> > > Russian Piano Concertos: Werke von Lyapunov, Rubinstein, Medtner, Kabalevsky, Bortkiewicz u.a.
Sonntag, 27. Mai 2018

Russian Piano Concertos - Werke von Lyapunov, Rubinstein, Medtner, Kabalevsky, Bortkiewicz u.a.

Russisches für Neugierige


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwar hinterlassen einige Aufnahmen einen nur mäßigen bis schwachen Eindruck, doch für Neugierige ist diese Box aufgrund der vielen unbekannten Konzerte interessant. Zudem enthält sie einige echte Schätze.

Auf CD 1 dieser neuen Box von Brilliant classics: Drei Konzerte von Sergej Ljapunow, dem man ja doch eher selten begegnet. Seine Konzerte allerdings muss man gehört haben: Ljapunow, selbst Pianist, wusste genau, wie man für Klavier schreibt, und bietet seinem Interpreten daher reichlich Virtuosenfutter, außerdem sind seine Werke aber voll eingängiger und auch lyrischer Themen, es gibt viele Soli im Orchestersatz. Man würde sich diese Konzerte auch mal hin und wieder im Konzertbetrieb wünschen. Es handelt sich hier um Aufnahmen von 2008 mit Shorena Tsintsabadze am Klavier und Dmitri Jablonskij am Pult des Russian Philharmonic Orchestra. Nicht so elegant wie die Einspielung von Hamish Milne und Martyn Brabbins (Die große Hyperion-Reihe 'The Romantic Piano-Concerto', Folge 30), dafür in vielem deutlicher und transparenter.

Dass die Kiste (15 CDs) ausgerechnet mit Ljapunow eröffnet wird, passt ganz gut, denn wie man erwarten konnte, sind längst nicht nur die großen Namen vertreten, also die Konzerte von Tschaikowsky, Rachmaninow, Prokofjew und Schostakowitsch (von denen sind nämlich nicht einmal alle Konzerte enthalten), sondern einiges, was selbst vielen Kennern kaum bekannt sind dürfte. 21 Komponisten und 33 Werke insgesamt, und leicht könnte man vermutlich noch einmal die gleiche Anzahl dazu legen. Eine gewisse Anzahl von Überschneidungen gibt es natürlich zu einer älteren Brilliant-Box mit 40 CDs mit romantischen Klavierkonzerten, so zum Beispiel auch schon bei Ljapunow. Dessen 'Ukrainische Rhapsodie' ist in beiden Kisten enthalten, in der neuen sogar gleich zweimal. Zusätzlich zu der Aufnahme mit Michael Ponti aus der älteren Box hier auch mit Shorena Tsintsabadze. Der Vergleich ist spannend: Pontis Aufnahmen, inzwischen über 40 Jahre alt, sind zwar in klanglicher Hinsicht nicht mehr ganz konkurrenzfähig und, was die Orchesterbegleitung angeht, auch beileibe nicht immer perfekt, dafür aber von einem umwerfenden Temperament, das Shorena Tsintsabadze nicht erreicht. Einige weitere Ponti-Aufnahmen sind enthalten – Doppelungen zwar zu jener anderen Brilliant-Box, aber eben mitreißende Aufnahmen. So ist in seiner Interpretation zum Beispiel ein grandioses Konzert von Ljapunows Lehrer und Freund Mili Balakirew oder ein ebenfalls äußerst ansprechendes Werk von Moritz Mozskowski enthalten, Letzteres gemeinsam mit einem Konzert von Franz Xaver Scharwenka auf einer CD, die einen kleinen Exkurs nach Polen unternimmt. Auf einer weiteren Platte sind mit Ponti zwei Werke Anton Rubinsteins zu entdecken, ferner spielt er noch das dritte Konzert Nikolaj Medtners sowie das von Alexander Skrjabin.

Uneinheitliches Niveau

Wie so häufig bei Brilliant-Boxen mit verschiedenen Interpreten ist das Niveau durchaus uneinheitlich. Sind alle bisher erwähnten Aufnahmen als gelungen, teilweise sogar als hervorragend anzusehen, so gibt es leider auch jede Menge Mittelmaß. Die Einspielungen der ersten drei Konzerte von Dmitri Kabalewski gehören zum Beispiel leider zu den weniger überzeugenden. Auch hier dirigiert Dmitri Jablonski das Russian Philharmonic Orchestra, am Klavier ist In-Ju Ban (Nr. 1 und 2) bzw. Hsin-Ni Liu. Die Aufnahmen sind zwar sauber und präzise, aber über weite Strecken ziemlich nichtssagend und matt, zudem auch klanglich ohne Glanz aufgenommen. Das Dritte Konzert ist immerhin schon etwas überzeugender als die ersten beiden, ebenso das cis-moll Konzert von Rimsky-Korsakow mit denselben Musikern. Mäßig sind leider auch die Konzerte 1 und 2 von Tschaikowsky mit dem St. Petersburg Philharmonic Orchestra unter Paul Freemann und Derek Han als Solist. Auch diesen Aufnahmen fehlt das Charisma, das gerade bei so bekannten Werken nötig wäre, und nicht einmal der Flügel ist wirklich sauber gestimmt. Das zweite Konzert wird leider auch mit den lange üblichen Kürzungen gespielt. Nur wenig besser gelungen ist Dmitri Jablonskis Aufnahme des Konzerts von Aram Khatschaturjan mit Oxana Jablonskaja am Flügel, interessant wird diese Platte aber, weil auch eine große, selten gespielte Konzertrhapsodie aufgenommen ist, die wie auch das Konzert in Des-Dur steht.

Nach vielen mäßig gelungenen Aufnahmen ist die Platte mit Prokofjews Konzerten Nr. 1, 3 und 4 eine Überraschung. Kun-Woo Paik, um den es inzwischen still geworden ist, hat 1991 Interpretationen eingespielt, die durchaus charismatisch zu nennen sind. In gleichermaßen zupackender wie präziser Art glänzt er als brillanter Techniker und vermittelt viel Spielfreude. Noch ein gutes Stück attraktiver ist die Schostakowitsch-Platte, die in der Box einige der wenigen wirklich neuen, in diesem Fall 2016 entstandenen Aufnahmen enthält. Die sind auch noch prominent besetzt mit Boris Giltburg am Flügel, der ausgesprochen brillant, akzentuiert und mit intensiv ausgestalteten Klangnuancen spielt. Unter der Leitung von Vasily Petrenko klingt das Royal Liverpool Orchestra in dieser Aufnahme großartig. Starke Kontraste und vor allem der Sinn für den immer wieder satirischen Charakter der Konzerte Schostakowitschs lassen diese Aufnahmen innerhalb der bei so bekannten Werken ja nicht ganz unbeträchtlichen Konkurrenz ziemlich weit oben mitspielen.

Nur zwei Jahre älter, von 2014, ist die Aufnahme des ersten Klavierkonzertes von Alexander Mosolow. Dessen dissonante, rabiate Tonsprache könnte man allerdings krasser zum Ausdruck bringen als Steffen Schleiermacher und das Rundfunk Sinfonieorchester Berlin unter Johannes Kalitzke. Interessant ist auch die Rachmaninow-Platte, weil auch hier zwei bekanntere aktuelle Künstler zu hören sind. Klára Würtz allerdings dürfte in Rachmaninows zweitem Klavierkonzert c-moll ruhig etwas besser zu hören sein, denn leider ist das Nationale Symphonieorchester der Ukraine unter Wladimir Sirenko im Vergleich zum Flügel viel zu laut und deckt sie oft völlig zu. Das dritte Klavierkonzert in d-moll ist in einer frühen Aufnahme mit Bernd Glemser von 1992 enthalten, gemeinsam mit dem Nationalen Symphonieorchester Irland unter Jerzy Maksymiuk. Eine kraftvolle Interpretation, Glemser spielt zum Beispiel die selten gewählte, massivere der beiden Kadenzen für den ersten Satz. Das Niveau der Schostakowitsch-Platte allerdings wird nicht erreicht. Für alle Entdecker seien noch einige weitere Raritäten erwähnt: Zwei Konzerte von Bortkjewitsch, je eins von Arensky, Paderewsky und Khrennikow; das zweite Konzert op. 21 des Letzteren sogar ausgesprochen hochkarätig besetzt mit einem (30 Jahre alten) Konzertmitschnitt von Jewgeni Kissin und unter der Leitung von Wladimir Fedossejew.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass einerseits zwar einige Aufnahmen einen nur mäßigen bis schwachen Eindruck machen, dass andererseits für Neugierige diese Box aufgrund der vielen unbekannten Konzerte interessant sein könnte und zudem mit den vielen Aufnahmen Michael Pontis sowie denen Boris Giltburgs einige echte Schätze enthält.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Russian Piano Concertos: Werke von Lyapunov, Rubinstein, Medtner, Kabalevsky, Bortkiewicz u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
15
02.03.2018
EAN:

5028421955209


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Bestechend durchsichtig: Daniele Boccaccio hat auf der Kirchenorgel eine interessante Interpretation von Bachs 'Wohltemperiertem Klavier' vorgelegt. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Wechselvolle Geschichte: Eklektische Werke für Viola d’amore in einer Zeit des Umbruches. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Inniger Brahms: Die Brahms-Interpretationen von Francesco Dillon und Emanuele Torquati können nicht überzeugen. Weiter...
    (Tanja Geschwind, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Gipfeltreffen der Cello-Legenden: Jacqueline du Pré und Mstislaw Rostropowitsch spielen die Cellokonzerte von Schumann und Dvořák in bisher nicht veröffentlichten Konzertmitschnitten von 1962. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Voller Leben und Quirligkeit: Das Klavierduo Genova & Dimitrov legt erneut eine Platte mit raren Konzerten vor. In diesem Fall werden Werke von Carl Czerny und Max Bruch mit viel Schwung und absoluter Perfektion gespielt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Beiendruckender Klang: Das Ensemble Beauty Farm mit einer extrem gelungenen Interpretation 500 Jahre alter Messen von Pierre de la Rue. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Altus-Freuden: Für den jungen Altus Benno Schachtner ist diese Händel-Platte nach dem formidablen Album ‚Clear or Cloudy‘ vom vergangenen Herbst ein neuerliches diskografisches Schmuckstück. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Mahler für die Couch: Jansons dirigiert die Neunte mit dem BR-Symphonieorchester wenig aufregend. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... In klassischem Gewand: Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Adam Fischer gelingt den Düsseldorfer Symphonikern eine weitere bemerkenswerte Darbietung einer Mahler-Sinfonie, die von großer Ausdruckssicherheit geprägt ist. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2018) herunterladen (2883 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Henri Marteau: String Quartet No.2 op.9 - Andante sostenuto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich