> > > Urspruch, Anton: Klavierkonzert op. 9 & Symphonie op. 14
Donnerstag, 21. März 2019

Urspruch, Anton - Klavierkonzert op. 9 & Symphonie op. 14

Übergangswerke


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Doppel-CD ist ein klingendes Plädoyer für Anton Urspruch - das bislang überzeugendste. Die Einspielung der Es-Dur-Sinfonie ist glänzend gelungen.

In der Vergangenheit wurde Anton Urspruch (1850–1907) mehrfach mit eher mittelmäßigen Einspielungen gedient – oder eher: wenig gedient. Die vorliegende Doppel-CD (Spielzeit 92 Minuten) durchbricht diesen Kreis auf das Erfreulichste. Zwei substanzielle Werk präsentieren einen Komponisten in der Schumann- und Brahms-Nachfolge, einen noch nicht Dreißigjährigen, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, aber noch in eher konventionellen Bahnen wandelt. Beide Kompositionen entstanden wohl gegen Ende der 1870er-Jahre, kurz nach Brahms‘ Erster Sinfonie (leider schweigt sich der auch sonst nicht ganz souveräne Booklettext über die genauen Entstehungsdaten aus). Sicher ist das Klavierkonzert alles andere als eine Sinfonie mit obligatem Klavier – vergleicht man (motivisch wie harmonisch) mit Schumann und vom Satz her nicht nur mit Brahms, sondern vor allem auch mit Raff, Reinecke und anderen Zeitgenossen, so haben wir ein ganz typisches Werk der Zeit.

Dass Oliver Triendl der Komposition in jedweder Hinsicht gewachsen ist, ist eigentlich selbstredend; sein Beitrag ist denn auch noch inspirierter als jener der Nordwestdeutschen Philharmonie unter Georg Fritzsch, die eine solide, in den einzelnen Orchestersoli auch überzeugende, vielleicht aber etwas ‚bodennahe‘ Leistung liefern, wo man sich gelegentlich doch etwas Hochfliegendes, die Bodenhaftung Verlassendes gewünscht hätte (im Schluss-'Allegro' scheint Triendl das ganze Orchester mitzureißen). Wenn die Komposition dennoch nicht ganz überzeugt, mag dies daran liegen, dass manchem satztechnischen Moment noch etwas Unfertiges anhaftet, das das Werk als eines des stilistischen Überganges kennzeichnet – Urspruchs späterer Stil ist von noch stärkerer Faszination als hier schon zu erahnen. Urspruchs Klangmagie späterer Werke ist aber etwa im langsamen Satz durchaus schon evident.

Gleiches gilt für die Joachim Raff gewidmete Sinfonie Es-Dur op. 14; hier leitet Marcus Bosch die Nordwestdeutsche Philharmonie. Die schon aus dem Jahr 2006 stammende WDR-Aufnahme (das Klavierkonzert wurde 2009 vom WDR produziert) verfolgt nicht nur die neudeutschen Momente der Komposition, auch die Verwandtschaft zu Dvorák und anderen Zeitgenossen wird spannend und spannungsreich erkundet. Alle möglicherweise im Klavierkonzert noch zu findenden Lässigkeiten sind in der Sinfonie überwunden, und die Interpretation erfüllt alle Bedingungen, als Referenz gelten zu können. Jenes Orchester, das im Klavierkonzert gelegentlich etwas erdig daherkommt, spielt sich hier frei und liefert eine erstklassige Interpretation. Da sind Luft und Farbe, Frische und Übermut, gleichzeitig Tiefe, perfekte Balance im Orchester, kurz Inspiration. Gelegentliche kompositorische Ungeschicklichkeiten werden elegant überwunden, und wenn es etwas zu bemängeln geben könnte, dann höchstens dass die Blechbläser gelegentlich (ganz selten) etwas zu präsent sind – bedingt, so kann mal wohl sagen, dadurch, dass sie sich voll und ganz der Komposition hingeben und eine im besten Sinne lebensvolle Interpretation liefern. Vielleicht hat der WDR noch mehr Urspruch-Aufnahmen im Archiv, die gehoben werden könnten?



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Urspruch, Anton: Klavierkonzert op. 9 & Symphonie op. 14

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
2
22.01.2018
92:17
EAN:
BestellNr.:

761203519422
cpo 555 194-2


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Urspruch, Anton
 - Klavierkonzert Es-Dur op. 9 - Allegro ma non troppo
 - Klavierkonzert Es-Dur op. 9 - Andante - Lento e mesto
 - Klavierkonzert Es-Dur op. 9 - Allegro - Tempo giusto


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Dirigent(en):Fritzsch, Georg
Bosch, Marcus
Orchester/Ensemble:Nordwestdeutsche Philharmonie
Interpret(en):Triendl, Oliver


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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