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Mittwoch, 23. Oktober 2019

Vocalise - Werke von Piazzolla, Villa-Lobos und Vivancos

Singende Saiten mit Sopran


Label/Verlag: Sinfonieorchester Basel
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit 'Vocalise' ist den beteiligten Künstlern ein klug zusammengestelltes, spannendes und in jeglicher Hinsicht bemerkenswertes Album gelungen, das hoffentlich entsprechend viele Zuhörer finden wird.

'Vocalise' heißt die neue CD mit der Sopranistin Nuria Rial und acht (eigentlich neun) Cellisten des Sinfonieorchesters Basel beim Label Sony. Doch wer hier eigentlich singt, ist nicht zweifelsfrei zu klären, denn neben der Sängerin entlocken die Instrumentalisten ihren Celli ebenso sirenenhafte Gesänge. Das Ergebnis ist ein Album der besonderen Art, das mit seinen 55 Minuten nicht gerade Überlänge aufweist, aber dafür auch keine überflüssigen Momente beinhaltet, die schon in tausendfacher Interpretation vorliegen. Vielmehr konzentrieren sich die Künstler auf erlesene Perlen, die fein aufeinander abgestimmt sind.

Ja, die beiden Vokalwerke aus den 'Bachianas Brasileiras' Nr. 5 von Heitor Villa-Lobos sind keine Raritäten, aber in der Art und Weise, wie Nuria Rial sie singt und vor allem wie die Sängerin von den acht Cellisten begleitet wird, ist das außergewöhnlich. Rial, die hauptsächlich in der Barockmusik zu Hause ist, fügt sich quasi als neuntes Instrument in den überirdischen Gesang des streichenden und zupfenden Ensembles ein – schwebt mal über den Dingen und taucht dann wieder sanft in die Cellowogen ab. Das führt in der berühmten 'Cantilena' zu überirdisch schönen Klangverschmelzungen und in der 'Dança' werden die gelegentlichen Vogelstimmen-Imitationen endlich einmal sinnfällig, ohne als zu bewältigendes Zierwerk aus dem Konzept zu fallen. Das hat in dieser Homogenität vor einigen Jahrzehnten Anna Moffo mit Leopold Stokowski ebenso erreicht, nun folgt ihr Nuria Rial auf den Fuß.

Gut die Hälfte des 2017 in Basel entstandenen Albums wird von den acht Cellisten ohne die Sopranistin bestritten – nämlich mit den 'Cuatro Estaciones Portenas' von Astor Piazzolla. Im Original für Streicher, Klavier, E-Gitarre und Bandoneon, legen sich die Cellisten mächtig ins Zeug, die Farbenpracht von Piazzollas Komposition zu entfalten. Es ist eine pure Freude, die Musiker beim Klopfen, Schrammeln, ‚Singen‘ und beim ‚inneren Tangotanzen‘ zu belauschen. Das hervorragende Arrangement von James Barralet lässt nichts aus, was die Spieler aus ihren Instrumenten herausholen könnten. Und die acht Cellisten packen mit einer Lust an der Musik und unbändiger Spielfreude zu, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Verteilt über das gesamte Album bilden diese Piazzolla-‚Jahreszeiten‘ den Rahmen für 'Vocalise', beginnend mit dem Sommer, hoffnungsvoll endend mit dem Frühling.

Auf den Piazzolla-Winter folgt eine Neukomposition des katalanischen Komponisten Bernat Vivancos: 'Vocal Ice' ist speziell für die ebenfalls katalanische Sopranistin geschrieben, ihr quasi in die Kehle komponiert, ohne Worte, eben als Vocalise. Dieser Gesang von Liebe und Trost bezieht sich auf die berühmte Pietà von Michelangelo. Wieder berührt vor allem das perfekt abgestimmte Zusammenspiel von Rial und den Cellisten. Die Intensität, das gegenseitige Zuhören, eben das kongeniale Musizieren sind geradezu magisch.

