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Mittwoch, 20. Juni 2018

Samuel Scheidt: Cantiones Sacrae - Motetten

Scheidt in Perspektive


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Athesinus Consort fügt seiner farbigen Diskografie eine hervorragende Platte mit Werken von Scheidt und Schwemmer hinzu.

Es ist richtig, dass Samuel Scheidts Vokalwerke im Vergleich mit denen seiner Generationsgenossen Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein weit weniger Teil der gegenwärtigen Rezeption sind. Gewiss, es gibt Aufnahmen von Motetten mit Lionel Meuniers Ensemble Vox Luminis und Roland Wilsons Capella Ducale, dazu jüngst Geistliche Konzerte mit Knut Schoch und I Sonatori, sämtlich von hoher Qualität und mit klaren Plädoyers für Scheidts Musik. Doch ist das kein Vergleich zur Präsenz der beiden Kollegen. Vor allem Schütz überragt alles. Und nebenbei: Scheidt ist in der Wahrnehmung der Gegenwart vor allem ein Orgel- und Instrumentalkomponist, davon zeugt eine größere Zahl an Einspielungen. All das ist sicher richtig. Nur: Scheidt konnte auch Vokalmusik.

Das unterstreicht die neue Platte des von Klaus-Martin Bresgott geleiteten Athesinus Consorts Berlin. Kern des Programms sind doppelchörige Motetten aus der 1620 gedruckten Sammlung 'Cantiones Sacrae' – 38 sind es im Druck, 17 erklingen hier, etliche davon das erste Mal auf CD. Textgrundlage und tragende Inspiration sind Psalmen und lutherische Lieder. Es ist eine Doppelchörigkeit in verschiedener Konstellation: Einerseits geradezu klassisch mit zwei gleichmäßig besetzten Chören aus Sopran, Alt, Tenor und Bass. Und dann eine hochattraktive Variante von kontrastierendem Hoch- und Tiefchor – ersterer mit zwei Sopranen, Alt und Tenor besetzt, letzterer mit Alt, Tenor und zwei Bässen. Gerade diese Konstellation ist von einigem Reiz, bildet scharf profilierte Klangwirkungen heraus, scheint oft geradezu architektonisch empfunden, wie Klaus-Martin Bresgott in seinem instruktiven Booklet-Text zu Recht anmerkt. Der in dieser Besetzung fast naturgemäß große Ambitus, den Scheidt seine Vokalisten durchmessen lässt, ist zweifellos herausfordernd mit Blick auf den reibungslosen Zusammenklang im Ensemble.

Als zusätzlichen Kontrast fügt Bresgott eine zweiteilige Arbeit des 1961 geborenen Komponisten Frank Schwemmer ein, dem das Athesinus Consort vor einigen Jahren unter dem Titel ‚Perlmuttfalter‘ eine eigene Platte gewidmet hatte. Schwemmers Musik auf Texte aus dem Hohelied und den Sprüchen Salomos entfaltet ein attraktives Gewebe, mit deutlich solistischem Anspruch an die zehn Vokalstimmen und hohen Anforderungen an deren wache Interaktivität. Auch diese sprachgezeugte Musik ist ungemein textsensibel, zugleich lyrisch schön, mit expressiven Steigerungen, im zweiten Teil der Motette auch mit erheblichen Klangballungen. Voran- und nachgestellt sind den vokalen Teilen knappe Miniaturen für Violoncello.

Hervorragende Interpretation

Das Athesinus Consort ist eine Solistenvereinigung von Rang, versiert in beiderlei Repertoire. Zugute kommt dem Ensemble seine stilistische Flexibilität: Neben Scheidt und Schwemmer sind auch schon Lechner und Distler in der Diskografie verzeichnet. Auch schlugen die Beteiligung an der Platte 'Luthers Lieder' sowie eine entzückende Weihnachtsplatte im Rahmen des Lieder-Projekts beim Carus-Verlag positiv zu Buche. Ein ungemein zarter Ensembleklang steht im Vordergrund: luzide, in klaren Strukturen, fein abschattiert, edel von innen leuchtend – manchmal etwas introspektiv, wie es Scheidts nicht auf äußeres Prunken ausgerichteter Musik gut ansteht.

Die Vokalisten verlebendigen auch einfachere responsoriale Abfolgen durch reiche Nuancierungskunst. Die Intonation ist makellos, wird linear von allen Beteiligten mit solistischer Qualität getragen und mitgeprägt. Dazu kommen wunderbar ausgehörte Akkorde, oft in weitester Lage oder raschem Wechsel der Chöre – all das ohne Fehl und Tadel. Die Textverständlichkeit ist hervorragend, wirkt dabei ausnehmend natürlich, in allen Stimmen gleichermaßen. Aus dieser plastischen Sprachgestalt wird ein höchst lebendiges Gewebe entfaltet, fern aller Blockhaftigkeit, in der Doppelchörigkeit dieser Epoche auch interpretiert werden könnte. Bei Frank Schwemmers Komposition sind die Klarheit des Ansatzes, das harmonische Verständnis insgesamt und die individuelle Durchdringung des durchaus heiklen Satzes hervorzuheben. Das Klangbild ist klar und plastisch, sehr luftig disponiert; diese Produktion enthält keine überflüssige Schlacken. Dazu ist der Ensembleklang glücklich in den Raum gestellt. Eine technische Präsentation, die den Stärken von Musik und Ensemble gleichermaßen gerecht wird.

Das Athesinus Consort bewegt sich immer in interessantem Repertoire, maßgeblich dem breiten Interesse Klaus-Martin Bresgotts folgend. Nicht an Epochen gebunden, hat sich eine eigentümlich farbige Diskografie ergeben: Die aktuelle Platte mit Scheidt und Schwemmer steht würdig in dieser Reihe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Samuel Scheidt: Cantiones Sacrae: Motetten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Carus
1
02.03.2018
2017
EAN:

4009350834880


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Scheidt, Samuel
Schwemmer, Frank


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"Der Hallenser Komponist Samuel Scheidt (1587–1654) zählt zu den wichtigsten Komponisten des 17. Jahrhunderts. Dennoch sind viele seiner Werke heute weniger bekannt als die seiner berühmten Zeitgenossen Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz. Sehr zu Unrecht, wie diese Einspielung des Athesinus Consort Berlin unter Leitung von Klaus-Martin Bresgott beweist. Die zahlreichen Motetten aus Scheidts Sammlung Cantiones Sacrae – viele davon hier zum ersten Mal auf CD eingespielt – werden ergänzt durch die zeitgenössische Komposition Die Stimme meines Freundes, eine Motette nach Texten des Hoheliedes und der Sprüche Salomos von Frank Schwemmer (*1961). "


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Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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