> > > Basso Ostinato - Pssacaglias & Chaconnes: Cembalowerke von Picchi, Purcel, Tomkins, Couperin u.a.
Donnerstag, 9. Juli 2020

Basso Ostinato - Pssacaglias & Chaconnes - Cembalowerke von Picchi, Purcel, Tomkins, Couperin u.a.

Überzeugende Dramaturgie


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Cembalist Pieter-Jan Belder überzeugt mit seiner Auswahl an Passacaglien und Chaconnen und weiß mit seiner differenzierten Herangehensweise einen weiten und lebendigen Spannungsbogen zu schaffen.

Kompositionen über eine gleichbleibend wiederholte musikalische Figur erfreuten sich spätestens seit dem Frühbarock, ja in gewissen Formen wie etwa der Tanzform des Passamezzo schon seit der Renaissance, bis weit in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein großer Beliebtheit. Hier konnte ein Komponist beweisen, zu welch vielfältigen musikalischen Varianten er mit seinen Kontrapunktkünsten über einem durchlaufenden Grundmuster gelangen kann. Der niederländische Cembalist Pieter-Jan Belder hat seiner CD mit ausgewählten Werken von Giovanni Picchi, Henry Purcell, Johann Sebastian Bach, Thomas Tomkins, Louis Marchand, Louis Couperin, Padre Antonio Soler, Bernardo Stocace, Georg Muffat und Girolamo Frescobaldi, die alle über einem ostinaten Bass komponiert sind, den schlichten Titel ‚Basso ostinato‘ gegeben. Ein gleichbleibender Bass als Ausgangspunkt für die Komposition einer Passacaglia oder Chaconne (je nach Herkunft nannte man solche Stücke neben anderen Bezeichnungen etwa auch Ciacona, Ground oder Passacaille) war die häufigste musikalische Ausprägung dieser Technik.

Äußerst feinsinnig

Belder versteht es, den Hörer gleich zum Eingang in Picchis 'Pass‘e Mezzo' (aus 'Intovalatura di Balli d‘Arpichordo' von 1621, also eine frühe musikalische Tanzform) mit äußerstem Feinsinn durch die unterschiedlichen Ausdrucksbereiche zu führen. Die dichte kompositorische Struktur weiß er erstaunlich durchhörbar zu halten. In Purcells 'A New Ground' vermag er die sanglich gehaltene Oberstimme lebendig vom agogisch sensibel ausgeformten Unterstimmensatz abzusetzen. Mit der Übertragung von Bachs Chaconne aus der Partita d-Moll für Violine solo (BWV 1004) auf das Cembalo gelingt es ihm faszinierend und sehr geschmackvoll, den melodischen Verlauf der hier kompositorisch mehrstimmig gehaltenen Solovioline noch weiter harmonisch aufzufüllen und den musikalischen Satz sinnvoll zu gliedern. So hätte auch Bach selbst bei einer Transkription auf ein Tasteninstrument vorgehen können!

Überzeugender Spannungsbogen

Einen großen Spannungsbogen wölbt Belder über Tomkins lebendig ausgehörten 'Ground'. In die oftmals vollgriffige Textur von Marchands Chaconne d-Moll (aus 'Pièces de Clavecin', 1702) weiß er Gespanntheit und gliedernde Übersicht einzubringen. Couperins Passacaille C-Dur verleiht er mit seiner Herangehensweise eine gelungene Auflichtung. Er versteht es, die kompositorische Struktur des Stücks mit subtilem gestalterischem Verständnis für eine differenzierende klangliche Gewichtung zum Ausdruck zu bringen. Spanisches Kolorit findet sich in Solers Fandango d-Moll (auch das eine Art Passacaglia), wobei Belder hier überzeugend und agogisch spannungsreich den drängenden Charakter des Fandango herauszuarbeiten und durch artikulatorische Raffinesse zu würzen weiß. Ein lebhaft vorwärtsdrängendes Moment ist auch seiner Annäherung an Storaces Ciaconna (1664) eigen. Muffats Passacaglia d-Moll (aus 'Apparatus musico-organisticus', 1690) vermag er trotz der Strenge der Diktion gleichwohl in ein magisches Schwingen zu bringen. Ungezwungen und frei folgt Belder zum Beschluss Frescobaldis 'Cento Partite sopra Passacaglia' (aus 'Primo libro di Toccate', 1637). So schließt sich der Kreis einer erkennbar und überzeugungskräftig in eine Bogenbildung gebrachten Dramaturgie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Basso Ostinato - Pssacaglias & Chaconnes: Cembalowerke von Picchi, Purcel, Tomkins, Couperin u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
02.02.2018
Medium:
EAN:

CD
5028421956565


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Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


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