> > > Karayev, Kara: Sinfonie Nr. 1 & Violinkonzert
Freitag, 20. April 2018

Karayev, Kara - Sinfonie Nr. 1 & Violinkonzert

Schostakowitschs Meisterschüler


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nicht optimal aufgelegt sind die Orchestermusiker bei dieser dritten Folge der Karayev-Reihe.

Mit dieser CD setzt Naxos seine kleine, aber verdienstvolle Reihe mit Werken von Kara Karayev fort. Vor allem dem Dirigenten Dmitry Yablonsky ist es zu verdanken, dass die Werke des aserbaidschanischen Komponisten, der vor 100 Jahren geboren wurde und 1982 verstorben ist, nicht völlig in Vergessenheit geraten sind. 2008 hatte Yablonsky die dritte Symphonie und zwei Ballettmusiken mit dem russischen philharmonischen Orchester eingespielt, vier Jahre später die beiden Balletsuiten 'Sieben Schönheiten' und 'Pfad des Donners'. Nun folgen (zusammen mit den Kiev Virtuosi) die monumentale erste Symphonie aus dem Jahr 1943 und das 23 Jahre später entstandene Violinkonzert. Beide Werke stellen Meilensteine im Œuvre des Tondichters dar, die Symphonie vor allem als Auseinandersetzung mit dem Stil seines berühmten Lehrers Schostakowitsch, der hier an allen Ecken und Enden hörbar ist – ohne freilich zur reinen Stilkopie zu verkommen. Das Violinkonzert klingt gänzlich anders, es wirkt schlanker und kompakter – die Tonsprache ist hier herber, schroffer geworden. Solist in dem von Leonid Kogan uraufgeführten Werk ist die Geigerin Janna Gandelman.

Die zweisätzige Konzeption der ersten Symphonie überrascht aus formalen Gesichtspunkten, ein Scherzo und ein ‚klassischer‘ Finalsatz scheinen zu fehlen. Auf einen Allegro-Kopfsatz (mit langsamer Einleitung) folgt ein ausgedehntes 'Lento moderato', in dem ein elegisch-pathetischer Duktus dominiert. Der fassliche, weitgehend tonale Grundton des Werkes ist sicherlich den Zeitumständen in der Sowjetunion während der 1940er Jahre geschuldet – Atonalität und Dodekaphonie waren für die Tondichter damals ein gefährliches Pflaster, mit dem pauschalen Vorwurf des 'Formalismus' waren die Kulturpolitiker schnell bei der Hand. Auf den heutigen Hörer kann dadurch vor allem der erste Satz etwas hölzern und vorhersehbar wirken, was der Gesamtqualität des Werkes jedoch keinen Abbruch tut.

Karayev setzt das große Orchester behutsam und dosiert ein und arbeitet mit zahlreichen dynamischen und klanglichen Differenzierungen, die in Yablonskys Interpretation jedoch nur teilweise herausgearbeitet werden. Der marschartige Charakter des ersten Themas wird ebenso etwas überstrapaziert wie der lyrisch-verträumte Tonfall der folgenden Passagen; die Kontraste, von denen Karayevs Symphonie ohne Zweifel lebt, werden fast schon exzessiv betont. Zusammen mit dem ruhigen (vielleicht zu ruhigen) Grundtempo entsteht so der Eindruck von teilweise verschenktem Potenzial, das diese Symphonie durchaus hätte – verschenkt womöglich auch durch die kleineren technischen Probleme, die hier und da auftreten. Es wird durchaus solide musiziert, doch insgesamt scheint es mir, dass ein Spitzenorchester aus Karayevs erster Symphonie mehr herausholen könnte. Auch die Klangqualität ist nicht optimal, während die zahlreichen Soli (z.B. der Flöte zu Beginn des Werkes) gut ausbalanciert wurden, scheppern die Tutti teilweise etwas arg.

Im Violinkonzert hat sich der Komponist (ermöglicht aufgrund des nach Stalins Tod 1953 einsetzenden ‚Tauwetters‘) maßvoll der Moderne angenähert, ohne jedoch die Bezüge zur Tradition vollständig aufzugeben. Ein symphonisches Konzert war nicht Karayevs Intention, das Soloinstrument steht in allen drei Sätzen (und von Anfang an) deutlich im Vordergrund. Der oft klagende, resignativ wirkende Grundton wird in Gandelmans Interpretation gut eingefangen, den technischen Herausforderungen ist sie jederzeit gewachsen.

Das Zusammenspiel mit den Kiev Virtuosi funktioniert allerdings nicht optimal, hier gibt es den einen oder anderen kleinen Wackler. Oft scheinen Orchesterinstrumente die Solistin eher unabsichtlich zuzudecken, was man angesichts des transparenten, schlanken Orchestersatzes kaum dem Werk selbst zurechnen kann. Da auch das Stück vor allem im Kopfsatz nicht so recht zündend wirkt, hinterlässt diese Aufnahme allenfalls einen mittelprächtigen Eindruck. Es bleibt in diesem Fall eine Abwägung des Hörers, ob er für das Kennenlernen der beiden Werke etwas schwächere Interpretationen in Kauf nimmt oder ob er lieber auf eine bessere Aufnahme warten möchte. Was klar für Yablonsky und die Kiev Virtuosi spricht: Konkurrenzaufnahmen dieser Stücke sind, soweit ich sehe, derzeit nicht erhältlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Karayev, Kara: Sinfonie Nr. 1 & Violinkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
EAN:

747313372270


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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