> > > Sterkel, Johann Franz Xaver: Violinsonaten
Montag, 3. August 2020

Sterkel, Johann Franz Xaver - Violinsonaten

Nicht-Wiener Klassiker


Label/Verlag: Ramée
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fast jeder Mozart-Zeitgenosse hat es schwer. Johann Franz Sterkel wird in den letzten Jahren stärker erkundet – mit immer wieder überzeugenden Ergebnissen.

Fast jeder Mozart-Zeitgenosse hat es schwer. Johann Franz Sterkel (1750–1817), von Beethoven, Weber und anderen hochgeschätzt, wird in den letzten Jahren stärker erkundet, mit immer wieder überzeugenden Ergebnissen. Die hier vorliegenden drei Sonaten op. 25, op. 33 Nr. 1 und 3 für Violine und Cembalo oder Pianoforte, dazu die Romanze F-Dur op. 24 Nr. 3 sowie die Fantasie a-Moll op. 45 für Pianoforte zeigen einen Komponisten, dessen Werke man durchaus auch einem Mozart unterschieben könnte. Die Opera 24 und 25 wurden 1785/86 im Druck vorgelegt, die Sonaten op. 33 im Jahr 1792, während die Fantasie (in unterschiedlichen Versionen) 1811 bzw, 1817 veröffentlicht wurde. Auch außerhalb des deutschsprachigen Raums hatte Sterkels Musik Erfolg, und die Konzentration auf einige wenige Komponisten zeigt hier einmal mehr, wie ungerecht der Musikmarkt häufig sein kann. Sterkel schuf mehr als 700 Werke, und bis man sich ansatzweise einen Eindruck seiner Fähigkeiten erlauben kann, wird es noch viele sehr engagierte Musiker brauchen.

Engagierte Musiker sind hier am Werk, die Geigerin Meret Lüthi und die Pianistin Els Biesemans. Beide Musiker wissen mit historischen Instrumenten (Lüthi spielt ein Testore-Instrument aus dem frühen 19. Jahrhundert, Biesemans einen McNulty-Nachbau eines Walter-Hammerflügels von 1805) und entsprechenden Spielweisen schlafwandlerisch umzugehen, sie verlebendigen die Musik kongenial, ohne Manierismen und Gewolltheiten, mit Geschmack und genügender, aber nicht übertriebener Expression. Gerade die langsamen Sätze werden wohltuend nicht überfrachtet, sondern lassen der musikalischen Entwicklung ihr natürliches Recht. Hierbei ist auffallend, wie tief zumeist der Violinpart liegt oder zu liegen scheint – eine Wohltat für das Ohr nach zahlreichen im Kammerton ‚hochgeschraubten‘ Einspielungen zeitgenössischer Mozart- oder Beethoven-Werke. Auch die beiden Solowerke interpretiert Biesemans unaufdringlich und mit klarem Formverständnis. Gesamtergebnis sind im besten Sinne intime, den Werken und ihrem Schöpfer dienende Interpretationen, die es nicht nötig haben, irgendwem etwas zu beweisen und gerade dadurch überzeugen. Die 2017 in Zürich entstandenen Aufnahmen (Ramée) fangen die Instrumente und die Werke in großer Klarheit und angenehm warmer Akustik ein, die Produktion ist bestens vorbereitet und lässt kaum eine Kritik an historischen Instrumenten oder historisch informierte Spielweisen zu. Auch mit Blick auf das Booklet lässt sich die Produktion nicht anders als vorbildlich bezeichnen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Sterkel, Johann Franz Xaver: Violinsonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ramée
1
02.03.2018
Medium:
EAN:

CD
4250128517010


Cover vergössern

Ramée

Das Label RAMÉE wurde im Jahre 2004 von Rainer Arndt gegründet.
In den ersten vier Jahren seiner Existenz hat sich RAMÉE bereits als eine vielbeachtete Marke am CD-Markt der Alten Musik etabliert. Etliche Veröffentlichungen des noch kleinen Katalogs haben das Lob von Fachpresse und Publikum gefunden und sind mit Preisen prämiert worden. Sechs bis acht »handverlesene« Produktionen pro Jahr des Ein-Mann-Betriebes konzentrieren sich vor allem auf selten oder noch nicht eingespielte Literatur der Alten Musik oder auf bekanntere Werke in neuen und ungewöhnlichen Interpretationen.
Dabei werden nicht nur höchste Ansprüche an die Aufnahme selbst gestellt, sondern ebenso an die graphischen und taktilen Eigenschaften der Hülle sowie an die literarische und wissenschaftliche Qualität des Textheftes: RAMÉE-CDs sollen poetische Objekte als Ganzes sein, denn das Vergnügen des Ohres ist untrennbar mit dem des Auges und der Hand verbunden. Eine Edition für anspruchsvolle Liebhaber guter Musik!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Ramée:

  • Zur Kritik... Gelungene Transkriptionen: Dass Johann Sebastian Bachs Musik durch Bearbeitungen nicht kaputtzukriegen ist, hat sich seit Jahren herumgesprochen. Das Cellini Consort hat nun eine Version für drei Gamben erstellt – durchaus erfolgreich. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Ohne Bettler und Räuber: 'Venus and Adonis' von Johann Christoph Pepusch liegt hier in einer vokal und instrumental sehr ansprechenden Einspielung vor. Einige vokale Beiträge sind geradezu hinreißend. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nicht nur etwas für Freunde der Gambe: Ein überzeugendes Plädoyer für den großen Gambisten Marin Marais. Weiter...
    (Christian Starke, )
blättern

Alle Kritiken von Ramée...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Einfachheit als Prinzip: Der Geist des Singens bewahrt den Menschen davor, zur Maschine zu werden - dieses Postulat bestimmt den Duktus der Werke von Zoltán Kodály für sein Lieblingsinstrument, das Cello. Julian Steckel geht diesem Phänomen auf den Grund. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Charakterzeichner: Makellos im Ansatz und Spiel, versteht sich das Saxophon-Quartett sonic.art auf zeitgenössische Musik voller Situationskomik. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Hammerklavier mal anders: Das Leipziger Streichquartett lässt mit transkribierten Raritäten aufhorchen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Carl Reinecke: Symphony No.1 op. 79 in A major - Andante

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich