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Freitag, 24. September 2021

Mozart, Wolfgang Amadeus - Masonic Works

Ein Komponist ganz bei sich


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für Wolfgang Amadé Mozart ist wie für viele Zeitgenossen der Spätaufklärung die Freimaurerei ein Thema. Dieses Album aus dem Hause BIS lässt tief und nachhaltig ins Seelenleben des Komponisten blicken.

Immer wieder liegt der Versuch nahe, gerade aus dem ach so genialen Komponisten Wolfgang Amadé Mozart einen Menschen unserer Zeit zu machen. Werden seine Opernwerke neu inszeniert, so wird immer wieder gerne die unüberlegte Frage gestellt, ob denn ihm eine solche Deutung recht gewesen sei, oder man liest in ein Stück Musik wie die große g-Moll-Sinfonie hinein, wie schlecht es ihm gegangen sein muss, und will überall und an musikalisch entlegenen Orten den authentischen Mozart finden. Dabei liegt es auf der Hand, dass man diesen tatsächlich finden kann, nämlich in einer Gruppe von Schöpfungen, die zum Großteil zum Privatvergnügen des Salzburger Komponisten zu zählen sind. Es geht um seine Freimaurer-Kompositionen, die zum Gutteil für Feiern des Geheimbundes geschaffen worden sind. Das war er als Mensch der Spätaufklärung, in die Mozart durch seinen Vater hineingelehrt wurde, die seine Lebenswelt war, ganz bei sich, ja zu Hause. Dies ist besonders der Fall, seit ein Priester aus Erdberg (heute: Wien) ihn zu den Freimaurern gerufen hatte und er in seiner Loge eine Familie fand. Nicht selten half der ein oder andere Bruder auch mal mit Geld aus, obschon Mozart gerade in seinen späten Jahren nicht schlecht verdiente.

Kirchenmusikalischer Habitus und Musikantisches

Es ist nicht so, dass dieser Werkkorpus nicht schon eingespielt worden wäre. Er ist auch mit sehr namenhaftem Personal auf Platte erhältlich, aber selten ist er so frisch, anregend und mit Detailtreue musiziert worden wie auf dieser Einspielung. Die Kölner Akademie (Chor und Orchester) unter Michael Alexander Willens balanciert gekonnt zwischen dem kirchenmusikalischen Habitus, das der Dienst im Tempel benötigt, mit dem Musikantischen, das diesen Kompositionen innewohnt. Sie können, neben den Solopartien, durchaus von begabten Sängern mitgesungen werden. Was nicht heißen soll, dass es sich hier nicht um eine hoch musikalische und künstlerisch wertvolle Schöpfung handelt.

Ein Höhepunkt der vorliegenden Einspielung muss allerdings etwas kritisiert werden, nämlich die beigegeben 20 Minuten aus der Bühnenmusik zu 'Thamos, König von Ägypten'. Sie trägt zur Befüllung der CD bei, als Lückenfüller mit Freimaurerbezug, obwohl ebenso wenig freimaurerisch wie die 'Zauberflöte', ohne jedoch ihre volle Wucht als Bühnenmusik entfalten zu können. John Heuzenroeder mit seinem balsamischen Tenor, der im hohen Maß mit den Kompositionen harmonisiert, dominiert regelrecht die farbenreichen Kantaten, wie 'Laut verkünde unsre Freude', 'Der Maurerfreude' oder 'Dir, Seele des Weltalls'. Abschließend sei noch eine Anmerkung zur berühmtesten Komposition auf dieser Platte gestattet, die hier in einer sehr unüblichen Fassung präsentiert wird. Die 'Maurerische Trauermusik', etwas vom Schönsten aus der Feder Mozarts, ist hier in einem Rekonstruktionsversuch von Philippe A. Autexier zu hören, der diese zum ‚Original‘ mit Chor vermeinte zurückzuführen zu müssen. Spannend, aber noch nicht gänzlich überzeugend. Diese Mozart-Schätze gehören ins heimische CD-Regal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Simon Haasis Kritik von Simon Haasis,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Masonic Works

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
31.01.2018
Medium:
EAN:

SACD
7318599922942


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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