger, Andreas: Perspectives 7: Werke von Mussorgsky, Beethoven, Liszt, Berg

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
11.04.2018
Medium:
EAN:

CD
7318599923079


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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