Kurz vor Ende erklingt dann noch ein Arrangement des katalanischen Liedes 'El cant dels ocells', dem neben einer politischen vor allem auch eine emotionale Bedeutung zufällt. Der im Exil lebende Cellist Pablo Casals spielte dieses Lied am Ende eines jeden Konzertes im Gedenken an seine im Bürgerkrieg zerfallene Heimat, als Hymne der spanischen Flüchtlinge. Mit 'Vocalise' ist den beteiligten Künstlern ein klug zusammengestelltes, spannendes und in jeglicher Hinsicht bemerkenswertes Album gelungen, das hoffentlich entsprechend viele Zuhörer finden wird.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vocalise: Werke von Piazzolla, Villa-Lobos und Vivancos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sinfonieorchester Basel
1
09.02.2018
Medium:
EAN:

CD
888837544528


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Sinfonieorchester Basel

Es gibt viele gute Gründe für eine Reise nach Basel – ein ganz besonderer ist sein Sinfonieorchester. Das Sinfonieorchester Basel ist eines der ältesten und zugleich innovativsten Orchester der Schweiz. In der Nordwestschweiz verankert, geniesst es eine starke überregionale und internationale Ausstrahlung. In seinen eigenen Konzertreihen, im Theater Basel sowie bei Gastspielen im In- und Ausland beweist es immer wieder aufs Neue seine hohe Klangkultur. Chefdirigent ist seit 2009 der renommierte amerikanische Dirigent und Pianist Dennis Russell Davies.

Die Gründung des Orchesters geht auf das Jahr 1876 zurück. Sie fällt damit in das Baujahr des akustisch hervorragenden Musiksaals im Basler Stadt-Casino, der auch heute noch die Spielstätte des Ensembles ist.

Unter den Dirigenten, die dem Sinfonieorchester Basel eng verbunden waren oder es noch sind, finden sich Namen wie Johannes Brahms, Felix Weingartner, Gustav Mahler, Wilhelm Furtwängler, Antal Dorati, Gary Bertini, Walter Weller, Armin Jordan, Horst Stein, Otto Klemperer, Nello Santi, Pierre Boulez, Marko Letonja, Valery Gergiev und Mario Venzago.Eine ganze Reihe bedeutender Werke des 20. Jahrhunderts – unter anderem von Béla Bartók, Arthur Honegger und Bohuslav Martinů – wurden vom Sinfonieorchester Basel uraufgeführt.

1997 fusionierte das Basler Sinfonie-Orchester mit dem Radio Sinfonieorchester Basel. Dabei wurde für das Ensemble der heute gültige Name gefunden: Sinfonieorchester Basel. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Orchesters war 2012 die Ablösung von der langjährigen Veranstalterin AMG (Allgemeine Musikgesellschaft Basel) und der gleichzeitige Aufbau einer eigenen Abonnement-Reihe.

Das Repertoire des Sinfonieorchesters Basel ist breit gefächert: Es reicht von der Wiener Klassik über die Romantik bis hin zu Kompositionen der jüngsten Moderne. Gezielt werden auch neue Konzertformen gesucht und Koproduktionen mit Jazz-, Rock- oder Techno-Acts realisiert. Unter Dennis Russell Davies baut das Orchester seine Stärken und sein Repertoire laufend aus. Schwerpunkte sind unter seinem Dirigat nebst Klassikern der Moderne auch Werke von schweizerischen und amerikanischen Komponisten. Davies und das Sinfonieorchester Basel pflegen eine enge Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung Basel.

Zahlreiche international beachtete und zum Teil preisgekrönte CD-Produktionen dokumentieren das Schaffen des Sinfonieorchesters Basel. Gegenwärtig widmet sich das Orchester unter seinem Chefdirigenten Gesamteinspielungen der Sinfonien von Franz Schubert und Arthur Honegger.

Seit ein paar Jahren zeigt das Sinfonieorchester Basel vermehrt auch internationale Präsenz. So führte beispielsweise 2010 eine Tournee das Sinfonieorchester Basel nach China, und im Herbst 2012 gab das Orchester zwei gefeierte Gastspiele in St. Petersburg und Moskau. Im Frühling 2014 spielte das Orchester im Rahmen einer ausgedehnten England-Tournee Konzerte in London, Cambridge, Basingstoke, Coventry und Cardiff. Für den Frühling 2015 ist eine Tournee nach Südkorea und China geplant.


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