> > > Black is the Colour: Werke von Berio, Ravel und de Falla
Montag, 17. Dezember 2018

Black is the Colour - Werke von Berio, Ravel und de Falla

Stimmwunder


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Mezzosopranistin Anna Stéphany holt sich mit dem Labyrinth Ensemble tatkräftige und kompetente Unterstützung für ihr ungewöhnliches Liedprojekt.

Mit viel Neugier und einem offenen Blick für andere Kulturen hat die englisch-französische Mezzosopranistin Anna Stéphany ein neues Kunstliedprojekt zusammengestellt, das eine große Anzahl außergewöhnlicher Lieder auf einem Tonträger verewigt. Für Stéphany ist 'Black Is the Colour' bereits ihre sechste CD-Veröffentlichung. Als musikalischer Partner begleitet sie das Labyrinth Ensemble, das mit diesem bei Alpha Classics erschienenen Album gleichzeitig sein Debüt präsentiert. Bereits die Auswahl der Lieder liest sich exotisch: Luciano Berio, Maurice Ravel und Manuel de Falla reichen sich die Hand mit einer Auswahl einprägsamer Liedkompositionen. Von Berio erklingt ein Zyklus aus elf 'Folk Songs', darunter auch das titelgebende amerikanische 'Black Is the Colour'. Ravel steuert u. a. seine bildgewaltigen 'Histoires naturelles' bei, hier allerdings in einem neuen Arrangement von Arthur Lavandier. Das poetische 'Psyché' de Fallas beschließt das Programm.

Anna Stéphany zeigt sich auf ihrem neuen Album wunderbar vielseitig – und das muss sie auch sein bei dieser anspruchsvollen Werkauswahl. Bereits in Berios 'Folk Songs' lässt sie keinen Moment der Langeweile aufkommen. Die volkstümlichen Lieder aus den verschiedensten Ländern der Erde waren der Ausgangspunkt für das gesamte Programm. Stéphanys dunkle, warme Stimme haucht 'Lo fiolaire' aus der Auvergne ebenso Leben ein wie dem amerikanischen 'I Wonder as I Wander'. Ihre Vielseitigkeit begeistert in diesem Zyklus besonders durch die von Lied zu Lied variierenden Gesangstechniken, auch wenn sie ihren opernhaften Anklang nie ganz aufgibt. 'A la femminisca' aus Sizilien intoniert sie dennoch rau und mit vibrierender Stimme, das armenische 'Loosing yelav' gestaltet sie dagegen zart und durchsichtig. Die Sängerin hat hörbar Spaß dabei, sich in jedem Lied von einer völlig anderen Seite zu zeigen.

Einzigartige Charaktere

Das Labyrinth Ensemble übernimmt besonders bei den 'Folk Songs' eine selbstständige Instrumentalbegleitung, die jedem Lied einen einzigartigen Charakter gibt. Statt bloßer Begleitung ist sie ein tragendes Element, um die richtige Stimmung zu erzeugen. Seinen großen Solo-Moment hat das Ensemble in Maurice Ravels 'Introduction et Allegro' in der Form eines kleinen Harfenkonzerts für Streichquartett, Flöte und Harfe. Hier zeigen sich die Musiker aufs Neue äußerst beweglich und erarbeiten mit sanfter Dynamik eine transparente Struktur, ohne dass es der Musik an Farbigkeit fehlt. Neugierig und forschend lassen sie der ausgezeichneten Julie Palloc an der Harfe dabei viel Raum zur Gestaltung.

Ravels 'Histoires naturelles' sind eine Vertonung von fünf Gedichten des französischen Schriftstellers Jules Renards. In diesen zeichnet er mit leichter Ironie verschiedene Tierportraits, die der Komponist musikalisch in Szene gesetzt hat. Die Musik folgt dem Rhythmus des Textes und ist demzufolge eng an die Sprache gebunden. Für diesen Parlando-Stil legt Stéphany den Fokus ganz auf die theatralische Ausgestaltung des Textes, sodass die Bilder vor dem inneren Auge des Hörers lebendig werden (vorausgesetzt, er besitzt die entsprechenden Französischkenntnisse oder wirft einen dankbaren Blick in die Übersetzung des Booklets). Das Ensemble passt sich stets an und ist ebenso unruhig, bewegt sich so bedächtig oder gackert so aufgeregt wie die Erzählerin. Statt mit überbordender Virtuosität besticht Stéphany hier mit einem fein akzentuierten, natürlich fließenden Vortrag. Für de Fallas beschließendes 'Psyché' wechselt sie wiederum in einen perlenden Gesangstil und setzt wunderschöne melodische Bögen.

'Black Is the Colour' ist ein gut durchdachtes Album mit einem in sich stimmigen Programm. Die ausgewählten Lieder sind selten auf den Konzertbühnen zu hören. Anna Stéphanys Stimme ist reich an Schattierungen und besitzt eine eindringliche Präsenz, die sie spielerisch zu nutzen weiß. Im Zusammenspiel mit dem wunderbaren Labyrinth Ensemble ergibt sich knapp eine Stunde Hörgenuss vom Feinsten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Black is the Colour: Werke von Berio, Ravel und de Falla

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
08.01.2018
EAN:

3760014193842


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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