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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Saint-Saens, Camille - Suiten und Serenade

Spannende Suiten von Saint-Saëns


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Selten zu hörende Orchester-Suiten von Camille Saint-Saëns präsentiert Jun Märkl mit dem baskischen Nationalorchester in akustisch leider nur mittelmäßiger Qualität.

Was in der Beschreibung der vorliegenden CD eigentlich nur auf ein Werk von Camille Saint-Saëns bezogen ist, kann für alle vier Stücke gelten: ‚rarely performed‘, selten aufgeführt, sind alle der hier versammelten Kompositionen. Am ehesten hin und wieder zu hören ist noch die 'Suite algérienne' op. 60, die seinerzeit ein Publikumsliebling war. Die beiden Suiten opp. 49 und 16b – letztere für Cello und Orchester – sind dagegen ebenso Exoten im Konzertsaal wie die Serenade op. 15. Warum das so ist, darüber kann man lange spekulieren, der französische Komponist teilt dieses Schicksal jedenfalls mit vielen Kollegen. Um so erfreulicher, dass sich nun Jun Märkl und das baskische Nationalorchester auf dieser bei Naxos erschienenen CD der Stücke angenommen haben. Damit wird auch ein Blick auf die lange Schaffenszeit von Saint-Saëns geworfen, von der 1865 entstandenen Orchesterfassung der Serenade op. 15 bis zur Überarbeitung der (ursprünglich für Cello und Klavier komponierten) Suite op. 16, die aus dem Jahr 1919 stammt.

Problematische Klangbalance

Die raffiniert instrumentierte 'Suite algérienne' ist für jedes Orchester ein dankbares Stück, wirkungsvoll sind vor allem die Sätze zwei und vier. Märkl und das baskische Nationalorchester greifen das Werk mit Feuereifer an, die straffen Tempi tun der Musik grundsätzlich gut, hier und da hätte jedoch vielleicht auch etwas mehr Ruhe gut getan. Vor allem der langsame Abschnitt 'Rêverie du soir' wirkt so ein wenig gehetzt. Sehr schön gelungen ist hingegen das Bratschen-Solo in diesem Satz. Der schmissige, fröhliche Finalsatz hat ein wenig mit Balance-Problemen zu kämpfen, wie überhaupt die klanglichen Bedingungen hier nicht optimal sind. Zu oft decken die sehr präsenten Streicher die übrigen Orchestermitglieder zu.

Im Vergleich zu dieser Suite wirkt das Schwesterwerk op. 49 etwas blass, kann nicht mit den Effekten der 'Suite algérienne' aufwarten. Der Versuch des Komponisten, barocke Satztitel wie Sarabande und Gavotte ins 19. Jahrhundert zu überführen, überzeugt nur bedingt. Auch die Romance schleppt sich etwas dahin, kommt kaum über die Aneinanderreihung von schönen Melodien hinaus. Märkl und sein Orchester holen das Mögliche aus dem Werk heraus, bleiben konsequent bei den flotten Tempi (vor allem im Finale), müssen allerdings erneut mit leichten akustischen Problemen kämpfen. Diese verschärfen sich im folgenden Stück für Cello und Orchester: Solist Guillermo Pastrana wird bisweilen in den Hintergrund gedrängt und muss ordentlich forcieren, um überhaupt noch hörbar zu bleiben. Das ist schade, denn seine Leistung ist einwandfrei und der Gesamteindruck dieser zweiten Fassung von op. 16 kann überzeugen. Mit seinen virtuosen Fähigkeiten als Instrumentator schuf Saint-Saëns hier ein gleichberechtigt neben der Originalfassung stehendes Stück.

Wiederum weniger gelungen ist die Serenade op. 15, ein knappes und etwas blasses Werk, das diese Suiten-Werkschau des französischen Komponisten beschließt. Die bei den anderen drei Werken auftretenden Balance-Schwierigkeiten sind hier nicht ganz so deutlich hörbar. Es ist für jeden Hörer eine Sache der Abwägung, ob er angesichts des hohen Repertoire-Wertes dieser CD die genannten Einbußen in Kauf nimmt – es ist kaum zu bestreiten, dass die vier hier versammelten Werke von der Interpretation eines Spitzen-Orchesters erheblich profitieren würden. Hörenswert ist die Musik aber allemal – Saint-Saëns war selbst in jenen Werken, die man nicht erstrangig nennen möchte, ein Schöpfer spannender Kompositionen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Suiten und Serenade

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
09.02.2018
EAN:

747313373277


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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