> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquartette: Leipziger Streichquartett
Samstag, 21. Juli 2018

Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquartette - Leipziger Streichquartett

Gediegener Mozart


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Leipziger Streichquartett ist bei den Mozart-Quartetten eine sichere Bank.

Dass das Leipziger Streichquartett mit zu den führenden Quartettformationen in Deutschland gehört, braucht nicht nur aufgrund der ausgedehnten und stetig zunehmenden CD-Einspielungen bei MDG kaum noch erwähnt zu werden. Und so ist auch diese, 1999 begonnene, nach fast 20 Jahren nun abgeschlossene Gesamteinspielung der Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart ein Zeugnis wohlbalancierter, hochüberlegter, mit traditionellen Vorzügen gesegneter Quartettkunst. Einziges kleines Manko ist da höchstens, dass die 8-CD-Box an den Seiten mit zwar verdienten lobenden Worten der Kritik bedruckt ist, Angaben zum Aufnahmeort oder den Orten im ansonsten gewohnt überzeugenden Booklet aber fehlen. Dass diese Einspielung der 23 Quartette Mozarts über einen derart langen Zeitraum entstand, macht sich nämlich nicht nur im jeweils sachte variierenden Klangbild bemerkbar, sondern spiegelt sich auch in der fluktuierenden Besetzung der Formation wider. So ist alleine in KV 499, dem sogenannten 'Hoffmeister'-Quartett', Stefan Arzberger als erste Geiger zu hören, während bei den 'Preußischen' und den 'Haydn'-Quartetten Andreas Seidel den Stimmführer gibt. Bei den davor entstandenen ‚frühen‘ Quartetten wechseln sich hingegen Conrad Muck und Timan Büning ab. Ivo Bauer (Viola) und Matthias Moosdorf (Cello) bleiben dagegen den gesamten Zeitraum über die Konstanten.

Nur wer eine maximale homogene Lesart erwartet, dürfte dies als Makel sehen. Alle anderen freuen sich bei aller Charakteristik des Leipziger Streichquartetts über eine Flexibilität des Zugriffs, die sich bei den jeweiligen Werkgruppen jedoch zu einem geschlossenen verfestigt. Herrscht bei den 'Haydn'-Quartetten insgesamt ein gesättigter dunkler Ton vor, der den sechs komplex gearbeiteten Opera mit ausgestelltem Ernst begegnet, wirken die 'Preußischen' Quartette luftiger und gleichsam ungezügelter, nicht nur, weil sie es tatsächlich sind, sondern weil dem reinen Hören nach noch mehr Wert auf klangliche Effekte und Schönheit des Tons gelegt wurde. Einzig bei den frühen Werken von KV 80 bis KV 172 stellen sich im Zusammenspiel der Violinen bisweilen Schärfen ein und der Quartettklang wirkt weniger in sich geschlossen und weist im Vergleich weniger farbliche Wärme auf.

Wer also eine im besten Sinne gediegene Gesamtschau der Streichquartette von Mozart auf modernen Instrumenten sucht, dem dürfte es trotz der großen Konkurrenz auf dem Plattenmarkt nicht schwerfallen, hier glücklich zu werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquartette: Leipziger Streichquartett

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
8
06.04.2018
EAN:

760623206622


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Mozart, Wolfgang Amadeus


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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