> > > Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzerte Nr. 2 & 4
Dienstag, 11. August 2020

Beethoven, Ludwig van - Klavierkonzerte Nr. 2 & 4

Entschlackter Beethoven


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lars Vogt und das Royal Northern Sinfonia entwickeln einen spannenden Zugang zu Beethoven.

Lars Vogt ist ein spannender Pianist, der schon immer eigene interpretatorische Wege sucht. Da ist es nur konsequent, dass er neben seiner Karriere als Pianist nun auch seit geraumer Zeit erfolgreich eine als Dirigent anstrebt. Seit 2015 ist er Music Director der Royal Northern Sinfonia im nordenglischen Gateshead. Auf dem vorliegenden Tonträger präsentiert er einen Live-Mitschnitt des zweiten und vierten Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven. Sie ist die dritte einer dreiteiligen Edition, mit der Lars Vogt alle Klavierkonzerte von Beethoven aufgenommen hat.

Mit Gewinn

‚Der musikalische Ton hat einen direkten Zugang zur Seele‘, schrieb Wassily Kandinsky 1912 in seinem Essay 'Über das Geistige in der Kunst'. Lars Vogt gehört zu den Pianisten, die ihren Weg abseits der üblichen Pfade suchen. Und vielleicht ist die Tatsache, dass er stets einen Ton findet, der ‚einen direkten Zugang zur Seele‘ des Hörers auffindet, der Grund für seinen Erfolg und auch dafür, dass man seine Interpretationen immer mit Gewinn hört, auch wenn man manchmal anderer Auffassung ist.

Gewichtig ist seine Auffassung des 2. Klavierkonzerts. Bereits die Exposition lässt aufhorchen: innige Poesie, ohne die Zwanghaftigkeit hektischer Temponahmen und Rubato-Exzentrik. Die liebevolle Präzision, mit der noch die kleinste Nebenstimme artikuliert wird, überzeugt sofort. Vogt zelebriert als Solist wie als Orchesterleiter eine Behutsamkeit im Umgang mit strukturellen Zusammenhängen, die sich jeder dramatisierenden Verschleifung verweigert. Das gilt insbesondere für das Adagio, dem der kontemplative Zugang besonders gut tut. Beim abschließenden Rondo gelingt Vogt eine spannende Synthese zwischen Kontemplation und Virtuosität. Überzeugend das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester.

Denkanstöße

Das gilt auch für das vierte Konzert in G-Dur, bei dem es Vogt gelingt, trotz des solistischen Anfangs, Klavier und Orchester als Einheit zu modellieren, um diese Einheit im Verlauf der Durchführung zu zerlegen. Diese Herangehensweise mag irritieren, ergibt aber viele Denkanstöße. Hier musiziert in der Tat jemand, der etwas mitzuteilen hat. Gleiches gilt auch für das Adagio, dem Vogt alles Heroische nimmt. Virtuos das abschließende Rondo mit seinen subtilen Rubati. Vogt stürzt sich lustvoll in die Erforschung der Partitur dieses Klavierkonzertes. Der Dialog zwischen Pianist und Orchester ist auch hier überaus geistreich. Man kann es nicht oft genug betonen: Vogt überzeugt durch einen quasi philosophischen Spürsinn für formale Zusammenhänge.

Es ist ja immer ein Risiko, wenn das Orchester vom Pianisten dirigiert wird, aber bei diesem Pianisten wird es zum Glücksfall, denn seine Herangehensweise ist hörbar stets mit dem kompositorischen Gedanken verbunden. Seine Vorliebe für fließende und sangbare Tempi lässt seine Einspielung so ganz anders klingen als man dies von der eher den Rhythmus betonenden Beethoven-Auffassung eines Paavo Järvi kennt. Wer die Einspielungen der Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven durch Jean-Efflam Bavouzet kennt, wird diese Aufnahmen lieben.

Die Aufnahmequalität ist hervorragend. Das Booklet enthält an Stelle der leider oft üblichen pseudo-wissenschaftlichen Abhandlungen ein interessantes Gespräch zwischen Lars Vogt und Friederike Westerhaus. Das Beethovenjahr 2020 mag kommen, hier hat schon jemand einen wertvollen Beitrag zum Überdenken überkommener interpretatorischer Zugänge geleistet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzerte Nr. 2 & 4

Label:
Anzahl Medien:
Ondine
1
Medium:
EAN:

CD
761195131121


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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