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Sonntag, 14. August 2022

Strauss, Richard - Lieder

Klangverliebt


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieses neue Strauss-Album ist an Klangschönheit kaum zu überbieten und kann problemlos im Hintergrund laufen. Wirklich fesselnde Interpretationen bekannter und ein wenig unbekannterer Strauss-Lieder bietet die CD leider nicht.

Nach ihrem erfolgreichen Mozart-Album hat die schwedische Sopranistin Maria Bengtsson beim Label Dabringhaus & Grimm ihre zweite Solo-SACD vorgelegt, die nun ausschließlich dem Komponisten Richard Strauss gewidmet ist. Bengtsson, die in einigen großen Strauss-Partien international unterwegs ist, singt hier ausschließlich Lieder des Komponisten. Die Zusammenstellung von 23 Liedern ist programmatisch klug gewählt, es entsteht ein dramaturgisch recht schlüssiger Kreislauf des Lebens, beginnend mit dem übermütigen 'Herr Lenz' und mit 'Ruhe, meine Seele' endet der gut einstündige Strauss-Liederreigen.

Begleitet wird die Sopranistin von Sarah Tysman, die technisch über alle Schwierigkeiten erhaben ist und der Sängerin auf Schritt und Tritt zu folgen versteht. Überhaupt präsentieren sich die beiden Künstlerinnen als ungemein harmonisches Duo. Der Gesang schmiegt sich eng ans Klavier und das Instrument wiederum stützt und verwebt kunstvoll die Klangfarben, findet auch zu beredtem Solospiel wie im ausladenden Vorspiel zu 'Morgen'. Der Grundduktus ist bei Bengtsson wie bei Tysman verträumt und klangverliebt. Das zieht sich durch letztlich alle Lieder der CD und erweist sich als der große Haken an dem fraglos wunderschön musizierten Strauss-Album. Denn ganz gleich, welche Inhalte verhandelt werden, Maria Bengtsson packt nicht wirklich zu. Ihr strahlender Sopran webt betörende Pianissimi, beherrscht den großen Bogen, phrasiert vorbildlich und verzaubert mit seinem enormen Schönklang – aber für die Vielfalt dieser Lieder genügt das Ausdrucksspektrum nicht.

Das 'Rosenband' kann man freilich kaum schöner singen, aber man versteht kaum den Text, der unter dem träumerischen Klang zu verschwinden droht. Wäre das nur bei ein paar wenigen Liedern der Fall, könnte man sich einfach an der edlen Stimme berauschen und bei anderen Nummern ein inhaltliches Singen genießen. Dazu kommt es aber nicht. Und das hat leider zur Folge, dass schnell alle Lieder, so unterschiedlich sie auch sein mögen, einem Einheitsklang unterworfen sind – kunstvoll dargeboten und vermutlich tief empfunden, aber in Schönheit ertrunken. Die allgemein langsamen Tempi schmälern die Ausdruckspalette noch zusätzlich. Der 'Heimlichen Aufforderung' fehlt es dadurch an Emphase, den komischen Liedern wie 'Für fünfzehn Pfennige' oder 'Hat gesagt, bleibt's nicht dabei' geht der Humor verloren und auch 'Schlechtes Wetter' entwickelt plötzlich keine Eigenenergie.

Das ist schade, denn Bengtssons Sopran passt wunderbar zu den vorliegenden Strauss-Liedern. Die warme Mittellage und die blühende Höhe kommen in Liedern wie 'Meinem Kinde' oder 'Morgen' hervorragend zur Geltung. Bei 'Allerseelen' könnte man sich mehr emotionale Tiefe vorstellen, aber sie schafft es hier, allein mit der Beseeltheit ihres Gesangs, eine anrührende Stimmung zu zeichnen. Klanglich machen 'Die Nacht' oder 'Ständchen' fast schon süchtig, aber im Rahmen andauernder Zartheit und weicher Sprachbehandlung behaupten sich diese Momente viel zu wenig, weil sie der fehlenden Kontraste wegen nicht mehr auffallen. Im letzten Lied 'Ruhe, meine Seele' packt Bengtsson dann völlig überraschend doch noch zu, sowohl stimmlich als auch sprachlich – doch da ist es fast schon zu spät.

Dieses neue Strauss-Album ist an Klangschönheit kaum zu überbieten und kann problemlos im Hintergrund laufen. Wirklich fesselnde Interpretationen bekannter und ein wenig unbekannterer Strauss-Lieder bietet die CD leider nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Lieder

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

SACD
760623206264


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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