> > > Rosenmüller, Johann: In te Domine speravi (Musik aus Schloss Wolfenbüttel Vol. 2)
Freitag, 20. April 2018

Rosenmüller, Johann - In te Domine speravi (Musik aus Schloss Wolfenbüttel Vol. 2)

Rosenmüller und Wolfenbüttel


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch wenn Wolfenbüttel eher historischen Anlass bietet denn wirklich Schaffensort Rosenmüllers ist: Die Platte lohnt sehr deutlich, zeigt sie doch eine gewaltige kompositorische Größe des 17. Jahrhunderts in strahlenden Farben.

Im zweiten Teil der Reihe mit Musik aus Schloss Wolfenbüttel, präsentiert von Manfred Cordes und seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen, steht Johann Rosenmüller im Mittelpunkt. Der war erst spät in seinem bewegten Leben, 1682, als 65jähriger am Wolfenbütteler Hof in eine reputierliche Stellung gelangt, die seinen musikalischen Fähigkeiten entsprach. Eine Stellung, die zugleich kaum für ein gleichsam entgangenes Künstlerleben zu entschädigen vermochte. Zumal ihm in Wolfenbüttel nur mehr zwei Jahre vergönnt waren, von deren Produktivität wir wenig wissen. Davor war er stupend arbeitsam; ein großer Teil seiner Werke fand den Weg an deutsche Höfe und war alles andere als unbekannt. Entscheidend für die Überlieferung bis heute wurde dann doch noch eine Wolfenbütteler Instanz: Die Sammlung Bokemeyer, der wir einen Großteil der erhaltenen Vokalwerke verdanken.

Manfred Cordes hat daraus einen interessanten Gedanken gewonnen: Welche Funken schlägt ein beweglicher, fantasiebegabter Geist wie Rosenmüller wohl in verschiedenen Werken aus ein und demselben Text? Hier ist es, nach lutherischer Zählung, der 31. Psalm 'Herr, auf dich traue ich'. Der ist in sieben verschiedenen Geistlichen Konzerten zu hören. Die zeigen Rosenmüller hochinspiriert. Formal sind verschiedene Konstellationen von Soli über Duette bis zur reichen Doppelchörigkeit zu hören. Die Textdeutung ist mannigfaltig, lebendige Kontrapunktik ist zu erleben, die in keinem Moment altmodisch wirkt, expressive Qualitäten inklusive.

Versiert

Ideales ‚Futter‘ für Manfred Cordes und die harmonische Riege versierter Vokalisten, die dieses Programm lebendig macht: Die beiden Sopranistinnen Gerlinde Sämann und Julia Kirchner, dazu der Altus David Erler und die beiden Tenöre Mirko Ludwig und Hans Jörg Mammel. Ja, es ist ein Hochklangensemble ohne Vokalbass, dessen Fehlen freilich – sehr zur Überraschung des Rezensenten – nicht spürbar ins Gewicht fällt. Zumal etwa im sechsten eingespielten Konzert für zwei Soprane und zwei Tenöre die Basssphäre funktional abgebildet und einbezogen wird. Die Vokalisten glänzen solistisch, vor allem Gerlinde Sämann, David Erler und Hans Jörg Mammel in ihren großen Solo-Konzerten. Doch ist auch jede andere Konstellation großartig durchdrungen und bewältigt, wirkt der Gesang ebenso elegant wie präzis.

Beweglich grundiert wird das vokale Geschehen durch eine Instrumentalgruppe mit je zwei Violinen und Gamben, dazu Dulzian, Orgel und Chitarrone. Vor allem aus dem Basso continuo entfalten sich reiche Impulse. Dazu versilbert die klassische, aus zwei Violinen bestehende Obligat-Besetzung Geistlicher Konzerte jener Zeit die Vokalpartien nobel und elegant. Manfred Cordes entwickelt die Musik in maßvollen Tempi und lässt Raum für Impulsivität und Beschleunigung, die verlässlich aus der reichen Bewegung vokaler Linien und obligater Stimmen hervorgehen. Dynamisch ist die Szenerie einerseits durchsichtig gehalten, wird andererseits erfrischend reich binnendifferenziert, zum Beispiel im einleitenden Doppelchor-Konzert. Das Klangbild ist klar und gut gegliedert, wirkt präzis organisiert und ist luzide in der Präsentation der hellen Vokalfarben.

Auch wenn Wolfenbüttel eher historischen Anlass bietet denn wirklich Schaffensort Rosenmüllers ist: Die Platte lohnt sehr deutlich, zeigt sie doch eine gewaltige kompositorische Größe des 17. Jahrhunderts in strahlenden Farben. Eine leicht verspätete, aber nicht zu späte Würdigung des Komponisten zu dessen 400. Geburtstag im Jahr 2017.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rosenmüller, Johann: In te Domine speravi (Musik aus Schloss Wolfenbüttel Vol. 2)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
1
22.01.2018
62:22
EAN:
BestellNr.:

761203516520
cpo 555 165-2


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Rosenmüller, Johann
 - In te Domino speravi - doppelchörig, fünf Vokalstimmen, fünf Instrumente und Generalbass
 - In te Domino speravi - Alt, Tenor, zwei Violinen und Generalbass
 - In te Domino speravi - Sopran, zwei Violinen und Generalbass
 - In te Domino speravi - Tenor, zwei Violinen und Generalbass
 - In te Domino speravi - Sopran, Alt, zwei Violinen und Generalbass
 - In te Domino speravi - zwei Soprane, zwei Tenöre, zwei Violinen und Generalbass
 - In te Domino speravi - Alt, zwei Violinen, zwei Violen da gamba, Fagott und Generalbass


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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