> > > Rossini, Gioachino: Ricciardo e Zoraide
Freitag, 20. April 2018

Rossini, Gioachino - Ricciardo e Zoraide

Vom Glück der Rarität


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Ricciardo e Zoraide' von Gioachino Rossini ist nur eingefleischten Spezialisten ein Begriff, wenn überhaupt. Naxos setzt seine Reihe mit Rossini-Einspielungen mit diesem Werk fort.

Musikfestivals, die sich nur einem Komponisten widmen, stehen immer in der Kritik. Unberechtigt ist das auch nicht, wenn man nicht nur nach Bayreuth blickt, sondern auch an vielerlei Plätze, wo oft die Ideen auszugehen scheinen. Schnell wird spürbar, dass das Oeuver nur eines Komponisten oft nicht reicht, um ein Festival für die Hörerschaft interessant zu halten. Rossini in Wildbad hat dieses Problem dadurch derzeit im Griff, dass dieses Musikfest es sich zur Aufgabe gemacht hat, den gesamten Rossini der Welt zu erschließen. Das verdient Anerkennung.

Ein Wiener Privatdozent für Musikwissenschaft, Leopold Kantner, hat auf Donizetti, den er sehr verehrte, bezogen das böse Wort geprägt, wieviele Opern dieses Komponisten wohl entbehrlich seien. Von den rund 60 bleiben nicht viele, wenn man auf den Opernbetrieb schaut. Für Rossini gilt ähnliches. Als überzeugter Verehrer des ‚späten‘ französischen Schaffens des späteren Kochs bekommt man ohnehin Schnapp-Atmung, wenn man sich mit den früheren komischen Opern beschäftigt.

Doch bei 'Ricciardo e Zoraide' ist das wirklich anders, denn hier handelt es sich um ein besonderes Schmuckstück. Dies liegt an der eigentümlichen Struktur des Werkes, die nicht erst heute auffällt, sondern auch Zeitgenossen nicht entgangen ist. Es beginnt bereits mit der wirklich besonders ansprechenden 'Sinfonia', die mit der 'Introduzione' kombiniert ist und unmittelbar in einen Chor übergeht. Wenn man an andere Ouvertüren denkt, wie die zum 'Barbiere', dann wird deutlich, warum das etwas besonderes ist. Dieses Stück wurde von Rossini für wohl mindestens vier Opern verwendet. Auch wird 'Ricciardo e Zoraide' von Ensembles dominiert, was ebenfalls sehr ins Auge und Ohr sticht. Was aber Standard bleibt, sind die ‚schreienden‘ Tenöre mit möglichst vielen hohen Tönen. Hierüber hat sich Rossini immer wieder ausgelassen, wobei man mit Hinblick auf die Geschichte der Gesangstechnik betonen muss, dass die Zeitgenossen des Komponisten niemals die hohen Cs mit voller Bruststimme gesungen hätten.

Das wandelt sich aber stets, und die vorliegende Aufnahme zeigt einen Zwischenstatus, der das Stück einem sehr jungen, aber ebenso qualifizierten Ensemble anvertraut. Mit fast schlafwandlerischer Sicherheit buhlen vier Tenöre um die Krone, was typisch für die italienische Opernästhetik dieser Zeit ist. Das Wettrennen entscheiden - schon durch die Rollen diktiert - Maxim Mironov und Randall Bills für sich. Vor allen Dingen Mironov, der die Titelrolle gibt, zeigt, warum er heute an den großen Bühnen der Welt singt: saubere Intonation, gut geführte Kantilienen und brillante Höhe mit lockeren Koloraturen. Dem steht Zoraide, die Sopranistin Allesandra Mariannelli, in nichts nach. Übertroffen wird sie dennoch für Silvia Beltrami, die mit satter voller Mezzostimme ihre fordernde Partie der Gegenspielerin gibt.

Auch das Orchester, die Virtuosi Brunensis und der formidable Camarata Bach Chor aus Polen, machen Freude. Vor allem der Solist des Vorspiels beeindruckt. Alles, was hier zu hören und entdecken ist, ist zusammenfassend dem Dirigat von José Miguel Pérez Sierra hoch anzurechnen. Diese drei CDs machen Lust, Rossini besser kennen zu lernen. Leider entspricht die Qualität des Booklets nicht der Klasse der musikalischen Umsetzung, aber das kann man dem Label nachsehen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Rossini, Gioachino: Ricciardo e Zoraide

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
3
09.02.2018
EAN:

730099041973


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Simon Haasis:

  • Zur Kritik... Schlicht unerträglich: So rettet man keinen Komponisten vor dem Vergessen: Johann Vesque von Püttlingen hat Besseres verdient. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Am Puls der Zeit: Giacomo Carissimi gehört zu jenen Komponisten an der Schranke zwischen der Alten und der Neueren Musikgeschichte. Das macht es nicht einfach, sich ihm aufführungspraktisch zu nähern. Weser-Renaissance Bremen zeigt bei cpo, wie es möglich sein kann. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Spannend, aber letztlich unbefriedigend: Nach Markus. Passion von Steffen Schleiermacher in Anlehnung an Johann Sebastian Bach ist ein spannender Versuch, der auf einer bei Paschen Records erschienen Aufnahme überzeugt. Dennoch bleiben Wünsche offen. Weiter...
    (Simon Haasis, )
blättern

Alle Kritiken von Simon Haasis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klangverliebt: Dieses neue Strauss-Album ist an Klangschönheit kaum zu überbieten und kann problemlos im Hintergrund laufen. Wirklich fesselnde Interpretationen bekannter und ein wenig unbekannterer Strauss-Lieder bietet die CD leider nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Jenseits des Scheins: Volle Hingabe an die Musik: Werke für Viola von Grey, Gorb, Britten, Bliss u.a. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Telemann als Kantor: Telemann als Kantatenkomponist von Rang interessiert immer. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2018) herunterladen (2494 KByte) Class aktuell (1/2018) herunterladen (3364 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Henri Marteau: String Quartet No.2 op.9 - Finale. Allegro con fuoco

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich