> > > Silvesterkonzert 2017: Werke von Dvorak, Strawinsky, Strauss u.a.
Dienstag, 18. September 2018

Silvesterkonzert 2017 - Werke von Dvorak, Strawinsky, Strauss u.a.

Komponisten-Feuerwerk


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Silvesterkonzert 2017 ist nicht nur gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, sondern auch ein schönes Zeugnis von der langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle.

Man könnte meinen, dass bei aller Einstimmung in eine feuchtfröhliche Silvesternacht auch ein wehmütiger Hauch von Abschied mitschwingt – das Silvesterkonzert 2017 in der Berliner Philharmonie markiert nämlich nicht nur den feierlichen Abschluss des Jahres, sondern ist zugleich der Start in das letzte Jahr mit Sir Simon Rattle als offiziellem Chefdirigenten. Unter diesem Aspekt wird allein die Programmwahl am Silvesterabend zu einer unverkennbaren Signatur des scheidenden Briten: Orchestrale Lieder von Richard Strauss erklingen neben der Musical-Musik von Leonard Bernstein; Dmitri Schostakowitschs satirisches Jugendwerk 'Das goldene Zeitalter' wird den zarten Klängen des Pas de deux aus 'Apollon musagète' von Igor Strawinsky gegenübergestellt. Kurz: Um den Silvesterabend gebührend zu feiern, wird der Zuschauer mit einem Komponisten-Potpourri à la Rattle beglückt, das in der standardisierten Dramaturgie eines alltäglichen Konzertabends längst verloren gegangen schien. Mit den beiden Zugaben – Dvořáks 'Slawischem Tanz' op. 72 Nr. 2 und Brahms 'Ungarischem Tanz' Nr. 1 – wird zugleich nicht nur eine schlüssige Klammer um den Abend gezogen, der bereits mit Dvořáks 'Karneval'-Ouvertüre begann, sondern in der bunten Musikmischung auch ein Traditionsbewusstsein im Zugabe-Repertoire manifestiert.

Auf der von EuroArts nun veröffentlichten DVD des Silvesterkonzerts lässt sich eindrucksvoll feststellen, wie selbstverständlich die Kommunikation der Berliner Philharmoniker mit ihrem Noch-Chefdirigenten mittlerweile abläuft. Bereits in der 'Karneval'-Ouvertüre knallen die Korken, wenn die Philharmoniker jeden Tutti-Ausbruch herrlich zupackend artikulieren. Die dynamischen Spannungsbögen werden von Rattle plastisch herausgearbeitet und entfalten eine Sogwirkung, die bei den Philharmonikern in den Routine-Interpretationen von Standardwerken in den letzten Jahren des Öfteren auch mal untergangen ist. Eine genormte Darbietung ist in diesem Mitschnitt zu keiner Zeit zu spüren und selbst in der so oft gespielten Brahms-Zugabe haben die Musiker größten Spaß daran, die extremen Ritardandi hervorzuheben. Der musikalische Höhenflug im spätromantischen Repertoire ist gleichwohl nicht während des gesamten Konzertes garantiert. So fühlt sich das eine oder andere Orchestermitglied in Bernsteins Musik zu 'On the Town' nicht wirklich zu Hause, was sich in einer teils zu akademischen Realisierung der frischen Jazzanklänge äußert.

Stargast Joyce DiDonato hat derweil keine Probleme mit dem Genre-Wechsel in die Musicalwelt ihres Landsmanns Bernstein und fügt sich bestens in das feierliche Ambiente ein. Mit gezielten Blicken ins Orchester ist ihr die Freude daran, die prahlend-eitle Mutter in Strauss‘ 'Muttertändelei' zu spielen, sichtlich anzuerkennen. Ihr dunkles Timbre und schnelles, aber keinesfalls unkontrolliert flackerndes Vibrato versprühen sehr viel Charme, obgleich sie ab und an mit den Tempi von Rattle kämpfen muss und hier und da auch an die Grenzen ihres Atems stößt. Die Gesangsdarbietung als solche kann dies jedoch nicht trüben – insbesondere das beeindruckende Pianissimo von DiDonato wird dem Zuhörer nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Das bunte und kurzweilige Konzerterlebnis ist am Ende sicherlich gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, gleichwohl stellt sich die Frage, wer sich in Zeiten der Digital Concert Hall überhaupt noch für den Kauf einer solchen DVD entscheiden wird. Zusätzliche Extras oder ein Booklet-Text hätten hierbei durchaus einen Kaufanreiz bieten können, was von den Verantwortlichen von EuroArts allerdings versäumt wurde. Ein kleiner Wermutstropfen, der die Freude am Konzert jedoch nicht schmälern sollte – Rattle und den Berliner Philharmonikern ist mit diesem Silvesterkonzert ein Jahresausklang mit viel Feuerwerk gelungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Silvesterkonzert 2017: Werke von Dvorak, Strawinsky, Strauss u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
EuroArts
1
16.02.2018
090:00
2017
EAN:

880242674883


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Bernstein, Leonard
Brahms, Johannes
Dvorák, Antonín
Schostakowitsch, Dimitri
Strauss, Richard
Strawinsky, Igor


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"Mit ihrem stimmungsvollen traditionellen Silvesterkonzert verabschieden die Berliner Philharmoniker feierlich das Jahr 2017.Das letzte Silvesterkonzert mit Sir Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Mit Super-Star Joyce DiDonato (Gewinnerin des ECHO Klassik und Grammophone Award 2017), die mit ihrem flexiblen, schlanken und zugleich dunkel timbrierten Mezzosopran begeistert. An der Seite von Sir Simon Rattle widmet sie sich der verschwenderisch ausgegossenen Schönheit in Richard Strauss’ Orchesterliedern. Dazu gibt es Werke von Dvorak, Strawinsky, Bernstein und Schostakowitsch – voller Virtuosität, Grazie und Humo"


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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