> > > Eberl, Anton: Konzert für zwei Klaviere und Orrchester
Donnerstag, 13. August 2020

Eberl, Anton - Konzert für zwei Klaviere und Orrchester

Harmonisches Duo


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Kölner Akademie gräbt einmal mehr interessantes Repertoire aus.

Für unbekanntes Repertoire der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Deutschland auf historisch informiertem Sektor Concerto Köln immer wieder eine bekannte Größe (das Ensemble hat die Sinfonien Eberls eingespielt). Diese löbliche Aufgabe hat nun die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens übernommen, im vorliegenden Fall bei drei Werken des Mozart- und Beethoven-Zeitgenossen Anton Eberl (1765–1807). Obschon unter anderem in Sankt Petersburg und Wien nicht ganz erfolglos, gelang es Eberl, der möglicherweise Schüler Mozarts gewesen war, hie wie dort nicht, eine Stelle an einem Fürstenhof zu erlangen. Angewiesen auf Erfolge in Wien und anderswo, starb er erst 42-jährig in Wien.

Während Eberls Opern zeitlebens nicht für Furore sorgten, profilierte sich der Pianist und Komponist ausgesprochen als Schöpfer von Instrumentalmusik. Sein Klavierquartett C-Dur op. 18 erhielt glänzende Besprechungen neben Beethovens op. 16, und auch mit seinen Sinfonien und dem Klavierkonzert Es-Dur op. 40 feierte er Erfolge. Die beiden Sonaten C-Dur und F-Dur op. 7 für Klavier vierhändig entstanden während Eberls erster Sankt Petersburger Zeit und erschienen 1797 im Druck. In ihnen erweist sich Eberl als kongenialer Zeitgenosse Mozarts, vielleicht ohne die ganz eigene Stimme Cimarosas, doch mit eigenen Einfällen in Sachen harmonische Wendungen und ausgesprochen glücklich in der Verteilung des Notenmaterials auf die beiden Pianisten. Die zweite Sonate ist musikalisch etwas anspruchsvoller als die erste, deren langsamer Satz eher Einleitung zum Schlussrondo denn eigenständiger Satz ist. Paolo Giacometti und Riko Fukuda harmonieren auf einem Hammerflügel von Matthias Müller (Wien um 1810, Sammlung Beunk) bestens miteinander, einem Instrument von ausgesprochen ausgeglichenem, warmem und ansprechendem Klangcharakter, bestens präpariert und gestimmt, so dass die Kompositionen unmittelbar äußerst angenehm zum Hörer sprechen können. Die dichtere Textur der zweiten Sonate bieten sie ebenso überzeugend dar wie den divertimento-spielerischen Charakter der ersten Sonate.

Das Konzert B-Dur op. 45 für zwei Klaviere und Orchester entstand 1803 und erlebte mehrere Aufführungen mit dem Komponisten am Klavier. Frühromantische Momente sind in dem Werk bereits unüberhörbar, gleichzeitig seine Verwurzelung in der Wiener Klassik. Der stark konzertante Zug auch der Bläseranteile weist in die Richtung der konzertanten Sinfonien der damaligen Zeit. Auch hier bietet Eberl immer wieder harmonische und modulatorische Überraschungen (im Booklettext ausführlich mitgeteilt). Reverenzen an Mozart und Beethoven sind ebenso zu spüren wie ein Bewusstsein für die neuen Tendenzen etwa in Italien. Dennoch gelingt es Eberl immer wieder, sich erfolgreich von etwaen Einflüssen ‚freizuschwimmen‘ und in dem umfangreichen Werk seine eigene Stimme zum Tragen zu bringen. In dieser Produktion beeindruckt die sorgsame Balance zwischen den beiden durchaus unterschiedlichen Hammerflügeln (neben dem genannten ein Instrument von Michael Rosenberger, Wien um 1800) und dem Orchester. Die Vielfalt der Klangcharaktere verleiht der Interpretation, die Michael Alexander Willens in geboten entspanntem Tempo sich entfalten lässt, einen ganz besonderen Reiz, die klar getrennte Platzierung der beiden Soloinstrumente führt zu einem starken räumlichen Effekt, der sich auch im Stereoklang überzeugend mitteilt.

Die teilweise schon recht alten Produktionen des Deutschlandfunks (das Konzert wurde gleichzeitig mit den beiden Solokonzerten 2008 eingespielt, die schon 2011 auf cpo veröffentlicht wurdn, die Sonaten 2011) sind aufnahmetechnisch rundum gelungen, und wenn es am Booklet etwas zu beanstanden gäbe, dann nur, dass ein Porträtbild des Komponisten fehlt (vielleicht gibt es keins) und dass man nach den Tonarten der Werke etwas suchen muss. Nun ist nur zu hoffen, dass die Überschau auf die Hauptwerke Eberls auch vollständig gelingt (das Klavierquartett fehlt noch).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Eberl, Anton: Konzert für zwei Klaviere und Orrchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
22.02.2018
Medium:
EAN:

CD
761203773329


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Unbekannter Norweger: Der in Deutschland fast gänzlich unbekannte Norweger David Monrad Johansen überrascht durch seine Biografie wie durch die Dichte seiner Kompositionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Virtuose Höhenflüge: Michael Korstick unterstreicht seine hohe Liszt-Kompetenz. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Kroatische Musiktragödie: Die kroatische Nationaloper 'Nikola Subic-Zrinjski' entfaltet auch außerhalb des Landes ihre musikalische Wirkung. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... So duftet Venedig: Artemandoline und Núria Rial erkunden in einer aufnahmetechnisch nicht unproblematischen Produktion unbekanntere musikalische Aspekte der Lagunenstadt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Unbekannter Norweger: Der in Deutschland fast gänzlich unbekannte Norweger David Monrad Johansen überrascht durch seine Biografie wie durch die Dichte seiner Kompositionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sensuell und kraftvoll: Die Violinkonzerte von Fritz Leitermeyer und Dieter Acker sind zentrale Beiträge zur Ferenc-Kiss-Diskografie. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Unbekannter Norweger: Der in Deutschland fast gänzlich unbekannte Norweger David Monrad Johansen überrascht durch seine Biografie wie durch die Dichte seiner Kompositionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... In Oktaven: Zweifellos ein delikates Klangexperiment voller Reiz, das Giuliano Carmignola und Marco Brunello hier unternommen haben: Vivaldi und Bach kann man unbedingt so spielen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich