> > > Fiamma vorace: Arien von Geminiano Giacomelli
Sonntag, 20. September 2020

Fiamma vorace - Arien von Geminiano Giacomelli

Herzensprojekt mit Schwachstellen


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Fiamma vorace' ist ein Herzensprojekt, aber musikalisch macht es den Hörer nur bedingt glücklich.

Es gibt viel zu entdecken, ganz besonders in der Barockoper. Denn abseits von Händel, Hasse und Vivaldi haben durchaus auch andere Komponisten große Erfolge erzielt. Mittlerweile sind sie nahezu vergessen. Gerade hat Porpora Hochkonjunktur dank des Bemühens von Max Emanuel Cencic und seinen Mitstreitern und fraglos auch wegen Cencics Popularität. Beim Label Panclassics legt der Countertenor Flavio Ferri-Benedetti jetzt ein Album vor, das sich ausschließlich auf den Komponisten Geminiano Giacomelli konzentriert, einen Zeitgenossen Händels. Nun ist die Popularität Ferri-Benedettis nicht mit jener Cencics zu vergleichen, aber es bleibt zu hoffen, dass dennoch einige Produzenten oder Opernbühnen durch das Album auf Giacomelli aufmerksam werden – denn hier sind offenkundig noch einige Schätze zu heben. Das Notenmaterial scheint längst nicht problemlos zugänglich, Ferri-Benedetti hat für diese CD mit dem Titel 'Fiamma vorace' sogar einige Arien selbst editiert.

Allein dieser Umstand beweist die Leidenschaft und Akribie, mit der der Künstler seine Projektidee verwirklicht. Gemeinsam mit dem Ensemble Musica Fiorita unter der Leitung von Daniela Dolci erklingen elf Arien, einige davon als Ersteinspielung, und fünf Orchesterwerke aus dem Bereich der Opern-Sinfonia. Hinter dem Album steckt spürbar viel Arbeit und Forschung. Im Beiheft sind sämtliche Arien ins Englische übersetzt und Ferri-Benedetti liefert zudem einen umfangreichen und detaillierten Artikel über den Komponisten und sein Wirken – hochspannend und informativ.

Leider macht die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse als Klangerlebnis auf CD nicht wirklich glücklich. Der zweifellos beseelte Gesang von Flavio Ferri-Benedetti hat technische Schwachstellen und das Ausdrucksspektrum ist deutlich begrenzt. Besonders eklatant sind diese irritierenden Mängel gleich in der titelgebenden, furiosen Arie 'Fiamma vorace' aus der Oper 'Merope'. Der Sänger singt die Nummer letztlich mit drei verschiedenen Stimmen, deren weiche, schöne Mittellage die überzeugendste ist. Die Höhe schleudert er furchtlos, aber hart heraus und die Tiefe wackelt in farbloser und intonatorisch fragwürdiger Unsicherheit. Die Koloraturen bewältigt Ferri-Benedetti anständig, aber ohne Bravour. Auch die letzte Arie des 2016 aufgenommenen Albums aus 'Cesare in Egitto' leidet unter denselben Einschränkungen. Allerdings beeindruckt Ferri-Benedetti hier mit einem durchaus fulminanten Höhenflug, der von Expressivität erfüllt ist.

Emotional involviert

Überhaupt ist es deutlich hörbar, wie stark Ferri-Benedetti emotional eingebunden ist. Er weiß um die Nöte seiner Figuren, er gestaltet unaufhörlich. Dennoch bleibt der Hörer seltsam unberührt von dieser bestimmt echten, aber eben auch gewollten Intensität. Die besten Momente hat der Countertenor in den ruhigen Arien, wo sich seine Stimme in Ruhe entfalten kann, wo Sprünge selten vorkommen oder zumindest mit entsprechender Vorbereitung angepeilt werden können. Wo keine schnell anspringende Tiefe gefordert ist, keine blitzende Virtuosität, sondern pures Gefühl in Klang und Wort – da blitzt so etwas wie musikalische Wahrheit oder vokale Authentizität auf. Vermutlich muss man den Sänger auf der Bühne erleben, denn abseits der stimmlichen Mittel scheint er vor allem durch seine Unmittelbarkeit zu überzeugen. Diese ist auf Tonträger kaum abzubilden oder nachzuvollziehen. Dieses Schicksal teilt Ferri-Benedetti vielleicht mit dem oft unterschätzten Countertenor Christopher Robson, dessen Gesangskunst für sich genommen keinem Vergleich mit Cencic, Scholl, Jaroussky & Co. standhalten kann, der aber auf der Opernbühne durch seine Gestaltung und Wahrhaftigkeit all die musikalischen Schwächen vergessen machen kann.

Wirklich wunderbar ist dann die Arie 'Mancare, oh Dio, mi sento' aus 'Adriano in Siria' mit ihrem stimmlichen Glanz und überzeugenden Farbspielen und auch einige andere Arien gelingen dem Künstler fraglos anständig. Die Sinfonien sind ebenfalls lebendig musiziert mit hervorragenden Blechbläsern und einem engagierten Streicherapparat. Als Ehrenrettung Giacomellis ist diese CD letztlich zu sprunghaft in ihrer Qualität – da wäre noch Luft nach oben. Aber als Herzensprojekt kann sie zumindest Anstoß für weitere Expeditionen in die Bibliotheken und Archive sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fiamma vorace: Arien von Geminiano Giacomelli

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pan Classics
1
02.02.2018
Medium:
EAN:

CD
7619990103702


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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