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Mittwoch, 21. November 2018

Frederike Starkloff spielt Eugene Ysaye und Wolfgang Marschner - Violinduos

Gleichgesinnte Meisterschaft


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Temperamentvoll, hochvirtuos und leidenschaftlich: Auf ihrer CD 'Violin Duos' präsentieren sich mit Myvany Ella Penny und Friederike Starkloff zwei hervorragende Geigerinnen mit Werken von Eugène Ysaӱe und Wolfgang Marschner.

Bei dem Namen des belgischen Komponisten und Violinvirtuosen Eugène Ysaӱe denkt man natürlich in erster Linie an dessen sechs berühmte Sonaten für Violine solo, die besonders wegen ihrer hohen technischen Schwierigkeit sowohl zu den anspruchsvollsten als auch zu den ‚Must-Haves‘ im Repertoire eines jeden Geigers zählen. Im Gegensatz dazu konnte sich Ysaӱes 'Sonate pour deux violons seuls' op. posth. nie etablieren und wurde zu Lebzeiten des Virtuosen nicht aufgeführt. Um die mangelnde Bekanntheit der Sonate ist es nicht nur besonders schade, weil es sich um ein spannendes und ungewöhnliches Stück handelt, sondern vor allem wegen der kompositorischen Geschicklichkeit, mit der Ysaӱe den beiden Violinen zu einer vielstimmigen Tonfülle verhalf: Mit Akkorden, Doppelgriffen und Arpeggien und durch ein besonderes Augenmerk auf das tiefe Register schöpfte der Komponist die klanglichen Möglichkeiten der beiden Geigen voll aus. So entsteht mitunter der Eindruck, man lausche nicht einem Duo, sondern einem ganzen Streichquartett. Ansonsten kann man in dem dreisätzigen Werk eindeutig Ysaӱes Klangsprache wiedererkennen. Wie bei den Solosonaten, liegen auch hier Elemente des Barock und der Klassik zugrunde, die aber von Passagen am Rande der Tonalität und furiosen Kadenzen durchbrochen werden.

Die beiden Instrumentalstimmen sind absolut gleichberechtigt und stehen einander in nichts nach, wenn es um die Schwierigkeit geht. Doch die beiden Interpretinnen Myvany Ella Penny und Friederike Starkloff geben sich nicht die geringste Blöße. Beide haben eine äußerst zupackende und energetische Spielweise, beide haben einen kräftigen, wunderbar wandlungsfähigen Ton. Die beiden jungen Violinistinnen harmonieren klanglich so gut miteinander, dass – abgesehen von den polyphonen Passagen – der Eindruck entsteht, sie seien nicht zwei, sondern ein einziger Musiker. Man wird als Zuhörer quasi mitgerissen in den Sog leidenschaftlicher Ausbrüche und geheimnisvoller lyrischer Phrasen, nur um dann wieder von der nächsten turbulenten Kadenz begeistert zu werden.

Bestens aufeinander abgestimmt

Dieses so gut aufeinander abgestimmte Spiel liegt sicher teilweise am Werdegang der beiden Künstlerinnen: Starkloff und Penny wurden bereits im frühen Kindesalter als Stipendiaten in die Pflüger-Stiftung in Freiburg aufgenommen und erhielten Unterricht bei Wolfgang Marschner und Ariane Mathäus. Die erst 28-jährige Friederike Starkloff studierte anschließend in Freiburg und ist heute bereits Erste Konzertmeisterin der NDR Radiophilharmonie. Myvany Ella Penny schloss ihr Studium in Berlin ab und widmete sich seither u.a. der Entwicklung ihrer eigenen Violinschule. Die 34-Jährige hat sich künstlerisch vor allem der zeitgenössischen Musik verschrieben.

Die 2017 bei Coviello Classics erschienene CD 'Violin Duos' enstand in intensivem Austausch mit ihrem ehemaligen Mentor und Lehrer, Wolfgang Marschner, der zugleich auch der Komponist der übrigen Titel auf dem Tonträger ist. Bei den 'Sinfonischen Variationen für zwei Violinen' handelt es sich um eine Ersteinspielung, die Uraufführung fand 2016 ebenfalls durch das Duo Penny-Starkloff statt. Mit 'Drei Bagatellen für zwei Violinen' wagte der 1926 geborene Wolfgang Marschner etwas, wovor viele zeitgenössische Komponisten zurückschrecken: Die drei Stücke basieren auf den Gesellschaftstänzen Tango, Rumba und Slow Fox, auch jazzartige Elemente sind deutlich erkennbar. Im Gegensatz zu den übrigen Duos auf der CD liegt hier eine Aufteilung in Solo- und Begleitstimme vor, die zwar zwischen den Instrumenten wechselt, grundsätzlich aber immer gegenwärtig ist. Was im Booklet als ‚reizvolle kleine Preziosen‘ bezeichnet wird, steht an der Grenze zur Unterhaltungsmusik und wirkt stellenweise recht banal. Starkloff und Penny geben den Bagatellen jedoch eine eigene Note, indem sie auch diesmal wieder überaus engagiert und mit sonorem, vollem Ton musizieren. Was die Komposition an sich vielleicht nicht unbedingt hergibt, gestalten die beiden durch klangliche Intensität, energisches Vibrato und elegante Verspieltheit bei technisch anspruchsvollen Stellen zu einem nicht besonders ungewöhnlichen, aber auch keinesfalls reizlosen Hörerlebnis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Frederike Starkloff spielt Eugene Ysaye und Wolfgang Marschner: Violinduos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
03.03.2017
EAN:

4039956917069


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

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Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

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