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Samstag, 17. November 2018

Beethoven, Ludwig van - Missa solemnis

Stürmische Messe


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Masaaki Suzuki legt eine schwungvoll mitreißende Einspielung der 'Missa solemnis' vor.

Die von Beethoven selbst als Hauptwerk bestimmte 'Missa solemnis' op. 123 kann sich über mangelnde Einspielungen nicht beklagen. Viele bekannte Dirigenten und Klangkörper können mindestens eine Aufnahme dieser von weltlichen Zügen nicht ganz freien katholischen Messe vorweisen. Insofern füllen Masaaki Suzuki und ‚sein‘ Bach Collegium Japan hier nicht gerade eine Lücke. Allerdings gibt es derzeit nur noch eine andere SACD-Einspielung mit Mehrkanal-Modus, die von Marek Janowski mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Insofern ist diese im japanischen Kawaguchi bei Tokio aufgenommene Interpretation der 'Missa' doch eine Besonderheit, da sie im Gegensatz zu Janowski auch auf historische Instrumente und die historisch informierte Aufführungspraxis setzt.

Im Beethoven-Windkanal

Suzukis Ansatz ist klangästhetisch jederzeit anzuhören, dass er sich mehr am Barock als am 19. und 20. Jahrhundert orientiert, insbesondere an J. S. Bach, dessen Kantatenwerk Suzuki mit der gleichen Besetzung ja auf furiose Weise vorgelegt hat. Furios ist auch hier das richtige Stichwort, denn alleine vom Tempo her kennt diese Interpretation kaum je ein Einhalten. Gleich nach dem einleitenden Kyrie wird der Hörer in stürmischem Tempo fortgerissen, als befände er sich in einem Windkanal aus Orchester, Chor und Solisten. Letztere sind in Gestalt von Ann-Helen Moen, Roxana Costantinescu, James Gilchrist und Benjamin Bevan zwar individuell gut zu vernehmen, zugleich jedoch so stark in den schlanken wie wuchtigen Chorklang eingebettet, dass sie eher wirken wie Chorsolisten. Dies umso mehr, als der 32 Köpfe starke Chor tatsächlich so schlank klingt, als würde es sich bloß um die Hälfte an Sängern handeln.

Suzukis Zugriff ist über die vollen 75 Minuten so packend schwungvoll, dass der Eindruck einer großen, in sich geschlossenen Bewegung entsteht, in der Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei nur einzelne Satzabschnitte bilden. Dank der technischen Perfektion aller Beteiligten, die kein Detail untergehen lässt, blitzt, funkelt, federt, knallt und glänzt es im Orchester unentwegt, sodass man sich unwillkürlich an den Mozart etwa eines René Jacobs erinnert fühlt. Auf diese Weise werden vor allem in den ausgedehnten Schlussfugen des Gloria und Credo musikalische Kräfte freigesetzt, die in ihrer Grenzen sprengenden Gestik an die Rahmensätze der Siebten Sinfonie Beethovens erinnern. Wunderbar in Szene gesetzt sind ebenfalls das ‚himmlische‘ Violinsolo im Sanctus und die Kriegsmusik mit Pauken und Trompekten kurz vor Ende im Agnus Dei.

Auch wenn die 'Missa Solemnis' unter anderem von einem Gardiner oder Harnoncourt bereits für die Originalklangpraxis erschlossen wurde, lässt sich diese SACD also besonders im breit aufgestaffelten Mehrkanal-Klang rundum empfehlen. Das Booklet weist zwar wie stets bei BIS einen deutschsprachigen Einführungstext auf, jedoch nur eine englische Übersetzung der lateinischen Texte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Missa solemnis

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
31.01.2018
EAN:

7318599923215


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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