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Sonntag, 29. November 2020

Summer Night - Orchesterwerke von Othmar Schoeck

Schweizer Schwelgen


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein warmer samtiger Streicherklang und eine ausbalancierte Melancholie. So klingt das Schweizer Kammerorchester I Tempi, das mit seiner zweiten Einspielung ein Statement abgibt: für Othmar Schoeck, einen verkannten Spätromantiker.

Der verspätete Schweizer Spätromantiker Othmar Schoeck (1886–1957) gehört immer noch zu den verkannten Komponistenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Erschwerend hinzu kommen noch die Schatten, die seine Anbiederung an den nationalsozialistischen Kulturbetrieb auf sein Schaffen werfen. Nichtsdestotrotz deutet einiges auf ein allmählich ansteigendes Interesse hin: Die Peter-Konwitschny_Inszenierung seiner jugendlich vorwärts stürmenden Oper 'Penthesilea' aus den 1920er Jahren hat jüngst an der Oper Bonn für einiges Aufsehen gesorgt hat. Manch Zuhörer, der mit der Klangwelt von Strauss und Zemlinsky vertraut war, zeigte sich überrascht, wie psychologisierend, vielschichtig und vor Klangfinessen nur so sprühend dieses Werk eines unbekannten Schweizers daherkam.

Seine späte Oper 'Das Schloss Dürande' (1943) versucht man in der Schweiz gerade vom nationalsozialistischen Gedankengut im Libretto zu befreien und auch das Genuin Label arbeitet mit seiner 'Summer Night'-CD, die einigen späten Kammermusikwerken Schoecks gewidmet ist, in diese Richtung. Für das Kammerorchester I Tempi aus Basel ist es die zweite CD Produktion – ein Ausrufezeichen in punkto Klangbrillanz und geradezu ein Exempel für das lustvolle Schwärmen in atmosphärischer Spätromantik.

Warmer Streicherklang

Während sich der drahtige, innovative Schoeck der 1920er Jahre an Klangkontrasten abarbeitete, herrscht hier in seinem Spätwerk ein warmer, fast samtiger Streicherklang, der große atmosphärische Bögen und eine fein ausbalancierte Melancholie in den Vordergrund stellt. Solche Klangideale – stets tonal verankert – werden in der As-Dur-Suite für Streichorchester geradezu zelebriert und vom Ensemble in einem intimen Musiziergestus umgesetzt, in dem die Streicherlinien eng geführt ineinander greifen. Wie die Schweizer Musiker hier innehalten, jeder einzelnen melodiösen Linie Raum geben, ist bemerkenswert. Der 3. Satz schert aus der melancholischen Grundstimmung überraschend aus – mit einem Danse macabre, der teils in einen bissigen Marschrhythmus, vorgegeben von den tiefen Streichern, mündet. Hier fühlt man sich schon fast an Prokofjews zugespitzten Neoklassizismus erinnert. Der choralartige Hymnus im vierten Satz führt die Qualitäten des Ensembles vor Ohren: ein kondensierter Klang und ein Zelebrieren der großen Spannung, die diese Musik trägt – die oft genug unerwartete harmonische Wendungen bereithält.

Das Konzert für Cello und Streichorchester hingegen ist etwas vorhersehbar und macht – das muss man gerade angesichts des Entstehungsjahres 1947 sagen – trotz des großen Einsatzes von Christoph Croisé am Cello leider keine Werbung für Schoeck als Komponisten mit einem großen Eigenwert. Erst im Schlusssatz flimmert eine fast filmmusikalische Klangwelt auf, in der das Cello chromatische Streicherharmonien sekundiert, ehe es in einen spielerischen Molto-allegro-Teil verfällt. Das Spielerische arbeiten die Basler Musiker hier hervorragend heraus. Trotzdem hinterlässt gerade dieses Werk – auch aufgrund seiner großen Sprunghaftigkeit – auf der CD den blassesten Eindruck.

Ganz anders durchgearbeitet ist die 'Sommernacht', ein viertelstündiges pastorales Intermezzo – und ein perfektes Stück Programmmusik. Harmonische Grundierungen und Schattierungen wechseln hier auf faszinierende Art und Weise synchron zu den Klangfarben, die Leiter Gevorg Gharabekyan seinem Streichorchester entlockt. Trotz der anachronistischen Musiksprache hört man hier mit gebanntem Atem zu: wie die Grillen zirpen, wie die Bauern rufen oder die Vögel am Morgen in den Violinen zwitschern. Es ist kein Wunder, dass es sich hier um Schoecks meistgespieltes Instrumentalwerk handelt. Auch wenn der Repertoirewert dieser CD sicherlich beschränkt ist, einen idealen Soundtrack für laue Sommerabende bietet sie dem Hörer allemal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Summer Night: Orchesterwerke von Othmar Schoeck

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
02.02.2018
Medium:
EAN:

CD
4260036254976


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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