> > > Symphonic Psalms & Prayers: Chorwerke von Strawinsky, Schönberg, Bernstein und Zemlinsky
Donnerstag, 20. September 2018

Symphonic Psalms & Prayers - Chorwerke von Strawinsky, Schönberg, Bernstein und Zemlinsky

Sinfonische Psalmen


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein feines Programm von Strawinsky bis Zemlinsky, von motivierten Ensembles stilsicher und inspiriert musiziert. Zweifellos eine ungewöhnliche Tenebrae-Platte – aber eine gewohnt hochklassige.

Geistliche Musik, Gesänge aus den Psalmen zumal, werden leichthin und mit guten Gründen aus der persönlichen Erfahrungswelt der meisten Menschen vor allem in der älteren Musik verortet. Dabei haben diese Texte, haben diese Gedanken ihren Reiz nie verloren, sind sie immer Gegenstand künstlerischer Beschäftigung geblieben. Natürlich auch für etliche der großen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das englische Vokalensemble Tenebrae unter seinem Gründer und Leiter Nigel Short hat jetzt in Zusammenarbeit mit dem BBC Symphony Orchestra eine feine Platte mit solcher Musik vorgelegt: Populär und weithin aufgeführt ist die 'Psalmensinfonie' von Igor Strawinsky, auch Leonard Bernsteins 'Chichester Psalms' sind keine Nischenmusik. Das gilt eher für Arnold Schönbergs op. 13 'Friede auf Erden' und Alexander Zemlinskys Vertonung des 23. Psalms op. 14. Sämtlich sind das hochambitionierte Sätze voller Ernsthaftigkeit und Anspruch. Schönberg zum Beispiel ist 1907, in den letzten Ausläufern spätromantischen Seins und Komponierens, ein enigmatisch schönes Stück gelungen, tonal schon in voller Auflösung befindlich, unsicher und tastend gleichermaßen, dabei expressiv bis an Grenzen des Darstellbaren gehend.

Hochpotent und vielseitig

Eine riesige Anforderung, dieses unbegleitete Stück aufzuführen. Womit wir gleich bei einer der herausragenden Stärken des vielseitigen Ensembles Tenebrae sind: der Intonation. Die ist insgesamt makellos, kann bei Schönberg aber nur als herausragend bezeichnet werden. Durch ein so ambitioniertes Stück intonatorisch heil an Leib und Seele zu kommen – das ist hohe Kunst. Und eine nicht überraschende dazu. Zwar ist das Ensemble aus etlichen Programmen vor allem mit Alter Musik vertraut, zeigte sich zum Beispiel mit den großen Spaniern wie Victoria herausragend. Doch gibt es weitere Facetten: Das hat vor kurzem eine Platte mit Motetten von Brahms und Bruckner gezeigt – beseelte, wahrhaft große Romantik voller Substanz, Kraft und Empfindung. Da blieben keine Wünsche offen. Nun also die Moderne des 20. Jahrhunderts. Auch hier wird idiomatisch klar gesungen, mit allen sattsam bekannten Stärken des Ensembles. Wobei man einräumen muss: Es ist auch soghaft attraktive Musik, die ein so potentes Ensemble für sich einnehmen, ja, entflammen muss.

Das gilt ganz ähnlich für das BBC Symphony Orchestra, das sich idiomatisch gleichfalls stark zeigt, in hochkonzentrierten Gesten und gebändigter Fülle: ein Orchester, das sich nicht selbst in den Vordergrund stellt, sondern sich mit seinem modulationsfähigen Volumen auf die Musik einlässt, eine echte Begleitung des Chorischen erreicht. Freilich nicht, ohne die üppigen eigenen Stärken einzubringen: Zum Beispiel rhythmische Prägnanz und knackig geformte Register.

Bei Bernstein glänzt der Altist David Allsopp mit einem betörenden Solo, geprägt von wunderbar ineinander verblendeten Registern seiner schlanken, geradezu androgynen Stimme.

Nigel Short gelingt es, die versammelten Kräfte von vokaler und instrumentaler Sphäre immer wieder zu quasi kammermusikalischer Konzentration zu versammeln, was den in dieser Hinsicht üppigen Anforderungen der Musik deutlich entspricht. Auch klanglich überwiegen Momente von Klarheit und Konzentration, überzeugt eine gute Organisation besonders. Auch die Balance der klingenden Gruppen gelingt unter Studiobedingungen sehr überzeugend; seltener ist eine latente Trockenheit zu verzeichnen.

Ein feines Programm von Strawinsky bis Zemlinsky, von motivierten Ensembles stilsicher und inspiriert musiziert. Zweifellos eine ungewöhnliche Tenebrae-Platte – aber eine gewohnt hochklassige.

Interpretation:
Klangqualität:
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    Symphonic Psalms & Prayers: Chorwerke von Strawinsky, Schönberg, Bernstein und Zemlinsky

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
08.01.2017
EAN:

635212049228


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signum classics

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