> > > Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 5
Donnerstag, 18. Juli 2019

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 5

In klassischem Gewand


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Adam Fischer gelingt den Düsseldorfer Symphonikern eine weitere bemerkenswerte Darbietung einer Mahler-Sinfonie, die von großer Ausdruckssicherheit geprägt ist.

Angesichts so vieler Einspielungen der Sinfonien Gustav Mahlers ist die Frage, ob eine weitere überhaupt notwendig sei, sicher nicht unangebracht. So verständlich der Wunsch ist, einen der größten Sinfoniker des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit einer eigenen Interpretation zu würdigen, so naheliegend ist es, dass nicht alle Dirigenten und Orchester diesem Vorhaben gewachsen sind und etliche an der Herausforderung scheitern. In mehreren Konzerten, die er mit den Düsseldorfer Symphonikern präsentiert und später auf CD veröffentlicht hat, konnte Adam Fischer hingegen mehrfach beweisen, dass er der Aufgabe nicht nur gewachsen ist, sondern sie mit Bravour gemeistert hat.

Seit er Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker ist, sind es zwei große Komponisten, denen er sich in besonderer Weise widmet: Joseph Haydn und Gustav Mahler. Fischers Anspruch ist es, in seiner Musik die Gemeinsamkeiten dieser an sich doch so verschiedenen Komponisten zu zeigen, die der Dirigent beide als Wiener Klassiker sieht. Wenn er es sich laut eigener Aussage zum Ziel gesetzt hat, den Mahler in Haydn und, umgekehrt, den Haydn in Mahler zu zeigen, ist ihm dies, was Mahler betrifft, auch in dieser Einspielung hörbar gelungen. Das Orchester schafft es, von Anfang an ein solches Höchstmaß an Präzision und klanglicher Durchhörbarkeit zu erzeugen, dass ein filigranes Klangnetz gesponnen wird, in dem der Zuhörer bei jedem Hören neue Feinheiten entdecken kann.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung einiger Solisten, die mit künstlerisch virtuoser Spielweise, sauberer Intonation und lebendigem Ausdruck eine Atmosphäre heraufbeschwören, die beim Konzertgänger noch lange nachhallt, und auch ein unvoreingenommener Zuhörer der vorliegenden Aufnahme braucht nicht lange auf dieses Phänomen zu warten. Die berühmte Trompetenfanfare zur Eröffnung des Werkes ist nicht nur ein Markenzeichen der ganzen Sinfonie, sondern dient auch dieser Einspielung als erstes Merkmal ihrer hohen Qualität. Mit nur wenigen, aber umso charakteristischeren Tönen, einerseits leicht abgedämpft und dunkel, andererseits mit gestochener Schärfe und rhythmischer Perfektion, schafft es der Solotrompeter, eine Stimmung zu erzeugen, die es dem Zuhörer sprichwörtlich kalt den Rücken herunterlaufen lässt.

Schönheit jenseits von Sentimentalität

Wenn es um Mahlers Fünfte Sinfonie geht, ist es häufig das Adagietto, das besonderes Interesse findet, zumal es hier extrem unterschiedliche Deutungsansätze gibt. Mit einer Dauer von etwa zehn Minuten rangiert Adam Fischers Interpretation, was das Tempo des Satzes angeht, im mittleren Bereich. Wer die Aufnahme hört, stellt jedoch schnell fest, dass sich der Ausdruck und die Stimmung dieser Musik, die nicht ohne Grund oft als 'Lied ohne Worte' beschrieben wird, nicht allein auf die Tempofrage reduzieren lassen. Angesichts dessen, dass die kürzeste Dauer des Adagiettos bei etwa sieben Minuten liegt, die längste dagegen bei 13 Minuten, könnte man zunächst annehmen, dass Adam Fischer sich für den goldenen Mittelweg entschieden hat, um keine extreme Position einzunehmen. Die tatsächliche klangliche Wirkung unterscheidet sich jedoch enorm von dieser nüchternen theoretischen Überlegung. Fischers Interpretation befreit das Adagietto von jeglichem sentimentalen Ballast und verleiht der Musik einen Ausdruck, der unabhängig von außermusikalischen Bezügen lediglich die Schönheit musikalischer Linienführung hervorhebt, ohne die zweifellos ausgeprägte emotionale Tiefe jemals ins Süßliche oder gar Kitschige abdriften zu lassen. Dass es dem Orchester gelingt, eine Stimmung von Sinnlichkeit zu erzeugen, die weder zu sentimental wirkt noch ihre charakteristische Ruhe verliert, ist ein besonderes Qualitätsmerkmal der vorliegenden Aufnahme.

Gelungene Präsentation von Mahlers sinfonischer Welt

Was das ganze Orchester mit seiner musikalischen Darbietung vollbringt, ist nicht weniger als die Umsetzung dessen, was Mahler als seine Aufgabe betrachtete, wenn er eine Sinfonie schrieb. Wenn es laut seiner Aussage die Pflicht des Komponisten ist, in einer Sinfonie ‚mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufzubauen‘, so muss es der Anspruch des Orchesters sein, den Zuhörer mit allen Mitteln der künstlerischen Interpretation in diese Welt hineinzuführen und ihm ihre Eigenarten und Besonderheiten zu präsentieren. Genau dies gelingt den Düsseldorfer Symphonikern in jedem Satz aufs Neue, wenn sie jede musikalische Linie – sei es im anfänglichen Trauermarsch, in den ausgeprägten Kantilenen des Adagiettos oder in den Passagen fröhlicher Unbeschwertheit und Leichtigkeit – bis ins kleinste Detail ausloten und dem Zuhörer voller Energie und klanglicher Transparenz zugänglich machen.

Zugegeben: Wer eine Aufnahme bevorzugt, in der besonders die Monumentalität des Werkes unter wuchtigen, klanggewaltigen Ausbrüchen zur Geltung kommt, ist vermutlich mit einer anderen Interpretation besser bedient. Wer jedoch Wert darauf legt, Mahlers musikalische Sprache verstehen zu lernen und ihre Schönheit im Detail kennenzulernen, wird genau diese Einspielung zu schätzen wissen und neugierig auf weitere Sinfonien sein. All diese interessierten Zuhörer dürfen beruhigt sein: Die vorliegende im Label Avi-music erschienene Aufnahme aus dem Jahr 2017 bildet erst die vierte CD-Veröffentlichung nach Einspielungen der Ersten, Vierten und Siebten Sinfonie. Da Adam Fischer es sich zum Ziel gesetzt hat, seinen Mahler-Zyklus bis zum Jahr 2020 fortzusetzen, dürfen sich die Zuhörer noch auf einige weitere Interpretationen freuen.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
16.03.2018
Medium:
EAN:

CD
4260085533954


Cover vergössern

CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Dr. Uta Swora zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Vielversprechender Auftakt: Mit der berühmten Fünften Sinfonie haben Osmo Vänskä und das Minnesota Orchestra ihren Mahler-Zyklus eingeleitet – eine inhaltlich durchdachte und musikalisch schlüssige Interpretation. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, 14.05.2018)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag CAvi-music:

  • Zur Kritik... Debussy, vom Zen-Buddhismus her neu gehört: Sheila Arnold gelingt eine hochmusikalische und spannende Aufnahme, in der sie Miniaturen von Debussy in einen Zusammenhang mit Klavierwerken des Japaners Takemitsu und des Amerikaners Cage stellt. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Gesungene Gedichte: André Schuen singt eine Sammlung von Schubertliedern rund um das Thema Wandern sehr natürlich, klar und berührend und wird dabei kompetent unterstützt von Daniel Heide. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Emotional aufgeladen: Ob zupackend im Tango, pulsierend bei Ravel oder melancholisch bei Fauré: Das Flex Ensemble präsentiert sich als ein Klavierquartett mit großer Affinität zu den verschiedensten Spielarten französischer Musik. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von CAvi-music...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Uta Swora:

  • Zur Kritik... Stimmiges Klangporträt: Mit Kompositionen von Schubert und Schumann zeichnen Christian Mattick und Mathias Huth ein musikalisches Aquarell der Romantik, wie es farbenfroher und in sich stimmiger kaum sein könnte. Das Duo beschert dem Zuhörer Kammermusik auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Berauschend: Das Duo imPuls, das die berühmten Präludien Bachs in einem völlig anderen Licht präsentiert, geht mit dieser CD-Veröffentlichung ein revolutionäres Wagnis ein. Wer sich allerdings auf den ungewöhnlichen Klanggenuss einlässt, wird reich belohnt werden. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Klangmalerei am Klavier: Die Klaviermusik von Igor Shamo ist eine bunte Mischung aus impressionistischen, freitonalen, folkloristischen und Jazz-Elementen. Dimitri Tchesnokov versteht es, jede dieser Nuancen kunstvoll und mit viel pianistischem Geschick zu gestalten. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Uta Swora...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Inspiriert: Das United Continuo Ensemble befreit Johann Erasmus Kindermann gemeinsam mit Ina Siedlaczek und Jan Kobow aus seinem Schicksal einer bloß historischen oder papierenen Größe: inspirierte Musik, köstlich gesungen und gespielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Robert Kahn: Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Andante sostenuto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich