> > > Münchner Philharmoniker at the Proms 2016: Werke von Rachmaninoff, Ravel, Ustvolskaya, Strauss und Berlioz
Samstag, 30. Mai 2020

Münchner Philharmoniker at the Proms 2016 - Werke von Rachmaninoff, Ravel, Ustvolskaya, Strauss und Berlioz

Standard-Menü


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Müncher Philharmoniker mit einem zumeist eher banalen Konzertprogramm.

In seinem Londoner Konzert mit den Münchner Philharmonikern erweist sich Valery Gergiev gewissermaßen als Populist. Schlachtrösser wie Maurice Ravels 'Boléro', Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert, der 'Ungarische Marsch' aus Berlioz‘ 'La Damnation de Faust' eignen eher einem Wunschkonzert denn einem anspruchsvollen Konzert auf den Proms in der Royal Albert Hall. Aber was als Ramschware hätte angesehen werden können, erweist sich als fein ausgearbeitetes ‚Standard-Menü‘ gehobener Ansprüche. Die Münchner Philharmoniker scheinen in guter Form und arbeiten unter Gergievs Leitung die Raffinesse und Sensualität der Kompositionen genüsslich heraus. Dass es den Blechbläsern im 'Boléro' etwas an Klangkultur mangelt und das Orchester zwar die Sonne Spaniens, aber keine heiße Erotik evoziert, mag auch an Gergievs verhaltenen Tempi liegen (der Schluss der Komposition wirkt geradezu, wie der der Brite sagen würde: ‚pedestrian‘, schwunglos, einfallslos, langweilig).

Substanzlos

In Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert könnte die Harmonie zwischen dem jungen usbekischen Pianisten Behzod Abduraimov (Gewinner der London International Piano Competition 2009) und dem Orchester an manchen Stellen etwas besser sein – insgesamt haben wir viel Raffinesse, glasklare Durchhörbarkeit auch des Orchesterklangs. Die Verwandtschaft zu Schumanns Klavierkonzert wird offenbar, doch bleibt die Musik irgendwie substanzlos, verliert sich im Detail, statt dass starke dramatische Steigerungen aufgebaut würden. Abduraimovs Spiel ist von großer Brillanz und Klarheit, doch scheinen der Pianist oder sein Flügel nicht jene Kraft aufbringen zu können, die für die Steigerungen der Musik unabdingbar ist – eine Vertiefung vergleichbar jener eines 75-jährigen Vladimir Horowitz ist weit jenseits seiner Möglichkeiten.

Nach der Konzertpause folgt Galina Ustvolskayas Dritte Sinfonie 'Jesus Messiah, Save Us!' von 1983 für Bläser, Kontrabässe, Schlagwerk, Klavier und Sprecher (Untertitel fehlen, Text Russisch/Englisch im Booklet). Hier haben wir etwas ganz Besonderes – sonst ist von Gergiev keine Ustvolskaya-Aufnahme bislang veröffentlicht. Wir wünschen uns, dass der Dirigent viel stärker die ausgetretenen Pfade verlässt und auch und gerade jene Musik dokumentiert, die uns sonst viel zu unbekannt bleibt. Ustvolskayas Musik ist keine leichte Kost, dabei unmittelbar beeindruckend auch ohne dass man die russische Rezitation (eindringlich: Alexei Petrenko) unmittelbar versteht. Sicherlich der Höhepunkt des vorliegenden Konzerts.

Uninspiriert

Die 'Rosenkavalier-Suite' von Richard Strauss (ohnehin das denkbar schlechteste Arrangement von Walzern aus der Oper, auch nicht vom Komponisten selbst erstellt) zeigt Gergievs Blechbläser in denkbar schlechtestem Licht – kaum ein Solo ist wirklich gelungen. Die Tempowahl ist uninspiriert, und an vielen Stellen wird unexakt musiziert (selbst bei Gergievs verhältnismäßig langsamen Tempi). Die Übergänge zeigen, dass Gergiev mit der Oper nicht zutiefst vertraut ist, zu oft hapert es an den Steigerungen, selbst an der Verknüpfung des thematischen Materials. Allein die schiere Masse des Orchesters riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin – an der interpretatorischen Qualität kann es nicht gelegen haben.

Als Zugabe dann der 'Ungarische Marsch': Da kann man nicht viel falsch machen (naja, es wäre keine Berlioz-Interpretation für 2019 gewesen, klingt mehr nach Mussorgsky als nach Berlioz), das Publikum ist begeistert und mag auch die vielen Patzer, die das Konzert am 18. Juli 2016 (warum verschweigt die Ausgabe das genaue Aufnahmedatum?) beeinträchtigt haben, vergessen. Beim Wiederhören ist das nicht so einfach.

Während die Bildspur der BBC tadellos ist (wenn auch die Bildregie etwas einfallslos), sei dem Hörer dringend die 5.1-Surroundspur empfohlen: Die Stereospur ist schlecht abgemischt und vergröbert das Klangbild teilweise deutlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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    Münchner Philharmoniker at the Proms 2016: Werke von Rachmaninoff, Ravel, Ustvolskaya, Strauss und Berlioz

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
09.02.2018
Medium:
EAN:

DVD
747313557257


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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