> > > Magnificats: Werke von J.S. Bach, J.Ch. Bach und C.P.E. Bach
Samstag, 6. Juni 2020

Magnificats - Werke von J.S. Bach, J.Ch. Bach und C.P.E. Bach

Familiensache


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Bachs – was für eine Familie! Natürlich, man weiß es. Und doch ist man geneigt, das klingende Ergebnis zu bestaunen.

Eine reizvolle Idee ist es, dem Lauf der Musikgeschichte in einer Familie zu folgen, und das am Beispiel desselben vertonten Textes: So, wie Jonathan Cohen es mit seinem Ensemble Arcangelo bei Johann Sebastian, Carl Philipp Emanuel und Johann Christian Bach und deren Magnificat-Vertonungen jetzt beim Label Hyperion getan hat. Bach Vater ist mit dem 1723 entstandenen BWV 243 vertreten, Carl Philipp Emanuel mit dem 1749 komponierten H 772 und Johann Christian mit dem 1760 in seiner Mailänder Zeit geschaffenen Magnificat E 22.

Bach Vater repräsentiert auf dem Papier das Altvordere, das freilich zum Zeitpunkt seiner Entstehung eine kaum in Frage stehende Höhe markierte: Kompakt in seiner Wirkung als Gesamtwerk, gespickt mit edlen Solitären, vor allem in verhaltener Schönheit. Solche Sätze, wie etwa das unvergleichliche Duett von Alt und Tenor 'Et misericordia' mit seinen schattigen Klängen, getragen von sordinierten Streichern und verhangenen Traversflöten, weisen freilich schon erstaunlich weit ins Empfindsame voraus. Das repräsentiert dann des Vaters zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel, dessen Musik als modernisierte, belüftete Pracht der barocken Vorbilder gehört werden kann. Gespickt sind die Sätze mit herrlich erratischen Figuren in der hochagilen Streicherbegleitung, die einen wahrhaft unverwechselbaren, ungemein attraktiven Personalstil wesentlich mitbestimmen. Dieses 'Magificat' ist nach Tiefe und Ausdehnung ein überaus gehaltvolles Werk, mit einem gewaltigen Fugen-Schluss, der dem Vater alle Ehre macht und zugleich mehr ist als bloße Reminiszenz: Hier weist jemand deutlich auf seine handwerklichen und ästhetischen Grundlagen hin. Schließlich der knappe Zehnminüter von Johann Christian: Das kompositorische Erbe scheint weiter flexibilisiert. Alles wirkt elegant und leicht, effektvoll und zugänglich. Man könnte sagen: Nach vorn gerichtet im besten Sinn. Der ältere Halbbruder blickte dagegen mit Skepsis auf die Kunst des Jüngeren: Er befand, dass Johann Christians Musik eingängig sei und das Ohr fülle. Sie ‚...lässt aber das Herz leer‘. Diesem Diktum mag sich anschließen, wer möchte. Deutlich wird jedenfalls eine im ästhetischen Fortschreiten geschmeidiger werdende Musik, die Älteres noch einbezieht, auf dieser Basis freilich nicht mehr alles gründet, was sie ausmacht.

Klangfreude

Jonathan Cohen lässt die Chorpartien auf dieser mit erstklassiger Musik randvoll gepackten Platte von einem klangfreudigen Kammerchor singen, der sich explosiv und kraftvoll, mit vibrierenden Registern ins Getümmel stürzt. Die Fugen bei Bach Vater werden zu hochlebendigen Ereignissen. Gleichzeitig eignet dem Ensemble ein bemerkenswert heller Klang, der sich in der veränderten Haltung der Musik der Söhne deutlich bewährt: Da singen die Register wesentlich geschmeidiger und noch einmal geschlossener, gerade in den hier breiteren Raum einnehmenden homophonen Klängen. Das Instrumental-Ensemble Arcangelo trägt den hellen Klang des Chors mit einem eng verwandten ästhetischen Ansatz weiter: Es wird luzide, frisch und fern aller Verdunklung gespielt. Auch der effektvolle Basso continuo wird klar und fein gezeichnet. Bei Johann Sebastian wird knapp und stile antico-gerecht artikuliert, plastisch und beredt. Bei den Söhnen dann gibt es auch reichlich lyrisches Sehnen, überzeugen Gesten schlichter Sammlung, gerät das Spiel insgesamt angenehm flexibel in der Tongebung. Vor allem die konzentrierten Streicherregister leisten bei Carl Philipp Emanuel Besonderes.

Vokalsolistisch sind mit der Sopranistin Joélle Harvey, der Mezzosopranistin Olivia Vermeulen, dem Altus Iestyn Davies, dem Tenor Thomas Walker und dem Bass Thomas Bauer ungemein idiomatische, fachsichere Stimmen zu hören. Sämtliche Vokalisten agieren charaktervoll, auf der Basis eines mehr als soliden technischen Rüstzeugs, mit wirklich individueller Zeichnung. Die starken ariosen Vorlagen werden dankbar aufgenommen, bei Carl Philipp Emanuel kann vor allem Thomas Walker auch die wunderbar dramatische Geste weidlich ausspielen. Das Klangbild ist präzis und gesammelt, ausgewogen in der Präsenz von Stimmen und Instrumenten. Der Raumanteil ist passend dimensioniert – ein gelungenes Abbild der verschiedenen Besetzungen.

Die Bachs – was für eine Familie! Natürlich, man weiß es. Und doch ist man geneigt, das klingende Ergebnis zu bestaunen. Bemerkenswert ist, wie deutlich es Jonathan Cohen und Arcangelo gelingt, die Interpretationen stilistisch zu flexibilisieren: Denn in diesen binnen vierer Jahrzehnte entstandenen Werken vollzieht sich ästhetisch und stilistisch ein enormer Wandel. Der wird deutlich hörbar gemacht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Magnificats: Werke von J.S. Bach, J.Ch. Bach und C.P.E. Bach

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
02.02.2018
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
034571281575
CDA 68157


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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