> > > Sabaneev, Leonid: Die Werke für Klavier Vol.2: Michael Schäfer, Piano
Sonntag, 20. Oktober 2019

Sabaneev, Leonid: Die Werke für Klavier Vol.2 - Michael Schäfer, Piano

Hochexpressive pianistische Grenzbereiche


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf dieser zweiten Folge mit Klavierwerken von Leonid Sabanejew kommt es bisweilen zu Momenten dynamischer Erschöpfung im Dauer-Fortissimo. Insgesamt sind die Werke dennoch hörenswert.

Michael Schäfer ist ‚nur‘ Professor für Klavierspiel, doch seine Tätigkeit als Musikforscher würde wohl für eine weitere Habilitationsschrift in Musikwissenschaft ausreichen. Schon seit Jahren sucht und findet Schäfer Klavierwerke (und Kammermusikwerke) von Komponisten, die unbekannt oder sogar völlig in Vergessenheit geraten sind. Nicht immer stößt er dabei auf erstklassige Musik, so manches Werk mag auch aus verständlichen Gründen vernachlässigt worden sein. Doch mit den Kompositionen von Leonid Sabanejew (1881–1968) hat Schäfer wahre pianistische Edelsteine entdeckt, die ihren Rang neben Rachmaninow und Skrjabin mühelos behaupten können. Auf der vorliegenden zweiten CD mit Klaviermusik Sabanejews befindet sich als zentrales Werk die halbstündige Sonate op. 15, die im Jahr 1916 entstand. Von ähnlicher Ausdehnung ist 'Passacaglia und Fuge über Themen aus der Apokalypse', ein Werk, dessen Aufführungsfassung extra für diese Einspielung von Alexander Maksimenko erstellt wurde. Von kleinerem Format sind die 'Cinq Esquisses' op. 14 und die 'Etude-Nocture' op. 16, zwei Werke aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Hoher Anspruch

Der pianistische und musikalische Anspruch ist in allen Werken durchgehend hoch, auch die Anforderungen an den Hörer sollten nicht unterschätzt werden – Sabanejews fluktuierende, von raschen Stimmungsänderungen geprägte Musik kann in all ihren Facetten nur durch mehrmaliges Hören einigermaßen erfasst werden. Beispielhaft steht hierfür die monumentale Sonate, die nach leisem, verhaltenem Beginn wahre klavieristische Explosionen bietet und das Instrument bis an seine Grenzen ausreizt. Über Schäfers Rüstzeug, diesen spätromantischen Koloss zu bewältigen, kann es keine Zweifel geben; selbst die haarigsten Akkord- und Oktavballungen im vielfachen Fortissimo klingen hier mühelos, hochrasante Läufe sitzen in beeindruckender Perfektion. Doch bei all dieser pianistischen Überdosis macht sich gelegentlich auch ein gewisser Mangel an Abwechslung bemerkbar, wenn einfach eine Akkord-Kaskade auf die nächste folgt – der expressive Überdruck implodiert gewissermaßen. Dies mag in weiten Teilen dem Werk selbst geschuldet sein, das nun mal im mehrfacher Hinsicht an Grenzen geht. Doch hier und da scheint es auch kleinere interpretatorische Durststrecken zu geben, wenn sich minutenlang fast alles im extremen Fortissimo-Bereich abspielt. Passagenweise scheint die Freude am hypervirtuosen Spiel mit Schäfer durchzugehen.

Gelungener wirkt in dieser Hinsicht die Passacaglia mit anschließender Fuge, wo die traditionelle Form mit Sabanejews Ausdruckskraft zu einer gelungenen Synthese kommt. Das Stück entwickelt sich langsamer als die Sonate, erinnert mit seiner düsteren Harmonik deutlich an Skrjabin und zeigt Sabanejew sozusagen nebenbei als Meister einer ausgefeilten Kontrapunktik, die hier von Schäfer bestens herausgearbeitet wird. Die kraftvollen, akkordlastigen Passagen vor allem in der ersten Hälfte des Stückes werfen allerdings ein ähnliches Problem wie in der Sonate auf, recht schnell sind hier dynamische Grenzen erreicht. Zwar sind die Crescendo-Ballungen durchaus beeindruckend, aber irgendwann geht es eben nicht mehr lauter – ein Problem, das in diesem Fall wohl eher dem Werk als dem Interpreten anzulasten ist. Sabanejew stößt gleichsam in orchestrale Bereiche vor, was auf dem Klavier kaum noch abzubilden ist.

In den 'Cinq Esquisses' op. 14 gibt es dieses Problem nicht, die fünf Miniaturen werden von Schäfer mit ebensoviel Virtuosität wie lyrischem Einfühlungsvermögen vorgetragen – Sabanejew zeigt sich hier von einer melodischen Seite, die in ihren besten Momenten an Chopin erinnert und in den beiden großformatigen Werken so nicht anzutreffen war. Weniger gelungen ist die 'Etude-Nocturne' op. 16, ein zwar origineller, aber nicht ganz überzeugender Versuch, die beiden Gattungen in einem Stück zu kombinieren. Dennoch ist die CD (wie auch schon die erste Folge mit Klavierwerken Sabanejews) eine echte Entdeckung für alle Freunde virtuoser Pianistik. Dass Schäfer hier und da gleichsam die Gäule durchgehen, kann man schon alleine deshalb verschmerzen, weil Konkurrenz-Einspielungen weit und breit nicht in Sicht sind.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sabaneev, Leonid: Die Werke für Klavier Vol.2: Michael Schäfer, Piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
06.04.2018
Medium:
EAN:

CD
4260036256123


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Sabanejew, Leonid


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Interpret(en):Schäfer, Michael


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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