> > > Hymne au Soleil: Chorwerke von Lili Boulanger
Freitag, 10. Juli 2020

Hymne au Soleil - Chorwerke von Lili Boulanger

Hymne à Lili


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Orpheus Vokalensemble zeigt mit einer großen Auswahl von Chorwerken die facettenreiche Schaffenskraft Lili Boulangers.

Neben der Entwicklung neuer Ausdrucksmöglichkeiten ist die Musikwelt auch stetig auf der Suche nach in der Geschichte vergrabenen Schätzen. In den letzten Jahren richtete sich der Fokus verstärkt auf zu Unrecht in Vergessenheit geratene Komponistinnen insbesondere des 19. Jahrhunderts. Einen Namen machen sich dabei besonders die Schwestern Lili und Nadia Boulanger mit ihrer für damalige Zeiten avantgardistischen Tonsprache. Das Œuvre der viel zu früh verstorben jüngere Schwester Lili (1893–1918) besteht überwiegend aus Vokalwerken, von denen das Orpheus Vokalensemble einen Großteil auf seiner neuen, beim Carus Verlag erschienen CD 'Hymne du Soleil' versammelt.

Die 24 Sänger des 2005 gegründeten Ensembles widmen sich gern originellen Projekten. Für das vorliegende Album haben sie sowohl mit der Wahl des Pianisten Antonii Baryshevskyi als auch des Dirigenten Michael Alber ein glückliches Händchen bewiesen. Die eingespielten Werke Lili Boulangers entstanden zwischen 1911 und 1917, ein Jahr vor dem Tod der Komponistin. Obwohl stark impressionistisch geprägt, entwickelte Lili in ihrer kurzen Schaffenszeit eine für die damalige Zeit moderne musikalische Sprache, in der sie die Grenzen der Tonalität auslotete. Den Werken zugrunde liegen vorrangig Texte über Naturbetrachtungen, Ausnahmen bilden der düstere Trauermarsch 'Pour les funérailles d’un soldat' sowie 'Psaume XXIV', eine der wenigen geistlichen Kompositionen. Zusätzlich wird das Programm durch vier reine Klavierwerke Boulangers bereichert.

Das Orpheus Vokalensemble besticht durch einen durchsichtigen, transparenten Klang, der die in sich gekehrten Lieder Lili Boulangers perfekt illustriert. So lässt die aufgeräumte Stimmführung Albers das besungene Wasser in 'La source' glitzern und kreiert in 'Soleils de septembre' eine stille, melancholische Herbststimmung. Auch für das brausende 'Pendant la tempȇte' finden die hier besetzten Männerstimmen eine ausgewogene Balance. Auch wenn alle Mitglieder des Ensembles solistisch begabt sind, agiert der Chor ebenso als homogener Klangkörper. Durch präzise und stellenweise fast unmerkliche Verschiebungen in Dynamik, Tempo und Gestus etwa in 'Sous-bois' werden sie der sinnlichen Musik Lili Boulangers vollkommen gerecht. Gleichzeitig ist die Gleichförmigkeit im Ausdruck über weite Strecken das einzige Manko dieser sonst mehr als gelungenen Veröffentlichung. Für Abwechslung sorgt erst wieder das letzte Drittel des Albums, beispielsweise die packende, düster marschierende Interpretation von 'Pour les funérailles d’un soldat'. Die selbstsichere Phrasierung und gut gesetzten Spannungsbögen machen außerdem 'Psaume XXIV' zu einem der spannendsten Titel der Aufnahme.

Erst mit der Klavierbegleitung erhalten Lili Boulangers Werke die richtige Ausstrahlung. Das Orpheus Vokalensemble hätte sich keinen besseren Pianisten aussuchen können als Antonii Baryshevskyi. Selbstsicher und stimmungsmalerisch, sind seine Einsätze bestens auf den Chor abgestimmt. Insgesamt gelingt beiden Partnern ein angenehm ausgewogenes Klangverhältnis und auch die Soloeinspielungen Baryshevskyis sind raffiniert umgesetzt.

Die Musik Lili Boulangers muss bewusst gehört werden und erfordert Aufmerksamkeit von ihrem Publikum. Gerade die reichhaltige Harmonik verleiht den Werken ihre Vielschichtigkeit. Das Orpheus Vokalensemble überzeugt vor allem mit einer sorgfältigen und differenzierten Textgestaltung. Der weiche, homogene Chorklang schwebt körperlos im Raum und wird nur für wenige Titel wie 'Pour les funérailles' und 'Psaume' aufgegeben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hymne au Soleil: Chorwerke von Lili Boulanger

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
1
06.04.2018
Medium:
EAN:

CD
4009350834897


Cover vergössern

Boulanger, Lili


Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Kennst Du Fauré?: Liedbearbeitungen für eine Chorbesetzung ermöglichen Zugang zu unbekanntem Repertoire. Denis Rouger gibt damit nicht nur Vergessenen eine Plattform. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Niveau und Ambition: Die Gaechinger Cantorey und Hans-Christoph Rademann haben ihrer wachsenden Diskografie eine in Niveau und Ambition absolut harmonische Johannes-Passion hinzugefügt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Das Beste von Calmus: Wenn das kein fröhlicher Anlass ist: Das Calmus Ensemble wird 20 und präsentiert zum Jubiläum eine persönliche Auswahl seiner besten Lieder. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Maxi Einenkel:

  • Zur Kritik... Wenn Pferde singen: Zwei einfallsreiche Schweizer Musiker wagen ein interessantes Experiment und verwandeln Eurodance-Hits in klassische Kunstwerke. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Das Beste von Calmus: Wenn das kein fröhlicher Anlass ist: Das Calmus Ensemble wird 20 und präsentiert zum Jubiläum eine persönliche Auswahl seiner besten Lieder. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Große Unterhaltung in kleinen Stücken: Je weniger Musiker, desto fesselnder manchmal das Ergebnis: Der Pianist Denis Kozhukhin zeigt in Mendelssohns 'Liedern ohne Worte' und Griegs 'Lyrischen Stücken' eine ganze Bandbreite an Emotionen, gepaart mit technischer Finesse. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
blättern

Alle Kritiken von Maxi Einenkel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Belcanto bei den Hunnen: Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester setzen ihren Verdi-Zyklus mit 'Attila' fort. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Qualität von der Seite: Das rund und komplett klingende Ensemble De Profundis singt hochattraktive Musik von Juan Esquivel, die zu hören ein Genuss ist und die zu kennen sich unbedingt lohnt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... 'Regietheater' vom Allerfeinsten: Eine rundum vorbildliche, differenzierte Inszenierung von Mozarts exotischem Singspiel 'Die Entführung aus dem Serail' in Glyndebourne. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich