> > > Schumann, Robert: Violinfantasie & Violinsonate Nr. 2
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Schumann, Robert - Violinfantasie & Violinsonate Nr. 2

Ausdrucksextreme


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In dieser Schumann-Violinsonate wird gewispert und gehaucht, heftig beschleunigt und gedankenvoll innegehalten. An Originalität und Expressivität ist Iskander Widjajas Geigenspiel kaum zu übertreffen. Und Christoph Eschenbach extrem anpassungsfähig.

Iskander Widjaja dürfte die Geschmäcker scheiden: Was beim ersten Hören vielleicht provoziert, ja abschreckt, vielleicht gleich den Vorwurf des Manieristischen auf sich zieht, erweist sich beim wiederholten Hören als geradezu unglaubliche Durchdringung, Aneignung und Vermittlung einer keineswegs in solche Ausdruckswelten hinein strapazierfähigen Komposition. Hier werden Ideen und Gefühle offengelegt, auf engstem Raum extrem ausgespielt, alles andere als klischeehaft ‚gelebt‘.

Der Kopfsatz von Robert Schumanns später zweiter Violinsonate op. 121 wird zum Musterbeispiel des Narrativen. Beeindruckend, wie der junge Geiger und Pianist Christoph Eschenbach hier aufeinander hören und reagieren, thematisches Fließen und Stauen gemeinsam inszenieren. Die Aufbruchsstimmung des Scherzos reißt wirklich mit, gewispert werden die Trio-Einbruche wie eine Vorahnung des hier absolut herzzerreißenden Klagegesangs im dritten Satz. Motorische Kraft und insistierende Virtuosität sind nur oberflächliche Attribute für das, was Widjaja an ‚Aus-Druck‘ herauslässt.

Eine etwas schwächer wirkende Zugabe zu dieser tief konzentrierten Studio-Studie stellt ein Live-Mitschnitt der für Schumann thematisch etwas enttäuschenden und zurecht eher ungeliebten Konzert-Phantasie dar (trotz eines Brahms-Votums als dessen ‚bestes Konzertstück‘). Widjajas als persönliches Kennzeichen etwas dünnerer, agiler Geigenton gewinnt den etwas ideenlosen Melodien und Passagen keine dem Orchestralen adäquat gegenübertretende Prägnanz ab (es spielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Eschenbach); das nachdenkliche Wispern als Stil-Moment verliert sich im langsamen Mittelteil etwas und zündet erst in der kurzen Solo-Kadenz. Der oft polonaisenartige Grundton dieses Quasi-Konzert-Finalsatzes wirkt auch in dieser Aufnahme zu biedermeierlich. Als informative Zugabe zur grandiosen Interpretation der Sonate trotzdem gerne mitgenommen.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Robert: Violinfantasie & Violinsonate Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
09.02.2018
Medium:
EAN:
CD
4260330918857

Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Orgelsinfonik: Hansjörg Albrecht gelingt die fabelhaft bildkräftige Deutung einer substanziell zutreffenden Orgeltranskription der ersten Bruckner-Sinfonie. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Bezaubernder Effekt: Ein Duett mit Martha Argerich und ein neues Pedal für den Flügel machen diese Platte des Pianisten Jura Margulis spannend. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... 'Hörst du den Ton?': Dieser 'Ferne Klang' zeigt mit großer Klarheit und Leidenschaft, wie populär Schrekers Meisterwerk und seine Musik im Allgemeinen sein sollten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Hartmut Hein:

  • Zur Kritik... Stück für Stück erkunden: Wer die populäreren (späten) Quartette von Antonín Dvořák schon auf Tonträger besitzt und nach einer Vervollständigung oder Entdeckungen sucht, ist mit dieser Zusammenstellung eher früher Werke des Böhmen gut bedient. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Erkundungen der großen Konzertform : Mendelssohn-Spezialist Roberto Prosseda hat sich wie schon bei dessen Violinsonaten für das umfangreiche und hochinteressante d-Moll-Doppelkonzert des Wunderkinds mit Shlomo Mintz zusammengetan. Eine klangschöne Jugendwerk-Erkundung. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Plastische Glaubensbekundungen : Von eindrucksvoller kompositorischer Dichte und Ausdrucksvielfalt sind die beiden Symphonien, die Bernstein in recht jungem Alter schrieb. Die Arktische Philharmonie unter Christian Lindberg spielt das keineswegs unterkühlt in gigantischem SACD aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Hartmut Hein...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Herbe Tänze: Marek Szlezer legt beim Label Dux eine der Musik Karol Szymanowskis gewidmete Platte vor, die vor allem Mazurken enthält. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Venedig da Camera: Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Auf der Suche nach der rechten Orgel: Jean-Jacques Kantorows Saint-Saëns-Edition mit einem weiteren fulminanten Höhepunkt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich