> > > Gedankenverloren: Lieder von Schubert, Krenek, Strauss, Trojahn u.a.
Samstag, 30. Mai 2020

Gedankenverloren - Lieder von Schubert, Krenek, Strauss, Trojahn u.a.

Jenseits der Routine


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vielfalt und programmatischer Wagemut kennzeichnen die Debüt-CD der jungen Sängeirin Katharina Konradi.

Katharina Konradi, die Preisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbs 2016, legt mit ihrer Debüt-CD eine klug durchdachte, weit von etwaiger Routine entfernte Produktion vor, die durch Vielfalt und programmatischen Wagemut überzeugt. Schumann und Strauss spannen ein weites Feld auf, mit Debussy und Rachmaninoff als weiteren strukturierenden Fixpunkten. Von Schubert sind es keineswegs die ‚Schlager‘, mit denen sich Konradi zufrieden gibt – 'Nacht und Träume' D 827, 'Heimliches Lieben' D 922 und 'Frühlingsglaube' D 686 machen es der Sängerin nicht leicht. Gerade das erstgenannte Lied (aber auch Richard Strauss 'Rosenband' op. 36/1) fordert extrem saubere Linienführung, und hier sind immer wieder Unsicherheiten deutlich wahrzunehmen. Auch ist die Vokalfärbung der Sopranistin nicht immer intentionell, sondern ergibt sich teilweise etwas unkontrolliert. Konradis Stimme ähnelt in gewissen Tönen einer lyrischen Variante Edita Gruberovás, mit feinen dynamischen Schattierungen und gutem Timing-Gespür. Wenn man dennoch nicht rundum glücklich sein kann, so liegt das an dem angedeuteten Stimmtimbre, das der Wortverständlichkeit immer wieder entgegensteht. Eine monochrome Komponente in der Stimme führt beim Zuhören etwas zur Ermüdung, die vokale Phantasie ‚hebt (noch) nicht ab‘, führt eher in statisch-elegische denn emotional mitreißende Gefilde. Auch die vokalen Unsicherheiten – in Konradis jugendlichem Alter sollte es noch keine Vibratoprobleme geben – beeinträchtigen immer wieder den Genuss.

Bedauerliche Vokalverfärbungen

In Strauss‘ 'Morgen!' op. 27/4 scheint sich die Sängerin deutlich wohler zu fühlen, auch wenn auch hier die Spitzentöne nicht wirklich frei wirken. Auch drei Lieder von Lori Laitman für Singstimme und Klarinette zeigen das ‚Wohlfühlrepertoire‘ der Sängerin – der Verzicht auf hohe Spitzentöne tut ihrer Interpretation gut, auch die amerikanische Sprache liegt ihr gut ‚in der Kehle‘. Abermals etwas zu unstet geraten die französischen Lieder von Debussy ('Apparition', 'Claire de lune' und 'Romance') und Lili Boulanger ('Au pied de mon lit' und 'Vous m‘avez regardé avec toute votre âme'), wohl mit einem Ausdrucksbedürfnis, das aber nicht ausschließlich aus der Musik selbst kommt, sondern auf diese ‚draufgesetzt‘ wird. Die Textbehandlung von drei Rachmaninoff-Liedern opp. 26/10, 21/7 und 38/5 gerät eher zur Nebensache – die Liebkosung der Melodie scheint vor der Textausdeutung Vorrang zu haben. Der deutschsprachige Teil der CD wird komplettiert durch zwei Lieder von Manfred Trojahn und den drei Liedern 'Ô Lacrimosa'op. 48 von Ernst Krenek; auch hier beeinträchtigen die Vokalverfärbungen immer wieder die musikalische Gestaltung – höchst bedauerlich nicht nur angesichts des raren Repertoires, sondern auch angesichts Gerold Hubers professionell-routiniertem Klavierpart.

Wie bei einem Tonträger-Debüt häufig, fehlen jedwede Informationen zu den einzelnen Lieder, stattdessen gibt es ein ausführliches Interview mit der aus Kirgisistan stammenden Sängerin – mit teilweise eher banalen, teilweise erhellenden Einlassungen. Besonderer Bonus im Booklet sind die Liedtexte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gedankenverloren: Lieder von Schubert, Krenek, Strauss, Trojahn u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
02.03.2018
Medium:
EAN:

CD
4260036254907


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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